Grundversorger
Stromanbieter nutzen Energiewende für Preiserhöhungen aus

Viele Stromversorger haben die aktuellen Preiserhöhungen mit der Energiewende und der steigenden EEG-Umlage begründet. Doch jeder zweite Versorger kassiert bei den Verbrauchern mehr als er selbst zusätzlich zahlen muss.
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DüsseldorfJeder zweite Grundversorger wälzt seine Zusatzkosten komplett auf die Verbraucher ab oder greift ihnen sogar noch tiefer in die Tasche. Zu diesem Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale NRW nach der Untersuchung der aktuellen Strompreiserhöhungen in Nordrhein-Westfalen.

„Mindestens die Hälfte der Grundversorger in NRW hat die öffentliche Diskussion über die Energiewende und die steigende Umlage nach dem EEG-Umlage instrumentalisiert, um unangemessen hohe Aufschläge zu fordern“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

In den vergangenen Monaten hatten alle 113 Grundversorger in NRW die Strompreise erhöht. Die Verbraucherzentrale hat in einer Studie 3000 Briefe analysiert, mit denen Grundversorger die Preiserhöhungen angekündigt haben.

Zudem werteten die Verbraucherschützer für jeden einzelnen Anbieter aus, welche Kosten ihm durch die gestiegene Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und andere Umlagen sowie veränderte Netzentgelte in diesem Jahr entstehen. Diese Zusatzkosten wurden mit der Höhe des jeweiligen Preisaufschlags verglichen.

Laut Studie nimmt RWE als Grundversorger für 167 Kommunen gut ein Viertel mehr, als durch gestiegene Umlagen und Netzentgelte erklärbar wäre. Manche Versorger schlagen mehr als das Anderthalbfache ihrer Zusatzkosten auf den Strompreis.

„Das ist nicht akzeptabel – und wirkt fast schon anstößig angesichts der Tatsache, dass die Beschaffungspreise für Strom an der Börse massiv gesunken sind“, sagt Müller. „Verbraucher dürfen nicht einseitig nur an den Kosten beteiligt werden, sondern müssen ebenso von Entlastungen profitieren.“

Die komplette Übersicht der Preiserhöhungen und Kostenweitergaben haben die Verbraucherschützer im Internet veröffentlicht. Zwischenzeitlich wurde die Tabelle überarbeitet, weil laut Verbraucherzentrale ein externer Datenbankbetreiber falsche Daten geliefert hatte. Unter anderen mussten die Angaben zur Energieversorgung Beckum und zur Kölner Rhenag geändert werden.

Von den sinkenden Beschaffungspreisen für den Strom sei jedoch in den Briefen der Grundversorger meist keine Rede gewesen. Besonders häufig sei jedoch mit der Energiewende und der steigenden EEG-Umlage argumentiert worden. Gerade mal die Hälfte der Grundversorger habe die Höhe ihrer Preisaufschläge stichhaltig zu begründet.

Mit der Informationspolitik der Versorger sind die Verbraucherschützer nicht zufrieden. Die meisten Kundenanschreiben sind ihrer Ansicht nach nicht transparent genug: So fehle manchmal schon der Name des betreffenden Stromtarifs. Oder es werde für die Verbraucher gar nicht deutlich, dass es in dem Schreiben um eine bevorstehende Preiserhöhung geht. Außerdem weise jeder dritte Grundversorger die Verbraucher nicht auf ihr Sonderkündigungsrecht bei einer Preiserhöhung hin.

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60 Prozent der Versorger informieren nicht richtig

Kommentare zu " Grundversorger: Stromanbieter nutzen Energiewende für Preiserhöhungen aus"

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  • Das Problem "Unzureichende Information durch den Energieversorger" trifft auch für meine Gemeindewerke zu: Nur durch ein aufgelistetes Rechenbeispiel kam man dahinter, dass sich nicht nur der kWh-Preis erhöhte, sondern auch die Tarifabrechnung geändert wurde (was selbst die Vergleichsportale erst Monate später bemerkten). 22 Prozent - verdeckte! - Preiserhöhung plus miese Information: Das war auch mir dann zu viel und ich wagte den Sprung ins kalte Wasser der Strompreis-Vergleichsportale! Dem vzbv liegt meine "Beschwerde" vor, aber ob meine Gemeindewerke verklagt werden, ist fraglich.

  • Nicht überraschend, ich würde es genauso machen. Der dumme Bürger will doch abgezockt & betrogen weren.

  • @FreundderMarktwirtschaft Leider hat man in der Nation des Ludwig Erhard ("je freier der Markt ist, desto sozialer ist er") nicht mehr viel für Marktwirtschaft übrig. Diese journalistischen Seitenhiebe gegen die normalen Marktmechanismen bereiten das Volk auf weitere Eingriffe vor. Möglich sind progressive Strompreise, um von "oben nach unten" umzuverteilen, Preiskontrollen (und damit automatisch Stromrationierung, technisch ermöglicht mit Smart Metern).

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