Nach Verbraucherbeschwerde

Volksbank kündigt unbequemem Kunden das Girokonto

Die Verbraucherzentrale sammelt Reaktionen auf ein BGH-Urteil, wonach unrechtmäßig erhobene Bearbeitungsgebühren zurückverlangt werden können. Eine Volksbank reagierte darauf mit der „dreistesten aller Reaktionen“.
12 Kommentare
Filiale einer Volksbank (Symbolbild): Die Volksbank Zuffenhausen kündigte einem Kunden, weil er Bearbeitungsgebühren zurückforderte. Quelle: picture alliance / ZB

Filiale einer Volksbank (Symbolbild): Die Volksbank Zuffenhausen kündigte einem Kunden, weil er Bearbeitungsgebühren zurückforderte.

(Foto: picture alliance / ZB)

StuttgartAls Reaktion auf die Forderung eines Kunden, unzulässig erhobene Bearbeitungsgebühren zurückzuzahlen, hat die Volksbank Zuffenhausen diesem Kunden nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZ-BW) gekündigt. Die Verbraucherzentrale sammelt derzeit Reaktionen auf das Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach Banken unzulässig erhobene Gebühren beim Abschluss eines Verbraucherkredits seit Ende Oktober 2004 zurückerstatten müssen.

Manche Geldinstitute reagieren demnach gar nicht auf Beschwerden, manche behaupten, das Urteil sei nicht anwendbar, weil das Entgelt individuell vereinbart worden sei, manche erstatten die Bearbeitungsgebühren tatsächlich, manche nur zuzüglich Verzugszinsen.

Die „dreisteste aller Reaktionen“ aber sei die Kündigung der Geschäftsbeziehung, kritisierte Finanzexperte Niels Nauhauser von der VZ-BW am Dienstag. Bemerkenswert in diesem bislang einmaligen Fall sei zudem, dass der zuständige Schlichter den Anspruch des Kunden bejaht hatte. Nauhauser kündigte an, das Verhalten der Banken weiter im Auge zu behalten.

Der BGH hatte Ende Oktober geurteilt, dass Bankkunden die beim Abschluss eines Verbraucherkredits erhobenen Bearbeitungsgebühren rückwirkend ab Ende Oktober 2004 zurückfordern können. Verbraucherschützer empfehlen allen betroffenen Kunden, ihre Forderungen umgehend per Musterbrief zu erheben.

Sollten Banken auf Zeit spielen oder sich weigern, solle der sogenannte Ombudsmann der Banken eingeschaltet werden, um die drohende Verjährung zum Jahresende zu hemmen.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Nach Verbraucherbeschwerde - Volksbank kündigt unbequemem Kunden das Girokonto

12 Kommentare zu "Nach Verbraucherbeschwerde: Volksbank kündigt unbequemem Kunden das Girokonto"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es wäre wünschenswert, wenn Medien wie das Handelsblatt sich das Urteil zur Erstattung von Bearbeitungsgebühren mal genau anschauen und bewerten, ob dass was hier juristisch als Recht gesprochen wurde, auch richtig ist.
    Der BGH hat geurteilt, dass Banken keine Bearbeitungs-gebührten erheben darf, da die Bearbeitung nur im Interesse der Bank liegt. Kunden die einen Vertrag als mündige Bürger abgeschlossen haben, verlangen nach Jahren Gebühren zurück, die einst ganz selbstverständlich vereinbart waren. Das ist skurril!
    Vor Jahren haben Banken auf Drängen der Verbraucher-verbände und der Aufsichtsbehörden eine Aufgliederung der Kostenbestandteile eines Darlehens vorgenommen, um für mehr Transparenz von Angeboten zu sorgen. Dabei stellt der Zinssatz die Kosten für die Geldbeschaffung dar, die Bearbeitungsgebühren zeigen Kosten für die Antragsbearbeitung, Vertragserstellung, Beschlussfassung,
    Verbuchung etc.. Beide Komponenten werden dann im Effektivzins zusammengeführt als eine einheitliche
    Kennzahl, in der sämtliche Kostenkomponenten zusammengefasst sind und damit jedes Angebot einer Bank mit Angeboten anderer Banken 1 : 1 vergleichbar macht.
    Ganz selbstverständlich zahlt jeder Kunde beim Kauf neuer Autoreifen für die Montage und das Auswuchten
    dieser Reifen. Ohne diese Dienstleistung könnte ein Händler aber keine Reifen verkaufen, den der Kunde
    könnte sie selbst nicht montieren. Auch hier, wie in unzähligen vergleichbaren Lebenssituationen wäre
    die Frage zu stellen, in wessen Interesse eine Dienstleistung steht, für die ein Kunde ganz selbstverständlich ein Entgelt zahlt. So zahlt man auch anteilige Netzkosten mit jeder Stromrechnung, obwohl ohne Netz kein Strom geliefert werden könnte. Das Netzt liegt allein im Interesse des Stromlieferanten, denn ohne kann er keinen Strom liefern. Leider werden solche skurrilen Zusammenhänge nur in Verfahren zu Lasten von Banken in dieser Weise gewürdigt.

