Grauer Kapitalmarkt
„Der ist ein Grüner, der lügt nicht“

Beim Windanlagenfinanzierer Prokon stehen 1,4 Milliarden Euro von 75.000 Anlegern auf der Kippe. Handelsblatt Online hat drei Betroffene besucht. Sie nehmen die Prokon-Manager in Schutz. Die Verschwörungstheorien blühen.
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Itzehoe„Ich bin ein geldgieriger Dummkopf“, sagt Heinz Rothenpieler. Seine Augen und die zusammengezogenen Lippen signalisieren Ironie. Der 63-Jährige mit dem grauen zerzausten Vollbart ist wütend wegen der negativen Berichterstattung über Prokon. In den Zeitungen würden Prokon-Anleger wie er als Zocker dargestellt – nur ein Beispiel für den „Medien-Tsunami gegen Prokon“. Einige Tausend Euro hat Rothenpieler angelegt. Um das Geld macht er sich auch nach dem Insolvenzantrag keine Sorgen: „Bei Prokon ist alles im grünen Bereich“, sagt er: „Es kann bei keinem Unternehmen immer nur nach oben gehen“.

Weil er an das Unternehmen glaubt, hat er die „Freunde von Prokon in Düsseldorf“ gegründet. Mehr als 5900 Anleger haben sich deutschlandweit in der Interessengemeinschaft „Freunde von Prokon“ zusammengetan. Sie wollen das Unternehmen, das 314 Windanlagen betreibt und mehr als 1300 Mitarbeiter beschäftigt, vor dem Konkurs retten.

Rothenpielers Wollpullover und die graue Stoffhose sind abgetragen, der Teppichboden des vollgestellten Arbeitszimmers durchgelaufen. Aus Reichtum scheint sich Rothenpieler, der für einen Entwicklungshilfeverein arbeitet, nicht viel zu machen. An der Wand hängt eine Karte der Demokratischen Republik Kongo, darauf heißt das Land noch Zaire: Mit den Gewinnen aus seiner Prokon-Investition wollte er Solarlampen für ein Dorf im Kongo kaufen. Grüner Kapitalismus sollte grüne Energie in Afrika fördern.

Aber eigentlich ist das Investment nicht grün, sondern grau. Die Prokon-Genussscheine gehören zum unregulierten, sogenannten grauen Kapitalmarkt. Nachdem Prokon am 22. Januar einen Insolvenzantrag gestellt hat, ist unklar, ob das Unternehmen tatsächlich zahlungsunfähig ist und was jetzt mit dem Geld der Anleger geschieht.

Rund 75.000 Anleger haben Prokon-Anteile gezeichnet – doch wer sie sind, weiß keiner so genau: Kleine Leute oder große Kapitalisten? Profitjäger oder Weltverbesserer?

Insgesamt haben die Kleinanleger Prokon etwa 1,4 Milliarden Euro geliehen. Der Durchschnittsanleger hat rund 18.000 Euro bei Prokon investiert und ist nach Unternehmensangaben schon „etwas älter“. Nimmt man außerdem an, dass viele der Anleger auch die ideologische Ausrichtung von Prokon – für die grüne Energie, gegen die Großbanken – zumindest unterstützen, hat man schon einige Puzzleteile zusammen.

Kommentare zu " Grauer Kapitalmarkt: „Der ist ein Grüner, der lügt nicht“"

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  • Dieses polemische Produkt eines VolkerLangeHH habe ich nun schon xmal gelesen, sei es in der Zeit, in einem BR-Journal oder wo auch immer. Wortwörtlich.

    Kriegen Sie nicht mehr hin oder bewundern sie sich tatsächlich hierfür?
    Oder bieten Sie Ihren Keller als Atommüll-Lager an?

    Dass und weshalb viele Strafanzeigen - allesamt erfolglos - von einem Herrn Boe stammen, ist ja nun nichts Neues mehr.
    Aber wollen Sie nun auch den Anlegern raten, gegen Prokon zu klagen?
    Die Rechtsprechung zeigt ja ein klares, vergleichbares Beispiel auf, bei dem Kläger auch auf den Gerichtskosten sitzengeblieben sind.
    Bleibt zu hoffen, dass auch alle, die zur Klage gegen Prokon geraten haben, mal so richtig ihr Fett abkriegen ...

  • Herzlichen Glückwunsch liebe Mitmenschen die hier Kommentare
    schreiben und dadrüber nachdenken.

