Interview
„Lassen Sie uns mal Probesterben!“

Mit dem eigenen Tod und der Nachlassplanung wollen sich die wenigstens auseinandersetzen. Ein Fehler, weiß Vermögensverwalter Heiko Löschen. Er lässt seine Mandanten Probesterben.
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Herr Löschen, warum vernachlässigen so viele Menschen ihre Nachlassplanung?
Das hat vielschichtige Gründe. Mit dem eigenen Tod, möchte man sich grundsätzlich nicht beschäftigen. Bei der Nachlassplanung kommen dann Emotionen und Ratio zusammen – das ist oft schwierig. Vielen fehlt außerdem das Fachwissen. Also schiebt man das leidige Thema Testament vor sich her. 

Gilt das auch für Vermögende?

Natürlich. Sie haben Anwälte, Notare, Berater für ihr Vermögen, aber auch die sogenannten Entscheider möchten nicht über das Sterben reden. Viele sind mit dem Thema Nachlassplanung schlichtweg überfordert – vor allem emotional. Es fehlen Menschen, mit denen sie auf Augenhöhe darüber reden können, was mit ihrem Lebenswerk nach ihrem Tod passieren soll. 

Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Wir sprechen unsere Kunden grundsätzlich darauf an, ob sie einen letzten Willen festgehalten haben. Da läuft dann so: Lassen Sie uns mal Probesterben! Was passiert am Tag, in den Wochen nach ihrem Tod mit ihrem Lebenswerk? Fühlen Sie sich damit wohl? 

Und die Reaktionen?

Erstmal sind sie natürlich verwundert. Doch dann stellt sich schnell heraus, dass Handlungsbedarf besteht. Manche haben noch kein Testament verfasst, die gesetzliche Erbfolge ist aber nicht erwünscht. Andere haben bereits eines, doch das ist häufig viele Jahre alt und entspricht nicht mehr der heutigen Lebenssituation. Oder es steht schlichtweg Murks im Testament, weil es nicht von Experten verfasst wurde. Wohl fühlen sich die wenigsten. 

Spätestens dann müssen sich Ihre Kunden aber dem Thema widmen.

Stimmt. Doch wenn sie ihr Erbe dann erstmal geregelt haben, sind sie oft erleichtert. Es ist ja nicht so, dass sie noch nie über ihre Nachlassplanung nachgedacht hätten. Nur haben sie nicht gehandelt, haben das leidige Thema vor sich hergeschoben. Und das belastet schließlich auch. 

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  • Guten Tag,... Recht hat der Mann. Besten Dank

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