Nach BFH-Urteil
Ebay-Verkäufern droht Umsatzsteuerzahlung

Wer regelmäßig online Waren verkauft, muss damit rechnen, dass das Finanzamt darin eine unternehmerische Tätigkeit sieht und Umsatzsteuer verlangt. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden.
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MünchenWer regelmäßig in Internet in größerem Umfang Gegenstände verkauft, muss dafür möglicherweise auch Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) ans Finanzamt zahlen. Der Bundesfinanzhof (BFH) in München hat entschieden, dass beim Verkauf einer Vielzahl von Waren über Jahre hinweg eine „nachhaltige, unternehmerische und damit umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit“ vorliegen kann. Bei dem Prozess sei es um ein Ehepaar gegangen, das über Ebay Modelleisenbahnen, Puppen, Porzellan, Briefmarken oder auch Software verkauft habe, teilte der BFH am Mittwoch mit.

Das Paar hatte die Waren seit Ende 2001 angeboten. Bei Ebay gab es an, es handle sich um Privatverkäufe. Die Eheleute meldeten die Geschäfte zwar nicht beim Finanzamt, Steuerfahnder wurden aber darauf aufmerksam und werteten den Internet-Handel als unternehmerische Tätigkeit. Daraufhin erließ das Finanzamt Bescheide für Umsatzsteuerzahlungen für die Jahre 2003 bis 2005. In dieser Zeit hatte das Paar bei 841 Verkäufen etwa 83.500 Euro erzielt - das Finanzamt verlangte rund 11.500 Euro Umsatzsteuer.

Dagegen hat das Ehepaar erfolglos geklagt. Die Verkäufer hatten argumentiert, dass es nur um die Auflösung ihrer Sammlungen und somit um ihr Privatvermögen gegangen sei. Damit konnten sie sich weder beim Finanzgericht in erster Instanz noch beim BFH durchsetzen. Die Münchner Bundesrichter argumentieren, dass es nicht darauf ankomme, ob die Eheleute schon beim Kauf der Sammlergegenstände an den Wiederverkauf gedacht haben oder nicht. Wesentlich sei auch, dass die Ebay-Verkäufer wie ein Händler „aktive Schritte zum Vertrieb der Gegenstände“ unternommen hätten.

Der BFH verwies den Fall an das zunächst zuständige Gericht zurück, das noch Details klären muss. So ist noch unklar, ob bei manchen Geschäften statt des normalen Umsatzsteuersatzes (19 Prozent) der reduzierte von 7 Prozent berechnet werden muss.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach BFH-Urteil: Ebay-Verkäufern droht Umsatzsteuerzahlung"

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  • Erstens ist das ein alter Hut
    Zweitens haben alle die Forenschreiber recht, daß unser Staat nicht von nichts existieren kann
    und
    Drittens ist es schlicht unfair als verkappte Privatperson quasi im rechtsfreien Raum ohne Gewährleistung jede Woche, jeden Monat zig Auktionen einzustellen

    Es ist schizophren: Man will immer biliig billig billig, aber das eigene Einkommen soll steigen...

  • Der behandelte Fall eignet sich natürlich gut dafür, von einem Handelsgeschäft ausgehen zu können - 841 Verkäufe mit einem Volumen von 83.500 Euro in 3 Jahren. Aber so deutlich wird es wohl nicht immer sein - und da man die Finanzverwaltungen sicherlich nicht überfordern will, braucht man zweifellos eine einfache Lösung: Einfach alle Ebay-Verkäufe Umsatzsteuer pflichtig machen, denn dann kann man Ebay zwingen, die Umsatzsteuer direkt einzubehalten und abzuführen.... Das wäre nicht nur einfach, sondern würde auch viel bringen. Vielleicht könnte man das Geld ja nutzen, um die Kapitalertragssteuer um 0,1% zu senken - zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit....

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    So spart man Scheidungskosten und vermeidet den Verlust gemeinsamer Veranlagung:

    http://die-volkszeitung.de/0-0-0-an-die-juedinnen/geschichte/teil-01.html


  • Man sollte man die chinesischen Verkäufer unter die Lupe nehmen. Die haben einen Super-Trick: Die waren werden bei der Einfuhr nach Deutschland mit einem geringen Wert (Herstellungspreis in China z.B. 50 EUR) eingeführt, darauf 19% Einfuhrumsatzsteuer bezahlt und in ein Warenlager gebracht, das einer Outsourcing-Firma gehört.
    Diese Firma verschickt dann im Auftrag und Namen des Chinesen die Waren in Deutschland an die Ebay-Käufer (zum Preis von 150 EUR).
    Für diese 150 EUR müssten in Deutschland unter Anrechnung der bezahlten Einfuhrumsatzsteuer Umsatzsteuer bezahlt werden. Machen diese Händler aber nicht, weil sich das Finanzamt in Deutschland nicht darum kümmert.
    Hier gehen dem deutschen Fiskus Millionen an USt durch die Hände und zudem drängen die Chinesen deutsche Anbieter aus dem Markt, weil sie tatsächlich durch die Ersparnis der USt billiger anbieten können.

    Warum kümmert sich hier kein Finanzamt darum ?


    Tatsächlich zahlen die Chinesen nur die Einfuhrumsatzsteuer (

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