Libor-Klagen
Anwälte machen Privatanlegern wenig Hoffnung

Auf die Banken, die in den Libor-Skandal verwickelt sind, rollt eine Klagewelle zu. Auch Privatanleger sind zu Schaden gekommen, allerdings dürfte es für sie schwierig werden, an ihr Geld zu kommen.
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FrankfurtDie Juristen scharren schon mit den Hufen - mit der angeblichen Manipulation der Banken-Referenzzinsen könnte eine Klagewelle auf die Geldhäuser zurollen. Doch selbst die auf Prozesse gegen Banken spezialisierten Anlegeranwälte machen Privatanlegern und Häuslebauern wenig Hoffnung auf einen Geldregen. "Das ist kein Selbstläufer", räumt Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth ein. "Das ist eine schwierige Geschichte." So groß der Profit für die Banken selbst gewesen sein mag, so klein sind die Schäden beim einzelnen Kläger. Und selbst wenn der Libor-Zins nachweislich manipuliert wurde, muss der Kunde bei Schadenersatzklagen erst belegen, dass ihm wirklich ein Schaden entstanden ist, und zwar nur durch die Tricksereien.

"Das Problem für Privatanleger ist es schon, den Schaden zu beziffern", sagt Jürgen Kurz von der Anlegerschutzvereinigung DSW. "Wir raten erst einmal abzuwarten, wie sich die Beweislage entwickelt." Schließlich verjährten die Ansprüche erst drei Jahre nach Bekanntwerden der Affäre. Kreditnehmer sind auf den ersten Blick ohnehin kaum betroffen, auch wenn ihre variablen Darlehen sich nach dem Libor richten - denn die Zinsen wurden nach bisherigen Erkenntnissen nach unten manipuliert.

Aber auch Tages- oder Termingeld-Zinsen waren mitunter an Libor oder Euribor geknüpft. Doch selbst wer eine Million Euro auf einem solchen Konto angelegt hat, hat bei einer Veränderung um 0,01 Prozent nur 100 Euro verloren - über ein ganzes Jahr. "Da werden sie niemanden finden, der seine Bank dafür verklagt", räumt Jochen Weck von Rössner Rechtsanwälte in München ein. "Da hat sich auch bei uns bislang keiner gemeldet", sagt Nieding.

Mehr Futter für die Anwälte geben komplizierter konstruierte Produkte wie Bonus-Zertifikate oder Derivate wie Zinsswaps her. Hier kann es einen großen Unterschied machen, ob der Euribor bei 1,50 oder 1,51 Prozent liegt. Denn das kann entscheiden, ob der Käufer einen Bonus erhält oder nicht oder - noch extremer - ob die Zinswette an die Bank geht oder an ihn. "Da sind schon ambitioniertere Privatanleger betroffen", sagt Anlegerschützer Kurz. In der Mehrheit sind aber institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften, Versicherer und reiche Familien, wie Nieding beim Blick auf seine Kundenkartei sagt.

Auf diese Fälle stürzen sich denn auch die Anwälte. "Wenn da alle klagen, die bei uns angefragt haben, sind etwa 600 Klagen zu erwarten, die zusammen dreistellige Millionenbeträge umfassen können", sagt Nieding. Weck schätzt das Volumen möglicher Klagen in Deutschland sogar auf Milliardensummen.

Mit einfachen Klagen auf Schadenersatz sind solche Beträge aber kaum erreichbar. Deshalb schielen viele Juristen auf eine Rückabwicklung der jeweiligen Verträge. "Das kann sich beim derzeit niedrigen Zinssatz schon lohnen, wenn man vor einigen Jahren Kredite zu sechs oder acht Prozent abgeschlossen hat", sagt Nieding. Doch die Argumentation vor Gericht macht das nicht einfacher: Denn der Kläger muss dann nachweisen, dass er nie einen etwa vom Libor abhängigen Kredit abgeschlossen hätte, wenn er von Manipulationen gewusst hätte. Anders gesagt: Seine Bank habe versäumt, ihn aufzuklären, dass dem Libor nicht zu trauen sei.

Deshalb suchen viele Investoren auf die USA. Dort haben sich mehrere Fondsgesellschaften aus Deutschland - unter anderem die der Privatbank Metzler - Sammelklagen gegen die verdächtigten Banken angeschlossen. Das erleichtert die Vorbereitung, denn in diesen Fällen ermittelt die US-Justiz dann von Amts wegen. "Aber das oberste US-Bundesgericht hat die Zuständigkeit für Klagen aus dem Ausland zuletzt stark eingeschränkt", gibt Anlegeranwalt Nieding zu bedenken. Wer als Anleger nicht in den USA aktiv war, hat dort kaum Chancen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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