Nicht verhältnismäßig
Gericht kassiert Kündigung wegen privater Telefonate

Auch ein exzessiver Gebrauch von Diensthandys für private Zwecke rechtfertigt keine Kündigung langjähriger Mitarbeiter. Das Arbeitsgericht Frankfurt erklärte die Entlassung mehrerer Angestellter der Lufhtansa-Tochter LSG Sky Chefs für nicht verhältnismäßig. Laut Gewerkschaft hatten die Mitarbeiter zum Teil für wenige Euro im Monat privat telefoniert. Das Unternehmen spricht dagegen von massivem Missbrauch.
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HB FRANKFURT. In mehreren Prozessen um die private Nutzung von Diensthandys hat das Arbeitsgericht Frankfurt fristlose Kündigungen der Catering-Firma LSG Sky Chefs für nichtig erklärt. Der Gewerkschaft Verdi zufolge haben die Richter vor allem die fehlende Verhältnismäßigkeit der Kündigungen für teils langjährige Mitarbeiter kritisiert.

Das Gastro-Unternehmen der Lufthansa bestätigte am Donnerstag die Niederlage in der ersten Instanz, bestritt aber die von der Gewerkschaft genannte Höhe des Schadens. Verdi hatte behauptet, dass wegen eines Volumens von 10 bis 15 Euro im Monat gekündigt worden sei. Dies sei nicht richtig, erklärte eine Firmensprecherin. "Es wurde in keinem einzigen Fall das Arbeitsverhältnis eines Mitarbeiters gekündigt, der einen Schaden in dieser Größenordnung verursacht hat."

Im Einzelfall belaufe sich der Schaden auf bis zu 2500 Euro, erklärte das Unternehmen. Ein Mitarbeiter habe innerhalb von 22 Monaten 15 000 private SMS verschickt und ein anderer in zwei Wochen für 2200 Euro im Internet gesurft. Unklar blieb zunächst, ob diese Extremfälle bereits verhandelt worden sind. Insgesamt geht es um etwa 20 Kündigungen aus dem März.

Der Missbrauch der Diensthandys sei nie infrage gestellt worden, sagte Verdi-Sekretär Gerold Schaub. Auch müsse der Schaden von den Beschäftigten ersetzt werden. In den Klagen sei es allein um die Verhältnismäßigkeit der Kündigungen gegangen. Es hätten auch Rügen oder Abmahnungen ausgereicht. Das Unternehmen erklärte, nach persönlichen Anhörungen nur in etwa einem Drittel aller Fälle gekündigt zu haben.

Schaub hielt der Lufthansa-Tochter vor, zulange mit ihren Maßnahmen gewartet zu haben. Sie habe auch bei den Handys kein sicheres Verfahren zum Schutz vor Missbrauch installiert. Die Mitarbeiter hatten mit sogenannten Twin-Handys die Möglichkeit, private Gespräche über eine separate Nummer abzuwickeln.

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