Initiative der Verbraucherschützer
Kunden sollen Bankberater anschwärzen

Die Verbraucherzentralen wollen in einem neuen bundesweiten Projekt Bankkunden als "Finanzmarkt-Wächter" einsetzen. Sie sollen Missstände in der Beratung melden. Den Banken drohen Musterklagen und Meldung bei der Bafin.
  • 14

BerlinMit einer neuen Initiative wollen die Verbraucherzentralen auf Missstände im Finanzmarkt aufmerksam machen. Die Probleme in der Branche seien massiv, sagte Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Oft würden Kunden falsch beraten oder erhielten nicht die nötigen Informationen über angebotene Produkte. Das zeige, dass eine systematische verbraucherorientierte Marktbeobachtung notwendig sei.
Mit einer neuen Initiative „Finanzmarktwächter“ wollen in den kommenden Monaten alle 16 Verbraucherzentralen und der Bundesverband Probleme verschärft ins Visier nehmen. Im Fokus stehen dabei unfaire Vertriebsmethoden, ineffiziente Produkte oder Wettbewerbsstörungen.

Die erste Aktion betrifft die Vertriebsprovisionen der Banken: Mit einem Musterbrief, den Kunden an das Kreditinstitut ihres Vertrauens schicken, wollen die Verbraucherzentrale in den kommenden zwei Monaten den Geldhäusern auf die Finger schauen. Im Briefkopf ist vermerkt, dass eine Kopie des Schreibens auch an die Verbraucherzentrale geht. Die Verbraucherschützer wollen so feststellen, ob und wie Institute im Wertpapiervertrieb ihrer Offenlegungspflicht nachkommen. Der Verband strebt eine höchstrichterliche Klärung an, ob Banken verpflichten sind, in bestimmten Fällen Provisionen an die Kunden weiterzuleiten.

Im Verlauf des Jahres sollen zudem die Dispozinsen, Beratungsprotokolle und Kündigungsgründe für Altersvorsorgeprodukte genauer unter die Lupe genommen werden. Bei den Dispozinsen überprüfen die Verbraucherschützer, ob Banken in der Vergangenheit die Zinsen angemessen angepasst haben. Bei den Beratungsprotokollen steht im Fokus, ob der aktuelle Zuschnitt der Schreiben dazu geeignet sind, den tatsächlichen Verlauf eines Beratungsgespräches abzubilden.In Folge werden dann die Gründe untersucht, warum Verbraucher vorzeitig Altersvorsorgepolicen kündigen und welche finanziellen Schäden daraus erwachsen.

Doch die Verbraucherschützer wollen sich nicht wie sonst üblich mit punktuellen Erfahrungsberichten von einzelnen Kunden befassen, sondern die Suche nach den schwarzen Schafen systematisieren: Dafür will die Initiative auf unterschiedliche Methoden, etwa Umfragen oder verdeckte Käufe zurückgreifen.

Banken drohen Anzeigen

Dies bringt neue Aufgaben für die Verbraucherzentralen mit sich. Ihre Arbeit dient als wichtiger Sensor für Mängel und Missstände im Finanzmarkt. Verbraucher kommen mit konkreten Problemen in die Beratungsstellen. Die Verbraucherzentralen erfahren frühzeitig, wenn sich Fälle häufen und können marktschädigendes Anbieterverhalten identifizieren. Diese Funktion gilt es durch zusätzliche Ressourcen auszubauen und die Prozesse zu institutionalisieren.

Die Verbraucherschützer möchten Hinweise der Kunden systematisch gegen die Banken verwenden. Es gelte "unseriöse Geschäftspraktiken gegenüber privaten Anlegern, Kreditnehmern und Versicherten zu erkennen". Systematische Fehlentwicklungen sollen aufgedeckt werden und durch öffentlichen Druck, das Einschreiten der Finanzaufsicht oder des Gesetzgebers behoben werden. "Anbieter von Finanzdienstleistungen beim Vertrieb und Kundenumgang sollen diszipliniert werden. Der Zentrale Kreditausschuss werde die die Arbeit der Initiative mit Interesse verfolgen, teilte der Verband mit. Die Initiative der Verbraucherzentralen käme nicht überraschend.

http://www.vzbv.de/go/dokumente/1008/3/9/index.html

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Initiative der Verbraucherschützer: Kunden sollen Bankberater anschwärzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Hans
    So eine von dir gewünschte Beratung existiert. Man bekommt sie bei speziellen Vermögensberatern, die sich diesen Dienst sehr fürstlich bezahlen lassen.