  • Klar, wenn Sie das sagen, muss das ja stimmen. Blöd nur, dass selbst Journalisten die sogenannte "innere Pressefreiheit" als gefährdet ansehen, weil Klientel- und Sensationsjournalismus betrieben wird. Erst letztens wurde das thematisiert von Harald Schumann, ausdrücklich auch die Öffentlich Rechtlichen dabei genannt.

    -> Harald Schumann am 03.11.2010 während der Preisverleihung des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg "Der lange Atem" zum Thema "innere Pressefreiheit in den Redaktionen". (findet man auf Vimeo, ab Minute 9)

  • Ich finde die Kündigung der Volksbank super.
    So erleichtert sie doch dem Kunden die Arbeit, sich ein kundenorientierteres Kreditinstitut als DIENSTLEISTER zu suchen. Ich denke, jeder gekündigte VB-Kunde wird nach ein paar Wochen froh sein, dass er die Bank losgeworden ist.

  • @Thomas V. Schuischel

    ARD-Verbrauchermagazine sind seriös.

    Anders als jede Bankberatung.

  • warum sind Bankkunden denn wiederwärtig, wenn sie das beantragen, was rechtlich korrekt ist. Banken setzen doch auch bei Kunden das durch, was ihnen zusteht.

  • Gerade Volksbanken haben es nicht so mit ihren Kunden.

    So war es eine Volks- und Raiffeisenkasse, die als Erste Strafzins auf Sparguthaben einführte.

    Und gegenüber dem höchsten deutschen Zivilgericht verhält man sich wie ein ertappter Ganove.

    Das ist schon sehr peinlich, spricht es doch erneut dafür, sein Geld aus diesem Lande zu entfernen - schleunigst, und sogleich zu 50,01% auch in Personam.

  • Es stünde dem Handelsblatt gut zu Gesicht, wenn es einmal einen Artikel über widerwärtige Bankkunden recherchieren würde.

    Also über solche Typen, die z.B. 2010 eine Immobilie mit 10-jähriger Zinsbindung finanziert haben und jetzt mit allen Tricks und Mitteln (z.B. das völlig inakzeptable BGH-Urteil bzgl. der Widerspruchsklausel) versuchen, ohne Vorfälligkeitsentgelt aus diesen Verträgen zu kommen.

    [...]! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nebenbei, auch das HB braucht den Artikel... Ebenso braucht die Verbraucherzentrale die Medienaufmerksamkeit... Vielleicht hat sich der Kunde mehrfach in der Geschäftsstelle daneben benommen? Vielleicht hatte er ohne Rücksprache mehrfach seine Kreditlinie gerissen? Vielleicht hat er anderes Fehlverhalten an den Tag gelegt.

    Denn eines ist sicher: Eine Bank darf noch nicht mal einfach so einem Kunden kündigen. Dagegen spricht das Anrecht jedes Bürgers auf ein (Guthaben-)Girokonto um am Zahlungsverkehr teilzunehmen. Hier wird viel zu sehr vereinfacht, dass dieses beispiel des HBs überhaupt nicht so stimmen kann. Aber die Schlagzeile liest sich halt gut...

  • "Verbrauchermagazine" leben von der Sensation, nicht von der ordentlichen Berichterstattung. Selbst am eigenen Leib erfahren. Wir haben einem Kunden eine gute 5-stellige Summe als Vorschuss geleistet. Dieser hat das Geld jedoch anderweitig ausgegeben und nicht für das, wofür das Geld gedacht war. Dieser dreiste Kerl ging zu einem solchen Magazin. Die Anfrage des Magazins kam in unser Haus. Nach Klarstellung an das Magazin, erfolgte jedoch keine Einstellung der Berichterstattung. Nö, denn dann wäre ja Arbeit, Zeit und Filmmaterial für die Katz gewesen. Also berief sich der öffentlich rechtliche Sender auf die Pressefreiheit und berichtete trotzdem. Natürlich bekannt reißerisch und verdrehte trotz besserem Wissen alles.

    Sorry, wer denkt dass diese Berichte in "Verbrauchermagazinen" der Wahrheit entsprechen hat einen an der Waffel. Komisch nur, dass genau diese Kunden vor Gericht dann immer den Kürzeren ziehen.

  • Bei uns in der Filiale schlagen reihenweise Kunden auf, die entweder nicht in der Lage sind, ihre Kredite der Vergangenheit irgendwie zu benennen (Kontonummer, Datum der Aufnahme, Kredithöhe) oder falls sie dies doch können, überhaupt nie Bearbeitungsgebühren gezahlt haben. Wenn es irgendwas an Geld gibt, einfach mal probieren. Ist ja nur die böse Bank / Sparkasse. Selbstredend wurde alte Kreditverträge von den Kunden weggeschmissen, die jetzt natürlich von der Bank kostenfrei nacherstellt werden sollen, damit danach erfolgreich erstattet bzw. geklagt werden kann. Weil mir diese Kunden so lieb sind, mach ich das natürlich mit freundlichem Lächeln bei ner schönen Tasse Kaffee.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%