Insolvenzantrag: Prokon-Insolvenz offenbart Regulierungsbedarf

Insolvenzantrag
Prokon-Insolvenz offenbart Regulierungsbedarf

Der Windparkbetreiber Prokon hat einen Insolvenzantrag gestellt. Um ihr Geld zurückzubekommen, sollten Anleger jetzt handeln. Anlegerschützer rechnen für Ende April mit Eröffnung des endgültigen Insolvenzverfahrens.
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DüsseldorfDer Öko-Energieanbieter Prokon hat am Mittwoch beim Amtsgericht Itzehoe einen Insolvenzantrag eingereicht. Auch ein vorläufiger Insolvenzverwalter wurde bereits benannt. Das Gericht hat einen sogenannten Zustimmungsvorbehalt angeordnet. Der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Rodbertus kann nun nicht mehr frei über die Geschäfte verfügen, sondern braucht die Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters, Dietmar Penzlin. Dieser teilte mit: „Der Geschäftsbetrieb der Prokon wird im Insolvenzeröffnungsverfahren in vollem Umfang fortgeführt.“ Lieferanten und Kunden stünden die bisherigen Ansprechpartner bei Prokon weiterhin zur Verfügung.

Wie ernst die Lage ist, wurde klar, als das Unternehmen vor anderthalb Wochen einen Brief an die Inhaber seiner Genussrechte verfasste. Darin wurden die Anleger aufgerufen, Farbe zu bekennen: Halten sie an ihren Genussrechten fest oder kündigen sie und nehmen die Insolvenz des Unternehmens in Kauf? Bis Montag dieser Woche sollten sie antworten.

Immerhin knapp 48.000 der 75.000 Genussrechteinhaber haben das auch getan, 41.000 wollten Prokon die Treue halten. Deren investiertes Vermögen entspricht aber nur etwa 797 Millionen Euro, das sind knapp 57 Prozent des gesamten Genussrechte-Kapitals. Um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, wäre Prokon zufolge eine Zusage für 95 Prozent der insgesamt 1,4 Milliarden Euro notwendig gewesen.

Viele Anleger hat die Meldung vom Insolvenzantrag womöglich geschockt, Christoph Niering, der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbandes VID, sieht jedoch auch die positiven Folgen, so könnten sie „nun doch sicher sein, dass künftig alles geordnet und unter gerichtlicher Aufsicht geschieht“. Ein (vorläufiger) Insolvenzverwalter sei von Gesetzes wegen ausschließlich den Interessen der Gläubiger verpflichtet.

Wie genau es nun weitergeht, ist noch unklar. Der Insolvenzantrag bedeute „keineswegs das Aus für Prokon“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. „Parallel werden wir unter Einbeziehung der Anregungen unserer Genussrechtsinhaber das Geschäftsmodell anpassen“, schreibt Prokon. „Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden. Uns ist klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern!“

Das Unternehmen bemüht sich also um Optimismus. Zudem legt diese Aussage nahe, dass eine Fortführung des Unternehmens beabsichtigt wird. Ob es tatsächlich, wie in früheren Schreiben angekündigt, zu einer Planinsolvenz kommt, ist noch nicht bekannt. Dies könnte für Anleger jedoch vorteilhaft sein, denn in solchen Verfahren wird meist eine Fortführung des Unternehmens nebst Sanierung angestrebt. Dann ständen die Chancen auf Rückzahlung ihrer Einlagen deutlich besser. Bei einer Zerschlagung werden dagegen häufig deutlich niedrigere Erlöse in Kauf genommen, als unter anderen Umständen erzielt werden könnten.

Kommentare zu "Prokon-Insolvenz offenbart Regulierungsbedarf"

Alle Kommentare
  • @Rauschiff : Super Sie haben es Drauf !

  • Hoffentlich verhallt der schon aufkommende Ruf nach neuen verbraucherschutzrechtlichen Voraussetzungen! Jeder der in der momentanen Wirtschaftslage 8% versprochen bekommt weiß, dass er dafür Risiken in der Liquidität und der Sicherheit hinnehmen muss.

