Klage gegen Telekom
Neue Hoffnung für Telekom-Aktionäre

Im Verfahren gegen die Telekom um millionenschweren Schadenersatz für Kleinanleger muss das Oberlandesgericht neu entscheiden. Der BGH hält den Prospekt für fehlerhaft. Ein „Riesenerfolg“ für die Aktionäre.
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KarlsruheIm größten Anlegerschutzprozess Deutschlands können die Kläger neue Hoffnung auf Schadensatz schöpfen. Das Gericht erkannte im sogenannten Verkaufsprospekt für den dritten Börsengang des einstigen Staatsunternehmens im Jahr 2000 einen schwerwiegenden Fehler, wie der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag mitteilte. In diesem Punkt muss das Musterverfahren um rund 80 Millionen Euro Schadensersatz vom Oberlandesgericht Frankfurt neu entschieden werden.

„Für die Anleger ist das viel mehr als ein Etappensieg, es ist ein Riesenerfolg“, sagt Petra Dietenmaier, Fachanwältin für Bank- und Kapitalrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei Tilp, die zahlreiche der klagenden Aktionäre vertritt. „Der BGH hat verbindlich festgestellt, dass der Prospekt fehlerhaft ist“, so die Anwältin. „Jetzt muss die Telekom beweisen, dass der Fehler weder fahrlässig noch vorsätzlich gemacht wurde. Aber das wird ihr kaum gelingen und dann muss Schadenersatz an die Aktionäre gezahlt werden.“

Insgesamt rund 17.000 Kläger werfen der Telekom vor, sie in die Irre geführt zu haben. Sinkende Aktienkurse hatten ihnen zum Teil hohe Verluste eingebrockt. Im Verkaufsprospekt machen Unternehmen für potenzielle Anleger Angaben zu ihren Geschäften im Rahmen eines geplanten Börsengangs.

Die Richter störten sich an dem bilanztechnischen Umgang des Konzerns mit dem US-Telekommunikationsunternehmen Sprint Corporation, für das ein Buchgewinn von 8,2 Milliarden Euro ausgewiesen worden war. Tatsächlich wurde es nur in eine kaum bekannte Beteiligungsgesellschaft „umgehängt“. Aus den von der Telekom veröffentlichten Informationen habe selbst ein bilanzkundiger Anleger die tatsächlichen Beteiligungsverhältnisse im Jahr 1999 und die sich daraus ergebenden Risiken nicht ableiten können, so das Gericht.

Die ebenfalls umstrittene Bewertung der Telekom-Immobilien zur Bilanzeröffnung bewerteten die Karlsruher Richter aber als rechtens. Dieser Punkt kann nicht mehr angegriffen werden.

Möglicherweise werde das Unternehmen nun versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit den Aktionären herbeizuführen. „In jedem Fall stehen die Chancen nun sehr hoch, dass die Aktionäre für ihre Verluste entschädigt werden“, so Dietenmaier.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte im Mai 2012 entschieden, dass der Börsenverkaufsprospekt aus dem Jahr 2000 keine gravierenden Fehler enthielt. Die Anleger könnten daher keinen Schadensersatz geltend machen.

Beim dritten Börsengang waren die mehrfach überzeichneten Aktien zu einem Kurs von 63,50 Euro vor allem an Privatanleger ausgegeben worden. Danach stürzte der Kurs ab und erreichte nie wieder sein altes Niveau - er liegt heute bei rund 13 Euro. Die Telekom hat stets die Rechtmäßigkeit des Prospekts betont.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Klage gegen Telekom: Neue Hoffnung für Telekom-Aktionäre"

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  • "Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens".
    (Schiller, "Jungfrau von Orleans")

  • Ich habe noch nicht einen einzigen Telekomaktionär kennengelernt, der den Prospekt auch nur angefasst hat. Es wird langsam Zeit, dass Menschen die Verantwortung für Ihre Anlageentscheidungen übernehmen und nicht bei jeder Fehlspekulation andere zur Kasse bitten.

  • Die Aktionäre, die nicht geklagt haben und die nicht "Güteanträge" gestellt haben, werden dann wohl ganz leer ausgehen. Oder?

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