Interview
„Sparkassen ignorieren die Gesetze“

Bei den Sparkassen wird in der Finanzberatung kräftig geschlampt, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Berater würden unter Provisionszwang und Vertriebsvorgaben leiden.
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Sparkassen sind nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Macht sie das zu besseren Beratern?
Niels Nauhauser: Nein. Auch Sparkassen ignorieren beim Vertrieb von Produkten immer wieder die Gesetze. Das wissen wir aus Schilderungen von Verbrauchern sowie aus eigenen Marktuntersuchungen oder denen von "Finanztest". Danach händigen auch Sparkassen Beratungsprotokolle nicht in jedem Fall aus, obwohl sie seit 2010 gesetzlich dazu verpflichtet sind. Auch bei Sparkassen gibt es eine riesige Schlamperei in der Finanzberatung, insbesondere bei der Bedarfsermittlung von Ratsuchenden. Beispiel: Vermögenssituation der Anleger, Anlageziele und Risikobereitschaft werden nicht nur in Ausnahmefällen, sondern nach unserer Beobachtung sogar im Regelfall nicht korrekt dokumentiert.

Sie sehen keine Unterschiede zwischen privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen?

Nein, die Situation ist doch bei allen Instituten die gleiche. Die Mitarbeiter sind gehalten, Finanzprodukte zu verkaufen. Der Bankapparat ist auf Provision ausgerichtet. Wir reden auch bei den Sparkassen nicht von Beratung, sondern von Vertrieb. Natürlich kann man nicht alle Institute in einen Topf schmeißen, aber der Anreiz ist bei allen vollkommen identisch: Verdient wird nicht mit Beratung, sondern mit Verkauf. Deshalb stehen nicht die Bedürfnisse des Kunden und kostengünstige Produkte im Mittelpunkt, sondern der Verkauf von einer eingeschränkten Produktpalette mit auskömmlichen Margen. Kein Wunder, dass der Bedarf da auf der Strecke bleibt.

Was muss sich ändern?

Beratung und Vertrieb, das passt nicht zusammen und muss getrennt werden. Der Interessenkonflikt steckt also im System selbst. Der Gesetzgeber ist auf einem guten Weg, dies zu erkennen. Es gibt im Markt keinen Qualitätswettbewerb, weil kein Kunde die Qualität erkennen kann, sonst bräuchte er ja keine Beratung, und weil sich daher Investitionen der Banken in Qualität nicht auszahlen. Und wenn es schiefgeht, muss die Bank nicht einmal einen Prozess fürchten, weil ihr nur wenige Kunden Fehlberatung nachweisen können. Oder würden Sie zu einem Arzt gehen, der davon lebt, Tabletten eines Pharmaherstellers zu verkaufen? Bei Ärzten hat diese Trennung also gute Gründe, und bei Finanzberatung ist das im Grunde nicht anders.

Kommentare zu " Interview: „Sparkassen ignorieren die Gesetze“"

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  • weil ich bei Ebay und Amazon sehe was ich bekomme, bei den Beratern weiß ich nicht was in 10 Jahren von meinem Geld noch übrig ist.

  • Besonders amüsant ist der Vergleich mit den Ärzten. Was da an finanziellen (und anderen) Anreizen von seiten der Pharmabranche auf die Ärzte einprasselt... um es mal vorsichtig zu formulieren: Ich bin mir nicht sicher, dass ein Arzt stets das für den Patienten kostengünstigste oder mit den wenigsten Nebenwirkungen versehene Medikament verschreibt... von daher unterscheiden sich Ärzte und Banker in der Regel eher wenig. Der Unterschied liegt aber darin, dass ein Arzt als Freiberufler selbständig Entscheidungen trifft, ein Banker aber in aller Regel als Erfüllungsgehilfe seines Unternehmens auftritt und die ihm vogegebenen Anweisungen bestmöglich umzusetzen versucht

  • Langweiliger Artikel. Warum sollten sich Sparkassen anders verhalten als der Rest der Branche? Sie unterstuetzen zumindest die Realwirtschaft (Mittelstandskreditgeschaeft) und fremdeln nicht im Ausland und Investmentbanking herum. Bitte jetzt nicht Sparkassen mit Landesbanken in einen Topf schmeissen.

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