Infinus-Prozess
Manager der Finanzgruppe stehen vor Gericht

Am ersten Tag im Betrugsprozess um die Dresdner Infinus-Gruppe sprechen die Kläger von „bandenmäßigem Betrug“. Doch einige Anleger mögen noch immer nicht glauben, dass sie auf Kriminelle hereingefallen sind.

DresdenWar es ein Schneeballsystem oder war es keines? Am ersten Tag des Strafprozesses gegen sechs Manager der Dresdner Infinus-Gruppe scheinen einige Besucher im Landgericht Dresden noch immer von der Seriosität der Geschäfte überzeugt. Doch laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen haben. Die Anklage bezieht sich nur auf einen Teil der Geschädigten. Tatsächlich vermutet die Staatsanwaltschaft, dass seit 2001 insgesamt rund 54.000 Anleger etwa 2,1 Milliarden Euro bei Infinus investierten.

Mancher Gast im Saal N1.05 des Landgerichts mag es bis heute nicht glauben, dass er einem gigantischen Betrugsschema aufgesessen ist. „Wir haben bis zum letzten Tag unser Geld und unsere Zinsen zurückbekommen“, beteuerte etwa Peter Kohl, der zusammen mit seiner engeren Familie 100.000 Euro investiert hat und am Montag ganz vorne im Besucherbereich Platz nahm. Ähnlich sieht es ein Rentner, mehrere Reihen weiter hinten: „Wenn erst mal alle Manager in Haft sind, dann läuft natürlich kein Geschäft mehr.“

Die Infinus-Gruppe war im November 2013 zusammengebrochen, als 400 Polizisten tausende Aktenordner beschlagnahmten und die sechs Manager des Finanzkonzerns festnahmen. Sie war seit ihrer Gründung im Jahr 2000 vor allem mit dem Ankauf und der kostengünstigen Fortführung von Lebensversicherungen groß geworden. Anlegern bot sie an, vorrangig über die Zeichnung von Orderschuldverschreibungen an dem Geschäftsmodell teilzuhaben. Solche Orderschuldverschreibungen sind namensgebundene, festverzinsliche Wertpapiere. Sie boten bis zu acht Prozent Zins.

In der Anklage der Staatsanwaltschaft, die – anders als beim gerade in Frankfurt geführten Mammutprozess um die Unternehmensgruppe S&K – bereits verlesen wurde, klang es so als sei die Sache völlig klar: Es habe keine Aussicht auf ein tragfähiges Geschäftsmodell bestanden, besonders, nachdem die Rendite von Lebensversicherungen über Jahre immer schlechter wurde. Mit Eigengeschäften und den damit verbundenen hohen Provisionen habe sie sich über Wasser gehalten. Dabei habe es sich um eine "bilanzielle Vermögensmehrung" gehandelt. Ohne frisches Anlegergeld hätte das Ganze nicht funktionieren können. Die Anklage spricht von einem „Schneeballsystem“ und „bandenmäßigem Betrug“.

Die Verteidigung allerdings argumentiert: „Eine Insolvenzreife der einzelnen Gesellschaften der Gruppe lag selbst zum Zeitpunkt der Durchsuchungen nicht vor.“ Die Behauptung, dass es sich um ein Schneeballsystem handelte, sei falsch. Außerdem spricht sie von schwerwiegenden Verfahrensverstößen und hat die Besetzung des Gerichts gerügt. Das Verfahren wird aller Voraussicht nach am kommenden Montag fortgesetzt.

Dem Gründer des Mutterkonzerns Future Business (Fubus) und vier weiteren Ex-Führungskräften werden gewerbsmäßiger Bandenbetrug im besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrug vorgeworfen. Ein sechster Angeklagter steht wegen Beihilfe vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts. Er war bereits drei Monate nach seiner Festnahme freigekommen. Die übrigen Beschuldigten sind schon seit November 2013 in Untersuchungshaft. Bis zum Jahresende sind zunächst 13 Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess dürfte aber bis weit ins nächste Jahr dauern.

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