Neues Zahlungssystem
Die Sepa-Uhr tickt

Ein halbes Jahr vor der finalen Umstellung schlagen Banken- und Industrieverbände Alarm. Viele Unternehmen haben sich noch nicht auf das neue Zahlungssystem vorbereitet. Doch das kann ernste Folgen haben.
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Frankfurt/DüsseldorfNur noch sechs Monate, dann wird das Zahlungssystem in der EU und einigen weiteren Staaten endgültig auf Sepa umgestellt. Doch viele Unternehmen und Vereine in Deutschland lässt das noch immer kalt. Dabei müssten sie sich dringend vorbereiten, denn durch Sepa („Single Euro Payments Area“) ändert sich viel mehr als nur die Länge der Kontonummern.

Vom 1. Februar 2014 an dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von Unternehmen und Vereinen nur im Sepa-Format bearbeiten. Die dafür nötige Gläubiger-Identifikationsnummer wurde nach Angaben der Bundesbank in Deutschland aber erst in 632.092 Fällen vergeben (Stand 23. Juli 2013) - obwohl es bundesweit 3,6 Millionen Unternehmen und rund 580.000 eingetragene Vereine gibt.

Ein „alarmierendes Signal“ nennt eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) die geringe Zahl vergebener Gläubiger-IDs. „Es ist allerhöchste Eisenbahn“, mahnt sie. „Es ist ja nicht damit getan, die neue Kontonummer aufs Briefpapier zu drucken. Es muss ein komplett neues Bezahlverfahren implementiert werden.“

Ähnliche Stimmen kommen aus dem genossenschaftlichen Lager. „Viele mittelständische Unternehmen und Vereine unterschätzen bislang noch den mit der Sepa-Einführung verbundenen zeitlichen Aufwand“, bilanzierte Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Anfang Juli. Der Zulauf zu Informationsveranstaltungen sei enorm, doch dabei dürfe es nicht bleiben. Martin: „Daher mein Aufruf an alle Unternehmen und Vereine: Stellen Sie ihre Sepa-Fähigkeit vor Weihnachten her!“

Und neben der Gläubiger-ID gibt es noch mehr Änderungen: Es muss auch ein unterschriebenes Sepa-Mandat des Zahlenden vorliegen, praktisch der Ersatz für die bisherige Einzugsermächtigung. Jedem Sepa-Mandat wird eine sogenannte Mandatsreferenz zugewiesen. Diese muss innerhalb eines Unternehmens eindeutig sein und könnte zum Beispiel aus der Kundennummer bestehen. „Um Sepa-Mandate zu verwalten, müssen Unternehmen eine neue Softwarekomponente in ihre Systemlandschaft integrieren“, erklärt Christian Bruck, Partner bei der Unternehmensberatung BearingPoint.

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  • Der Artiekl erweckt einen falschen Eindruck. Die Gläubiger-ID wird nur bei Lastschrifteinzügen benötigt.

  • Sicher weiß jeder, der Überweisungen tätigt, dass die Bank in keinster Weise prüfen muss, ob die Kontonummer mit dem Namen des Zahlungsempfängers übereinstimmt.
    Ein Zahlendreher bei einer solch langen Nummer ist doch nicht auszuschließen. Geht ein Betrag "verloren", haftet der Bankkunde selbst. Die Bank ist fein raus.

  • Damit Sie das nicht machen müssen, erledigt das Schäuble mit Unterstützung der EZB für Sie.

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