Kommentar zum Libor-Prozess
Ein deutliches Zeichen

Mit harter Hand gegen Hayes: Das Urteil im Libor-Prozess zeigt, auch Banker sind nicht unangreifbar. Die schwere Strafe gegen Hayes sendet ein klares Zeichen an die Finanzwelt: Kein Betrüger kann sich mehr sicher sein!
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New YorkWie oft haben Kritiker der Banken sich nach der Finanzkrise beschwert, dass kaum ein Übeltäter ins Gefängnis gegangen ist. Die Banken haben vor allem in den USA zum Teil riesige Milliardenstrafen gezahlt, aber die gingen letztlich zu Lasten der Aktionäre. Die Top-Manager der Banken mussten hin und wieder auch Geld bezahlen, aber wurden dabei oft sogar von ihrer Versicherung oder vom Arbeitgeber frei gehalten.

Das Urteil gegen den UBS-Händler Tom Hayes setzt ein deutliches Zeichen – in doppelter Hinsicht. Erstens: Auch Banker werden bestraft, sie sind nicht unangreifbar. Zwar war Hayes kein Top-Manager, aber nach dem Urteil kann sich niemand mehr sicher fühlen, bis in die obersten Etagen hinein. Und zweitens: Wirtschaftsverbrechen sind endgültig keine Kavaliersdelikte mehr.

Sie werden mindestens genauso hart bestraft wie ordinäre Verbrechen. Und zwar auch dann, wenn es sich nicht um einen klar zu Tage liegenden Betrug gegenüber bestimmten Kunden oder Geschäftspartnern handelt, sondern wenn quasi „nur“ Geld unrechtmäßig aus dem Markt gezogen wird, also kein Geschädigter direkt benannt werden kann.

Dieser Trend hat sich schon bei den teilweise hohen Strafen gegen Börsen-Insider in den USA angedeutet. Aber das Maß von 14 Jahren übertrifft alle vergleichbaren bisherigen Urteile – und Großbritannien war bisher weniger als die USA für sehr lange Gefängnisstrafen bekannt.

Hayes hat offenbar im Prozess argumentiert, er habe lediglich im Sinne seines Arbeitgebers gehandelt. Das Schlimme ist: Das kann durchaus stimmen. In einem Klima, wo nur der Erfolg zählt und man sich auf das schlechte Argument „Das macht doch jeder“ herausreden kann, geht sehr schnell jedes Unrechtsbewusstsein verloren.

Vor allem bei Verbrechen, wo man keinen direkt Geschädigten vor Augen hat. Wie viele Menschen, die nicht mal einen einzigen Euro oder Dollar aus der Kasse stehlen würden, haben schon das Finanzamt oder ihre Versicherung betrogen? Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein. Aber für Banker auf Abwegen und andere Täter im Anzug ist eine neue Ära angebrochen, an der Erkenntnis führt kein Weg vorbei.

Kommentare zu " Kommentar zum Libor-Prozess: Ein deutliches Zeichen"

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  • Hayes war zumindest nicht allein, als er die Libor-Feststellung manipulierte.
    Das kann der gar nicht.
    Neben den Kollegen aus anderen Banken (zumeist) sollte es auch Vorgesetzte bis hoch in die Vorstandseben geben können, die jedoch kaum überführbar wären.
    So entsteht der Eindruck, daß zunächst einer geopfert werden muß, um Ruhe herzustellen . und in der Gesellschaft das verlorenen Vertrauen wieder aufzubauen.
    Ob letzteres wieder herstellbar ist, muß sehr bezweifelt bleiben.

  • Mir scheint, werte Redaktion, Sie glauben wirklich, daß der Bub das war.

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