    Also.... du willst Service. Dann zahle dafür!

    Nur davon, dass du den Boden deiner Bankfiliale dreckig machst und die Stühle abnützt, kann sich dein Kundenberater bei der Bank leider kein Mittagessen kaufen. Vielleicht bist du dann ja wenigstens so nett und bringst ihm als Entschädigung für deine beratungsintensive Anwesenheit mal ein kleines Fresspaket mit. So kommt er wenigstens über die Runden, wenn du ihm schon keinen Euro zugestehen willst.

    Und mal eine allgemeine Frage an Alle: Arbeitet ihr eigentlich alle umsonst??? Man könnte es meinen...

  • @ Kommissar

    Ihre Meinung unterstütze ich voll und ganz.
    Die Deutschen sind einfach zu faul um sich um etwas zu kümmern und sei es auch nur ihr Geld. Wenn etwas schief läuft, sind immer die anderen Schuld.
    Das ist ja so einfach. Das Problem ist nur, dass man irgendwann niemanden mehr hat, den man noch anmeckern kann. Automaten reagieren bei so was ja immer ziemlich gelassen.

    Zu Verbraucherschutz: Absolut üble Typen, die nur mit dem Finger auf andere zeigen können und selbst nichts leisten.
    Als z.B. die Pflicht zur Widerrufsbelehrung eingeführt wurde, hat die Verbraucherzentrale massenhaft!!! Händler abgemahnt, aber selber hat sie es nicht auf die Reihe gebracht in ihrem eigenen Onlineshop richtig zu belehren und die Versandkosten/MwSt Angeben richtig zu platzieren. Als Ausrede kam dann noch 'ihr Rechtsanwalt ist gerade in Urlaub'. Hat mich gefreut zu hören, dass die nur einen RA haben (glauben tu ich das aber nicht).

    Und zu 'faire und nachhaltige Beratung honoriert' von aphex.

    So eine Beratung wird eben NICHT honoriert. Wie denn auch, wenn Kunden immer alles kostenlos haben wollen. Beratung kostet! Das sollten sich alle Geizheimer mal hinter die Ohren schreiben. Aber keine Sorge, es bekommt bald jeder die Beratung, die er verdient. Is ähnlich wie beim Arzt: Kassenpatienten warten länger. Zukünftig in Ihrem Geldhaus: Niedriglöhner und HartzIV Empfänger müssen leider draussen bleiben.

    UND DAS, ist nicht etwa die Schuld der Banken. Es ist die Schuld aller, die meinen man bekommt Leistung für lau.


  • Gehe ich zum Fachexperten/ Bank , muss ich mich auf IHN verlassen können!!? , wenn ich MEIN schwer verdientes und schon versteuertes Geld ihm / ihr anvertraue, mit dem diese Bank o.ä. dann " arbeitet " um In der Summe der Anlagen, damit erwirtschaftete Boni und Provisionen an diesen " Berater "und Kollegen zurückfliesen zu lassen (gesamt in Milliarden-Höhe ) der Rest ist Gewinn der Bank! Denn "der Berater selbst, muss in erster Linie verstehen können" was er mir da verkaufen möchte , sonst kann er es ja nicht verständlich erklären ? - und nicht SEIN Zusatzeinkommen in den Vordergrund stellen und die Verantwortung wieder an den Nichtfachmann/ Kunden zurückschieben! ! Der arme gescholtene Banker geht ja selbst tatsächlich keinerlei Risiko u. Verantwortung ein und kann deshalb logisch nicht Kundenorientiert handeln ! - denn das würde verlangen : Seriöse Beratung, damit er das nicht ihm pers. gehörende Geld immer nur in solchen Anlageformen an den Kunden " verkaufen " muss/möchte , wie es das Institut von ihm als "kleinen od. mittelgroßem abhängigem Angestellten" fordert usw.usw......Die Bank saniert sich immer... Oder möchte man das der Bürger sein Geld lieber wieder im eigenen Sparstrumpf behält um das Verlustrisiko " nur " Inflationsbedingt zu ertragen, um damit ind.grösseren Verlusten mittels Bankaktivitäten zu entgehen .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%