Klagemarathon um Börsenturbulenzen
Volkswagen steht vor dem nächsten Etappensieg vor Gericht

Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW vor sechs Jahren hat eine Klagewelle ausgelöst. Vor Gericht zeigt sich, dass die Kläger einen schweren Stand haben, wenn sie die Informationspolitik von VW kritisieren.
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BraunschweigIm Klagemarathon um die Börsenturbulenzen beim Übernahmekampf zwischen Volkswagen und Porsche vor rund sechs Jahren zeichnet sich der nächste Etappensieg für die Porsche-Mutter ab. Der Vorsitzende Richter Stefan Puhle, der am Braunschweiger Landgericht ein Bündel aus fünf Porsche-Verfahren betreut, ließ am Mittwoch bei einem weiteren Verhandlungsschritt erneut durchblicken, dass seine Kammer den Argumenten der Klägerseite nur sehr bedingt folgen könne.

„Wir haben gewisse Schwierigkeiten, dorthin zu kommen“, sagte der Jurist. Einer Entscheidung wolle er nicht vorgreifen. „Aber gewisse Tendenzen können wir nicht verbergen.“ Anfang Mai hatte sich Puhle bereits ganz ähnlich geäußert. Er will am 30. Juli für die fünf aktuell anhängigen Fälle in Braunschweig Entscheidungen verkünden.

Dass es sich dabei um Urteile handeln dürfte, liegt nun immer mehr auf der Hand. Rein theoretisch könnte Puhles Kammer allerdings als Entscheidung auch verkünden, die Beweisaufnahme zu starten und zum Beispiel Zeugen oder Sachverständige zu laden. Nach dem klaren Trend, den Puhle nun mehrfach andeutete, ist das aber unwahrscheinlich.

In den mündlichen Verhandlungen, die derzeit in den fünf Verfahren in Braunschweig laufen, nimmt die 5. Zivilkammer unter Puhles Vorsitz zunächst einmal an, dass die Vorwürfe der klagenden Investoren so auch zutreffen. Sie nähert sich dabei der Materie. Die dreht sich stets um dasselbe Thema: Privatanleger oder Investorengruppen wie etwa Banken oder Fonds schlossen 2008 riskante Finanzwetten ab rund um die Aktienkurse des Autobauers Volkswagen. Es war die Zeit der beginnenden Finanzkrise und die Porsche-Dachgesellschaft PSE schickte sich an, ihre VW-Beteiligung zu erhöhen. Das erfolgte schrittweise.

Die PSE begleitete den Aufbau mit Pflichtinformationen an die Finanzwelt und mit Pressemitteilungen. Zunächst hieß es, sie wolle bei VW nicht die ganze Macht, im Herbst 2008 war das dann hinfällig. Mit dieser Nachricht Ende Oktober explodierte der VW-Kurs. Anleger, die riskante Wetten auf sinkende Kurse gemacht hatten, mussten sich zu ruinösen Preisen mit VW-Papieren eindecken, um ihre Wettschuld zu begleichen. Bei sinkenden Kursen hätten sie kassiert. Doch da sich der Wert der VW-Papiere damals binnen Tagen teilweise vervierfachte, wurden derartige Geschäfte zum Desaster.

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