Number26-Gründer im Interview
„Wir hatten schlecht kommuniziert“

Nach harter Kritik wegen einer Welle von Kontokündigungen meldet sich der Gründer der Smartphone-Bank Number26 zu Wort. 40 Millionen Dollar hat Valentin Stalf, eingesammelt – und möchte mehrere Millionen Kunden gewinnen.

Eigentlich hätte schon Anfang Juni ein Gespräch mit Valentin Stalf im Handelsblatt erscheinen sollen. Damals hagelte es Proteste, weil Number26 Kunden gekündigt hatte, weil sie zu oft Bargeld abgehoben hatten. Stalf wollte schriftlich auf die Fragen antworten, lehnte dann aber wieder ab. Man wolle nur antworten, „sofern die Fragen objektiv und sachlich formuliert sind“, schrieb die Sprecherin des Unternehmens und fragte: „Möchten Sie uns vor diesem Hintergrund nochmals neue Fragen zusenden?“ Das tat die Redaktion nicht. Jetzt bat Stalf, der derzeit bei einer Fintech-Konferenz in Madrid ist, der Spanien-Korrespondentin des Handelsblatts ein Gespräch an – und antwortete nun doch auf die ursprünglichen Fragen.

Ihr Unternehmen ist gestartet, um das Girokonto zu revolutionieren. Jetzt haben Sie Hunderten Kunden gekündigt, weil die zu oft Bargeld abgehoben haben. Das ist in der Tat etwas völlig Neues, oder?
Mehr als 99,8 Prozent unserer Kunden haben das Konto in einem gewöhnlichen Rahmen genutzt und waren von den Kündigungen nicht betroffen. Wir sind davon ausgegangene, dass die Kunden wissen, dass viele Abhebungen für uns mit Kosten verbunden sind. Im Nachhinein ist klar, dass wir das besser kommunizieren müssen, deshalb bringen wir die Fair-Use-Policy, in der wir alle Rahmenbedingungen für unsere Kunden transparent auflisten.

Die Kündigungen deuten für uns darauf hin, dass Ihr kostenloses Kontomodell nicht völlig zu Ende gedacht scheint. Die Zinsen sind bei null, einträgliche Zusatzprodukte außer einem Dispokredit bieten Sie nicht an. Wie wollen sie da Gewinne machen?

Unser Geschäftsmodell ist im Grunde das Gleiche wie in der traditionellen Bankbranche auch: Der Kern ist das Girokonto. Daneben werden wir zukünftig alle Bereiche einer traditionellen Bank wie Finanzierung, Sparen, Investieren und Versicherungen anbieten. Wir sind ein Start-up und haben mit der MasterCard und dem Girokonto angefangen. Anders als traditionelle Baken wollen wir nicht alle Produkte selbst entwickeln. Wir kooperieren mit ausgewählten Partnern, mit denen wir Revenue-Share-Deals haben.

Wie viel Verlust macht Number26?
Wir legen unsere Zahlen nicht offen, aber am Anfang muss man immer investieren. Es ist unrealistisch zu glauben, dass wir nach anderthalb Jahren schon profitabel sein könnten. Wir arbeiten an einem langfristigen Modell einer paneuropäischen Finanzplattform. Wir machen gute Umsätze und könnten schon im kommenden Jahr den Breakeven erreichen, wenn wir wollten. Hier muss man als Startup zwischen Gewinn und Wachstum abwägen. Langfristig können wir ein nachhaltig profitables Unternehmen aufbauen.

Sie haben gerade in einer zweiten Finanzierungsrunde 40 Millionen Dollar eingesammelt. Waren die Kundenproteste da ein Thema?
Wenn die Investoren nicht von unserem Geschäftsmodell überzeugt wären, würden sie nicht einsteigen. Wir sind beim Wachstum einer der drei Top-Girokonto Anbieter, ohne dass wir 30 oder 50 Millionen Euro für Marketingkampagnen ausgeben wie viele der großen Banken. Die Fintech-Szene kann noch viel Wert schaffen, davon sind unsere Investoren überzeugt. Und ich bin sehr froh, dass mit Li Ka-Shings Horizons Ventures, jetzt auch ein Fonds mit Sitz in Hong Kong an Bord ist. So sind unsere Geldgeber weltweit verteilt.

Wer ist noch dabei?
Wir hatten ja schon rund 13 Millionen Euro bekommen, unter anderem von Silicon-Valley-Investor Peter Thiel und seinem Fund Valar Ventures und des deutschen Venture Capital Fonds Earlybird. Die waren bei dieser Runde auch wieder dabei, genauso wie die drei Zalando-Gründer, die mit privatem Geld eingestiegen sind. Damit haben wir einige der Top-Investoren der Weltweiten Venture Szene bei uns. Die haben sich alle Zahlen genau angeguckt und sich dann für uns entschieden.

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