Klagen bald die Verbrecher?
Wenn der Teilen-Button zur Gefahr wird

Ob Fahndungsfotos oder Bilder potenzieller Tierquäler – per Facebook lassen sich Inhalte mit nur einem Mausklick teilen. Dabei können sich User strafbar machen, denn auch Verbrecher haben ein Recht am eigenen Bild.
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DüsseldorfDer junge Mann hält einen zehn Wochen alten Hundewelpen in die Kamera. Das Tier winselt und schreit, doch der Mann hört nicht auf, den Hund zu misshandeln. Das Video dazu war im Februar auf Youtube zu finden, wer es hochgeladen hat, ist unklar. Wer der junge Mann ist, dagegen nicht: In den Kommentaren unter dem Video ist die Stimmung aufgeladen, es wird zur Lynchjustiz aufgerufen, auch der volle Name und die Anschrift des Täters finden sich nach Angaben der Rhein-Zeitung unter dem Video. Bevor es gelöscht wurde, ist es von den Nutzern unbedacht 1000-fach geteilt worden.

Dass das Teilen und Weiterverbreiten solcher Videos zu einer Straftat werden kann, ist vielen Nutzern nicht bewusst: Wichtig ist, ob die Person, die im Video zu sehen ist, ihr Einverständnis dazu gegeben hat, dass der Film veröffentlicht wird. Wer ein Video online stellt, ohne die erforderlichen Rechte dafür zu besitzen, macht sich strafbar. „Es können Persönlichkeitsrechte verletzt werden – auch durch diejenigen, die es unbedacht teilen und so vervielfältigen“, sagt der Jurist Tobias Gostomzyk, Professor für Medienrecht an der TU Dortmund. „Das Angucken eines solchen Videos alleine ist keine Straftat.“

Gerade die Nutzer sozialer Netzwerke müssen also kritischer werden: Was sorglos geteilt wird, kann im Extremfall sogar zu einer Anzeige führen. Denn die Regelungen sind strikter als so mancher User vermutet. Das hat jetzt auch ein Juwelier aus Fürth zu spüren bekommen: Nachdem Unbekannte seinen Laden überfallen hatten, veröffentlichte der Mann das Material der Überwachungskameras auf Facebook – und wurde prompt dafür gerügt.

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hält ein solches Vorgehen Presseberichten zufolge für einen „Akt der Selbstjustiz, die in einem Rechtsstaat grundsätzlich nicht zulässig ist.“ Ohne die Zustimmung der Täter dürften deren Bilder nicht im Internet veröffentlicht werden. Um die Zustimmung der Täter zu erhalten, müssten sie natürlich erst gefunden werden – was die Tatsache absurd erscheinen lässt. „Als User ist man nicht bereits geschützt, weil man von der Rechtsverletzung nichts wusste. Sprich: Wenn die ursprüngliche Veröffentlichung Rechte am eigenen Bild verletzt, verletzt dies auch das auf Facebook geteilte und dadurch vervielfältigte Bild,“ sagt Gostomzyk. Das Recht am eigenen Bild ende daher nicht, weil jemand eine Straftat begangen habe - vielmehr müssen diese beiden Sachverhalte getrennt voneinander betrachtet werden.

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Verbrecher könnten Nutzer verklagen

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