Negatives Image
Wenn der Kunde zweimal bloggt

Ein falscher Testbericht im Internet kann Millionen kosten, wenn er gut verlinkt ist. Angestellte und Unternehmer müssen darum auch im Netz auf ihren guten Ruf achten. Doch wer den Kampf aufnimmt, ist häufig gnadenlos unterlegen. Denn nicht jede Gegenmaßnahme erreicht das gewünschte Ziel.

BERLIN. Dirk A. (Name geändert) staunte nicht schlecht, als er von Freunden darauf angesprochen wurde, dass er jetzt wohl auch twittere. Unter dem Namen des Geschäftsführers eines Versicherungskonzerns erschienen laufend berufliche und private Nachrichten. Aber Dirk A. stand nicht hinter der Anmeldung. Ein Unbekannter hatte den Dienst auf fremden Namen eingetragen und verbreitete scheinbar spannende und entlarvende Details aus der Chefetage des Unternehmens.

Unternehmen haben viele Feinde. Konkurrenten, unzufriedene Kunden, ehemalige Mitarbeiter oder verprellte Geschäftspartner sind gerne bereit, schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit sehr heiß zu waschen. Das ist besonders für konsumorientierte Unternehmen eine Gefahr, weil sie auf ein gutes Image angewiesen sind. Falsche Gerüchte und unsachliche Behauptungen können ganz schnell Auswirkungen auf den Absatz haben. Laut einer Allensbach-Studie von 2008 informieren sich 46 Prozent der 14- bis 64-Jährigen inzwischen online. Die Wahrnehmung im Internet ist ökonomisches Kapital.

Gelesen und gesucht werden weniger die Produkt- oder Firmenseiten als vielmehr Testberichte, Einkaufsportale oder Special-Interest-Foren. Wer seine Kritik auf einem Weblog wiedergibt, der sehr gut verlinkt ist, erreicht damit einen hohen Google-Rang. Wenn dann bei Eingabe des Produktnamens auf Google-Rang zwei eine Seite erscheint, die sich überaus kritisch mit dem Unternehmen auseinandersetzt, kann das schnell zum Ausschlusskriterium für die Kaufentscheidung werden.

Christlieb Klages, Rechtsanwalt der Berliner Kanzlei Hertin, rät deshalb in einem solchen Fall unbedingt zu rechtlichen Schritten. Häufig ist für die Anwälte zwar nichts beim Gegner zu holen, was die Rechtsverfolgung für die Unternehmen auch bei berechtigten Ansprüchen teuer macht. Aber das Gedächtnis des Internets ist mächtig und eine „falsche Darstellung kann für den Internetnutzer lange auffindbar sein“, so der Experte für geistiges Eigentum.

Im Fall von Dirk A. liegt die Sache recht einfach. „Ein Dritter darf sich nicht fremder Namensrechte bedienen“, so der ebenfalls auf Medienrecht spezialisierte Anwalt Tobias Gostomzyk aus Köln. Ist der anonyme Anmelder nicht zu identifizieren, kann der Anspruch auch gegen den Betreiber des Internetportals und gegen den Suchmaschinenbetreiber Google gerichtet werden, so Gostomzyk. Der Anspruch auf Löschung der Suchergebnisse besteht auch bei Urheberrechts-, Marken- oder Persönlichkeitsrechtsverletzungen, erläutert der Anwalt. Nach einer erfolgreichen Löschung blendet Google am Ende der Suchseite den kursiv gehaltenen Hinweis „Aus Rechtsgründen hat Google 2 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt“ ein. Dieser Weg ist auch dann erfolgversprechend, wenn die Homepage vom Inselstaat Tuvalu mit seiner viel benutzten Domain „.tv“ und damit außerhalb des Einflussbereichs deutscher Vollstreckungsbeamter betrieben wird. Allerdings wird man in einem solchen Fall über die ausländische Seite von Google oder über andere Suchmaschinenbetreiber die Seite noch auffinden können.

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