    Sie haben das Ziel des Mainstreams erreicht :)

    Ob sich wohl einer von diesen Leuten mal intensiv mit dem
    Unternehmen auseinander gesetzt hat bevor er sich eine Meinung
    bilden lässt? Wohl kaum.

    Denn langfristig könnte man das komplette Anlegerkapital
    zurück holen wenn man den dann wollte. Ohne Zinsen natürlich
    also mit etwas Inflationsverlust.

    Es gibt genug materielles Anlagevermögen das man teilweise
    flüssig machen könnte. Dann schrumpft man das Unternehmen
    zusammen und zahlt über die Gewinne der verbleibenden Assets
    die Anleger zu 100% aus das dauert vielleicht einige Jahre
    aber es wäre möglich.

    Nur ich würde so langsam mal anfangen etwas zumachen denn
    irgendwann verlassen wir das Tal der Niedrigzinsen auch wieder
    und Fremdkapital wird dann wieder erheblich teurer werden.
    Somit sinkt auch der Handlungsspielraum wieder erheblich.

    Es gibt einige Milliardenschwere Interessenten für ein paar Assets
    von Prokon. Die Liquidität könnte also ohne Fremdkapital wieder
    hergestellt werden und das Insolvenzverfahren verlassen werden.

    Solange man sich dadrin befindet muss man sich diesen populistischen
    usw. Staatsapperat beugen. Und das bei einem Verfahren das so sehr
    in der Öffentlichkeit steht. Vielleicht ja auch eine PR-Strategie.

    Logischerweise müssen die Konditionen mit den Anlegern nochmal
    geändert werden den egal ob es sich nun rein rechtlich um Eigen oder Hybrid-kapital handelt sie können ihr Geld unmöglich sofort
    zurück fordern.

    Das wäre dumm und würde massive Verluste mit sich bringen.

    Eine teilweise Umwandlung in Aktien also 100%-Eigenkapital wäre
    ebenfalls noch eine Option.

  • E i n s t ü r m i s c h e s N a t u r - S c h a u s p i e l, n a c h h a l t i g: Das schöne Geld der meist kfm. etwas naiven, größtenteils hochzinsgierigen Anleger wurde in kleinen u. großen Scheinen nicht nur bei Bio-Idealisten innerhalb von ein paar Quartalen zehntausendfach eingesammelt. Nun wurde das mit ursprünglich Sparer-Werten bedruckte Papier, von denen in gutem Öko-Glauben mal quasi treuhänderisch überlassen, v. PROKON/Haupt-GF C.RODBERTUS "mehrstufig spezialveredelt“. Zuerst in der 2011+2012 defizitären Magdeburger Pflanzenöl-Mühle der benötigte Finanzmittel-Saft ausgepresst. Dann in D,POL,FIN windigen Parks, oft funktionierend, manchmal nur im Bau oder gar Planung, durch die im Schnitt viel zu selten gegenüber der ambitionierten Amortisations-Kalkulation ausgelasteten Rotorblätter gehäckselt, m. neuerdings eigener Entwicklung teurer Prototyp. Danach die stark geschrumpften Resteinlagen der stimmlosen Genußrechteinhaber mit vereinbartem Rangrücktritt (alternativ treffender lt. BWL-Def. Wagniskapitalgeber mit Totalausfall-Risiko des unregulierten grauen Marktes), als Schnipsel samt Eigentumsstrittigem rumänischen Waldholz beim dafür extra vollfinanzierten Kooperationspartner in Torgau in verbrennbaren Pellets geformt. Zum bitteren Schluss auf dort selbst gezimmerten Euro-Paletten (bedauerlicherweise nicht
    €-Paletten), nach gemäß homepage ungefähr 1/4 Milliarde... Konzern-Verlust in nur 2 Jahren,
    endlich zum Amtsgericht IZ für Inso.-Antrag gebracht. Diese ländliche Justizbehörde leitete die gefährliche Fracht sofort weiter z. Oberstaatsanwaltschaft in die Hansestadt Lübeck Vorermittlungsteam f. Wirtschaftsdelikte wg. diverser Strafanzeigen z.B. vorsätzlichen Täuschungen/versuchten Betrügereien
    =incl. Verdacht Schneeballsystem, Stopfung alter Deckungslücken und Ausschüttungen mit immer neuen frischen Anlegern. >Und die Moral von der traurigen Energiewende-Geschicht ??? <Solch chaotische Greentec-Projekte rechnen sich leider nicht !!!

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