Insolventer Windparkbetreiber
Schlammschlacht um Prokon-Vollmachten

Prokon-Insolvenzverwalter Penzlin nimmt in einem Rundschreiben den Firmengründer Rodbertus auseinander. Der frühere Chef will die Macht zurückhaben und scheut keine Mittel. Jetzt schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein.
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DüsseldorfIm verwirrenden Poker um Anlegerstimmen hat sich  gestern Abend Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin an die Anleger des in Schieflage geratenen Windparkbetreibers gewendet. In seinem neuesten  Rundschreiben  informiert er nicht nur über die gerade erst aufgenommenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Firmengründer Carsten Rodbertus. Penzlin knöpft sich auch noch einmal die traurige Hinterlassenschaft des Firmengründers und dessen neuerliche, teils abenteuerliche Behauptungen zum Zustand des Unternehmens vor. Noch bis einen Tag vor der Gesellschafterversammlung am 22. Juli könnten Anleger ihre Vertretungsvollmacht an einen Mittelsmann von Rodbertus per Fax widerrufen, erläutert Verwalter Penzlin.

Damit ist die Schlacht um Anlegervollmachten und Mandate in vollem Gang. Prokon ist seit 1. Mai insolvent. 75.000 Anleger hatten Firmengründer Rodbertus insgesamt 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Seit Dienstag ermittelt die Lübecker Staatsanwaltschaft gegen Rodbertus wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung und anderer möglicher Wirtschaftsdelikte. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm gegenüber dem Handelsblatt.

Penzlin konkretisiert in seinem Rundschreiben: „Auf Nachfrage hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass auch wegen Betrugs in besonders schwerem Fall ermittelt wird.“ Dabei gehe es um die grundlegende Finanzierungsstruktur und die Möglichkeit eines Schneeballsystems, als auch um Untreue. Unter Rodbertus habe Prokon unbesicherte Kredite in Millionenhöhe vergeben.

Schon seit Wochen wird die Lage für Anleger immer unübersichtlicher. Neben den Informationen auf der offiziellen Webseite und den Rundbriefen des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin zum Stand des Verfahrens stürmen auch Prokon-Gründer Carsten Rodbertus und Anlegerschutzorganisationen auf die Genussrechtsinhaber ein. Alle wollen eine Vollmacht, um die Genussrechtsinhaber auf der Gläubigerversammlung zu vertreten.  

„Wenn Sie eine Zerschlagung von Prokon (…) nicht wollen, sondern wie wir eine Sanierung von Prokon, dann (..)übersenden Sie uns Ihre Vollmacht im Original“ appelliert Rodbertus nach wie vor an die Anleger.  Er verspricht dabei 90 bis 100 Prozent Rückzahlung nach drei bis fünf Jahren.  Dieses Versprechen habe die gleiche Qualität, wie die ursprüngliche Zusicherung, dass Anleger sechs bis acht Prozent nach Zeichnung ihrer Genussrechte ausbezahlt bekämen, kontert Penzlin in seinem gestrigen Schreiben.

Er rät, doch selbst einmal nachzurechnen. Selbst wenn Prokon, wie von Rodbertus behauptet, 159 Millionen Euro im Jahr erwirtschafte, bleibe bei zwei Prozent Zinsen nach fünf Jahre immer noch eine Deckungslücke von 700 Millionen Euro. „Ich empfehle allen Gläubigern, auf diese Vereinfachungen nicht hereinzufallen“, appelliert Penzlin an die Anleger, „Sie gefährden damit ihr Vermögen.“

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  • @Konstantin Stephan
    Eine finanzspritze hilft bei einen EEG-Subventionskarusell nicht.
    Nur mit dem EEG-Zwangsabgabengesetz konnte diese EE-Betrugsbranche (Windmühlen, Solarparks,Biogasanlagen usw.) entstehen.
    Rein Marktwirtschaftlich waren, sind und bleiben diese sog. Erneuerbaren Energieerzeuger eine Nischenprodukt!
    Erst diese ökosozialistsiche Verarschungs-Energiewendepolitik hat per EEG Zwangsgesetz diesen Nischenprodukt zu einen Abzockerprodukt für die Gesellschaft gemacht. Gier frisst Hirn. Das ist es, was die Politik mit dem EEG am deutschen Volk angerichtet hat!

  • Ja und wo sind jetzt die unfähigen Politiker die Banken
    mit Milliarden retten und hier rein garnichts unternehmen?

    Obwohl es um das EEG geht, die Energiewende.

    Das Herr Gabriel hier nicht ein Wort drüber verliert zeigt
    sehr schön wie egal dieser Regierung die eigenen Leute sind.

    Und vorallem wie sinnlos und ineffektiv dieses EEG ist.

    Diese Regierung gehört abgeschafft und zwar sofort
    mehr Inkompetenz und Unfähigkeit hat noch niemand an den Tag
    gelegt.

    Es wäre ein Leichtes hier auch mal mit ner Finanzspritze
    einzuspringen aber nein es sind halt nicht über Tausend
    Arbeitsplätze also egal was dadraus wird.

    Und das dumme Volk merkt immer noch nichts.

    Die unfähigen Politiker sollten bedenken das hierbei ihre
    Wähler also die Rentner ein Haufen Geld verlieren werden.

    Aber umso besser je ärmer die Menschen je abhängiger die
    Menschen.

  • Bei S&K und Infinus konnte man doch lernen: so richtig Geld läßt sich nur machen, wenn man es vielen Leuten abnehmen kann. Insofern hat Prokon seinen Dienst getan und kann abgewickelt werden. Den Opfern gibt man ein paar Brotkrumen, die Profiteure läßt man hoffentlich nicht ziehen....

    Einfach der Spur des Geldes folgen. Irgendjemand muß es ja nun haben.

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