    Aussagen des Justizministers und des Finanzministers sind völlig unsinnig und gehen doch am Problem vorbei! Hoffentlich gibt es die entsprechende Rückmeldung der Medien zu solchen Forderungen...

    www.roter-beisser.com

  • Ich bin ein kritischer PROKON-Beobachter; Eigenkapital-Renditen 6%Zinsen+2%Ergebnisbeteiligung=8% sind theoretisch möglich... Praktisch aber nur in seriöseren Firmen, nicht bei dem intransparenten Schneeballsystem v. C.Rodbertus!!! Die BAFIN war raus aus der Nummer, weil eben n i c h t über Banken/Vermittler vertrieben. Es heißt in der BWL "grauer Markt>Wagniskapitalgeber ergo max. Totalverlust"(Genußrechteinhaber klingt im Marketing natürlich besser) stimmlos u. quasi unbesichert durch Nachrangigkeit. Da geben mutige Menschen risikoreich einem anderem ihr Erspartes im Vertrauen bzw. der Hoffnung auf mehr als in normalen geregelten Bahnen erzielbar. Man sollte vorher die homepage etc. genau lesen. Keine Wirtschaftsprüfer HGB-testierten Bilanzen vorletztes Jahr, weder einzeln noch konsolidiert Konzern>Holding. Versuch vorweggenommene Gewinnrealsierung durch Hebung stiller Reserven mit angeblichen Verkaufpreisen ohne Gutachten statt üblich Buchwerte Anschaffungskosten. 01/12-10/13 satte 210 Mio. Minus. lt. eigenen Angaben, in Wahrheit höher weil fast ein Drittel bis nach Polen, Rumänien, Finnland investiert. Kriminelles Handeln v. Managern ist immer gesetzlich verboten, es fehlt jetzt nur die Bestrafung.

  • Prokon wollte doch ohne Krediten von Banken arbeiten oder nicht?

    Höhere Zinsen zahlt man zB. weil man weniger Sicherheiten
    belasten muss die dann keine Rendite mehr abwerfen können.

    Und wie in diesem Fall um die Schulden zu streuen und somit auch
    den Einfluss der Gläubiger und eben auch das Ausfallrisiko.

    Wenn ich nur einen Kredit habe und die Bank kündigt ihn
    habe ich ein Problem. Bei mehreren Gläubigern ist die
    Wahrscheinlichkeit das ich alle Schulden verliere geringer.

    Sicherlich waren 7 oder 8% p.a. zu hoch sofern man nur in Windparks investiert die im Zweifel viele Jahrzehnte brauchen
    bis sie sich rentieren.

    Man hätte für eine solche Rendite auch wieder am Kapitalmarkt
    reinvestieren müssen zum Teil zumindest.

    Wenn ich über eine Milliarde Euro habe kann ich mit
    Spekulationen sehr wohl 7-8% p.a. erreichen. Selbst über 10%
    p.a. Rendite sind bei solchen Kapital-Bergen möglich.

    Denken sie nur mal an Binäre Optionen oder der Gleichen.

    Auch kann man Aktienkurse nach oben und unten lenken und dann
    entsprechend zB. über Optionen auf steigende oder fallende
    Kurse setzen.

    Man könnte sich ein paar Derivate zusammen basteln usw. usw.

    Ich denke man sollte sich hier zB. die folgenden Fragen stellen:

    1. Haben Mitarbeiter von Prokon durch Aufträge bei ihren Suppliern profitiert? das könnte dann Korruption sein

    2. Wurde absichtlich versucht über die hohen Zinsen Anlegerkapital zubinden um damit die vorhandenen Anleger auszuzahlen? dann könnte man unterstellen hier wurde ein Ponzi-Scheme betrieben

    3. Oder war es schlicht und einfach nur Missmanagement?

    Fakt ist ja das die Supplier von Prokon profitiert haben den
    das Kapital wurde ja investiert.

    Von daher würde ich da mal anfangen nach zuforschen.

  • ...das weiß nicht jeder, das wird jedem durch eine konzertierte Desinformationskampagne der Regierung und der Konzerne eingeredet.....

