Nach dem Wölbern-Fonds-Urteil
„Wir mussten mehr als 40 Verfahren führen“

In einer beispiellosen Aktion haben die Wölbern-Anleger um ihr Geld gekämpft. Der Wölbern-Fonds-Gesellschafter Christoph Schmidt war ganz vorne mit dabei und berichtet über die Revolte der Anleger.
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Herr Schmidt, schon 2011 haben Schulte und seine Wölbern Invest Geld aus den Fonds genommen. Warum konnten Sie und die übrigen Anleger das damals nicht stoppen?
Es dauerte eine Zeit, bis wir überhaupt Gewissheit hatten, dass er schon 2011 Gelder veruntreut hat. Entscheidend war die Veröffentlichung der Bilanz 2011 im elektronischen Bundesanzeiger im Oktober 2012. Wir hatten die Entnahmen über das sogenannte „Liquiditätsmanagement“ zuvor schon gerichtlich gestoppt. Mit dieser Erfindung sollten sich ja die Fonds angeblich untereinander Geld leihen.

Mit dem Gerichtsbeschluss zum „Liquiditätsmangement“ hat der Aderlass der Fonds aber nicht aufgehört…
Was wir nicht wussten: Schon vor der offiziellen Einführung des „Liquiditätsmanagement“ waren viele Millionen abgeflossen. Was wir auch nicht wussten: Nach Beendigung des „Liquiditätsmanagements“ kamen Schulte und seine Berater auf den Trick mit den Anleihen. Über wertlose Anleihen der Briefkastenfirma „Wölbern Invest B.V.“ hat er weiter Geld aus den Fonds genommen und damit die Gerichtsurteile völlig unverfroren ins Leere laufen lassen.

Warum haben Sie sich nicht einfach Einblick in die Konten verschafft?
Das konnten wir nur gerichtlich erzwingen. Doch jede gerichtliche Aktion dauert Zeit. Schultes Anwälte haben regelmäßig Anträge auf Fristverlängerung gestellt und den vollen Instanzenweg bis hin zur Zwangsvollstreckung ausgeschöpft. So wurden die Verfahren möglichst lange hingezogen, obwohl in 99 Prozent der Fälle von Vornherein klar war, dass die Position von Schulte völlig aussichtlos sein würde.

Wie viele Verfahren und Verfügungen hatten Sie damals laufen?
Ich persönlich habe zwölf Gerichtsverfahren geführt. Unsere Initiative hat insgesamt mehr als 40 Verfahren geführt und bis auf zwei alle gewonnen. Bei zehn Fonds haben wir neue Geschäftsführer eingesetzt.

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