Onlinehandel

Ein Bett – gebraucht zurück

Das Geschäft der Online-Versandhändler boomt vor Weihnachten. Ein Grund zur Freude für die Internetshops, sollte man meinen. Doch gleichzeitig verhalten sich viele Kunden immer öfter geschäftsschädigend und verursachen einen immensen wirtschaftlichen Schaden - und das auch noch mit Rückendeckung höchstrichterlicher Urteile.
  • Thomas Sigm
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Neue Regeln für den Internethandel: Kunden sollen Ware leichter prüfen können. Quelle: dpa

Neue Regeln für den Internethandel: Kunden sollen Ware leichter prüfen können.

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BERLIN. Fast alle Prozesse drehen sich beim Internethandel um die Frage, inwieweit der Verbraucher bei Einkäufen die Ware risikolos prüfen kann. In einem jüngst durch den Bundesgerichtshof (BGH) entschiedenen Streitfall hatte ein Berliner im Internet ein Wasserbett bestellt. Der Kaufvertrag wurde per E-Mail geschlossen. Dabei wies der Händler darauf hin, dass das Bett nicht mehr als neuwertig gilt, wenn es einmal mit Wasser befüllt wurde. Nach der Lieferung baute der Kunde das Bett auf, füllte die Matratze mit Wasser und probierte die Sache aus. Weil er nicht zufrieden war, widerrief er den Vertrag innerhalb der gesetzlichen Frist von 14 Tagen. Statt der gezahlten 1265 Euro erstattete der Händler aber nur 258 Euro für die aus seiner Sicht allein noch verwertbare Heizung. Das höchste deutsche Zivilgericht entschied dagegen, der Händler muss auch die restlichen 1007 Euro zurückzahlen.

Für DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben ist das ein Unding. "Dass man in Deutschland ein Wasserbett bestellen, es mit Wasser befüllen und nach einigen Tagen kostenfrei zurückgeben kann, hätte ich nicht für möglich gehalten", sagte Wansleben dem Handelsblatt. Die Wasserbett-Entscheidung des BGH zeige einmal mehr, dass sich das Fernabsatzrecht zunehmend von der Lebenswirklichkeit entfernt habe, sagte Wansleben. Der BGH argumentierte dagegen: Die Prüfung sei beim Verkauf über Internet oder Telefon notwendig, weil der Verbraucher die Ware nicht wie im Laden vor Ort begutachten könne. "Um das Wasserbett zu prüfen, ist es im Streitfall notwendig gewesen, es aufzubauen und die Matratze mit Wasser zu befüllen", urteilten die Richter.

Der Streit über das Wasserbett ist jedoch nur ein Einzelfall. Der Online-Handel klagt bereits heute, dass das Internet zunehmend zum kostenfreien Leihhaus verkommt. Die Kunden bestellen laut Umfragen in der Branche (siehe Grafik "Immenser Schaden") Kostüme für Karneval, Smokings oder Abendkleider. Alles für einen Abend, um dann vom Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. "Spaßkäufe" nennen das die Händler. Die Käufer schicken auch gerne Unterwäsche, Zahnbürsten oder einen wesentlichen Teil des Sortiments von Sex-Shops zurück - alles wie beim Wasserbett gebraucht.

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6 Kommentare zu "Onlinehandel: Ein Bett – gebraucht zurück"

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  • Die Folgen dieser in meinen Augen unsinnigen Gesetzgebung tragen die normalen (ehrlichen) Kunden, diese Gesetzgebung dient also nicht den allgmeinen Kundeninteressen, sondern einer unredlichen, trickreichen Minderheit. bei den Auswüchsen zu den Themen Garantie, Produkthaftung und im Mietrecht ist es genauso.

  • Dieses Urteil ist in meinen Augen ein Unding.

    Wer weis was internethändler für Probleme durch Rücksendungen haben, der wird nicht anders denken.

    bin selber Händler und hatte schon mehrfach mit unverkäuflichen Rücksendungen zu tun.
    Einerseits wollen die Kunden immer nur billig billig, andererseits wird oft wesentlich mehr geprüft, wie es jemals z.b. in einem regulären Ladengeschäft möglich wäre.
    Einfach nur ärgerlich...

  • Wer ist schuld, der kaufer oder der Verkaufer??

    Ein Wasserbed , muss mann probieren , bevor mannn sich entscheidet. belieben 2 optionen. Entweder de verkaufer hoert auf mit seinen internet verkauf und oefnet einen Laden oder er Kalkuliert dieser Verlust in seine Verkaufspreise.

    Er kann doch niecht vom kaufer erwareten , das er zu eienm beliebegen laden geht ein Wasserbed ausprobiert un dann fuer 200 euro weiniger bei die konkkurenz im internet das bett bestellt, oder ? So werden die Preisunterschieden zwischen Laeden und webshops auch kleiner.

  • Naja wenn die Händler clever wären und nicht nur rumflennen würden, könnten sie zumindestens die getragene Wäsche sowie die benutzten Sextoys zu deutlich höheren Preisen weiterverkaufen ! Kommt alles auf die Vermarktungsstragegie an. :-D

  • im Grunde gibt es an dem Urteil nichts zu meckern.
    Die begründung der Richter ist absolut nachvollziehbar und wasserdicht!

    Die Frage ist doch, kann oder soll man wirklich alles online handeln ?

    Macht das wirklich Sinn ??
    Ökonomisch und ökölogisch ???

  • Die Gesetze sind "gut so"!

    Weitere Erleichterungen zugunsten des Versandhandels auch nur zu erwägen halte ich für, wie heißt es so schön auf Neudeutsch, "krude".
    Versandhändler unterbieten jeden stationären Einzelhandel, weil sie ohne Verkaufsausstellung und beratung immense Kostenvorteile genießen. Der Einzhelhandel vor Ort wird nur noch zum beratungsdiebstahl genutzt und wenn die Händler aufgeben müßen, beklagen wir lauthals den Leerstand der Läden in unseren Städten!

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