  • Ein schlechter Witz ist es, wenn der Justizminister jetzt Regulierung fordert. Die Bundesregierung tut seit Jahren alles in Ihrer Macht stehende, um die Energiewende schlechtzureden und gegen die Wand zu fahren.
    Gleichzeitig sorgt sie für völlige Willkür in der Gesetzeslag, ändert "alle paar Tage" das EEG und verunsichert ganz gezielt die gesamte Branche der alternativen Energien.
    Die Insolvenz ist zu einem sehr großen Teil staatlich verursacht worden.....die Kohlebarone(ssen) Gabriel und Kraft setzen soeben zum Todesstoß an, mit Merkels voller Unterstützung wohlgemerkt.

  • @herrkon:
    Sorry, aber anders herum wird ein Schuh draus. Offensichtlich haben es die Banken schon seit längerem abgelehnt, Kredite für das (mit Verlaub) windige Geschäftsmodell Prokons zu vergeben. Ansonsten hätte es das Unternehmen ja nicht nötig gehabt, Kapital zu (vorgeblichen) Zinsen deutlich über Marktniveau und mit hohem Werbeaufwand bei leichtgläubigen Kleinanlegern einzusammeln. Dass ein Unternehmen freiwillig höhere Zinsen zahlt, wäre ansonsten ja nur mit ausgesprochener wirtschaftlicher Inkompetenz oder rein altruistischer Menschenfreundlichkeit in Form von laufenden Geldgeschenken ohne Gegenleistung wildfremden Personen gegenüber zu erklären. Letzteres widerspräche nicht nur dem vorgeblichen öko-Gedanken (dann würde man das gesparte Geld einfach in noch mehr Windparks stecken, anstatt es den Anlegern in Form von Phantasiezinsen auszuzahlen), sondern auch der jüngsten Anschauung (Erpressungsversuche der Anleger durch den Geschäftsführer). Nein: Die abenteuerliche, laufend wachsende, unregulierte Finanzierung durch Kleinanleger war offenbar die einzige Möglichkeit für Prokon, an Geld zu kommen. Offenbar haben professionelle Geldverleiher, die professionelle Analysten und Experten zur Risikoanalyse einsetzen, schon seit langem dankend abgelehnt - auch schon vor der angeblichen "Medienhetze". Warum wohl nur?

  • Frisches Geld sorgt aber für mehr Liquidität.

    Und da die Zinsen für Schulden gerade unten sind ist es nicht so
    schwer mehr Kapitalerträge reinzuhollen als man Zinsen zahlen muss.

    Somit sich Prokon sehr wohl mit Krediten retten könnte.
    Den wie hier schon viele festgestellt haben gibt es etwas
    das man "beleihen" bzw. als Sicherheit nutzen könnte.

    Sie dürfen private Konsumschulden nicht mit den Schulden
    eines Staates oder Unternehmens vergleichen den dort wird auch
    hin und wieder mal ordentlich Geld verdient.

    Natürlich müssen Schulden zurückgezahlt werden die Frage ist nur wann.

    Prokon wird sicherlich mehrere Gläubiger brauchen.
    Den um mehr Zeit zur Begleichung der Schulden zugewinnen
    wird man möglicherweise Garantien benötigen.

    Das Problem was ich sehe ist einfach das der CEO dort nicht alle
    Finanzinstrumente ausschöffen möchte die ihm zur Verfügung stehen.

    Sonst hätte er ja billigere Schulden machen können.

  • Sie haben das Wichtigste vergessen! Weg mit der Aktie, bevor nicht mehr handelbar!! Weder Bank noch Finanzamt verrechnen die Verluste mit Abgeltungssteuer anderer Gewinne, wenn nicht verkauft. Ich sitze noch auf ca. 13900 Systaic im Depotwert von 160 € ohne Möglichkeit, die ca 52.000 € Verlust geltend zu machen.
    Also warnen Sie bitte alle Prokonn Aktionäre VOR Antrag Insolvenzverwalter, den Börsenhandel einzustellen. MfG

  • @Rob Roy
    Volle Zustimmung!

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