Opfer von Anlagebetrug
„Wie konnte man bloß so blöd sein?“

Typisch für den grauen Kapitalmarkt sind hohe Renditeversprechen. Aber hohe Rendite bedeuten immer hohes Risiko. Und irrationale Versprechen deuten auf unseriöse Anbieter hin. Investoren lassen sich oft dennoch locken.
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Es war ein Novembertag 2013, an dem vier Ordensbrüder vom guten Glauben abfielen. Hauptsächlich kümmern sich die Mönche der „Armen Brüder des heiligen Franziskus“ um Alte und Obdachlose. Ihr Verein, der zum Erzbistum Köln gehört, hilft in 19 Einrichtungen mehr als 900 Bedürftigen.

Was kaum jemand wusste: Die Brüder waren auch als Anleger auf dem grauen Kapitalmarkt unterwegs. Geld, das für Altenheime und Obdachloseneinrichtungen gedacht war, vertrauten sie der Dresdener Finanzfirma Infinus an. Lange mehrte es sich.

Doch im Winter 2013 erwies sich das vermeintliche Wunder als finanzielle Höllenfahrt. An einem Novembertag stürmten Beamte die Infinus-Zentrale im Dresdener Villenviertel Blasewitz, sicherten Beweismaterial, verhafteten Manager. Der Verdacht: Kapitalanlagebetrug. Kurz darauf meldeten zahlreiche Firmen der Infinus-Gruppe Insolvenz an. Seit jenem Tag schwant auch den Mönchen: Sie haben womöglich bis zu 7,2 Millionen Euro verzockt.

Die Ordensgemeinschaft fühlt sich hinters Licht geführt. „Wir haben die Infinus AG ausgewählt, weil sie von der Bafin kontrolliert und exzellent bewertet worden ist“, sagte Geschäftsführer Heinz Theo Wollschläger unlängst in einem Interview. Die Mönche, die zu den größten Gläubigern im Infinus-Skandal zählen, wehren sich nun mit einem Anwalt. Sie müssen sich aber fragen, warum sie auf derart hohe Renditen und nicht auf sichere Anlagen setzten.

Ähnlich erging es Dagmar und Heinz Mühlkamp (Namen geändert). Sie freuten sich auf ihren Ruhestand in den eigenen vier Wänden. Jetzt ist die Wohnung weg, und das Rentnerpaar steht vor der Pleite.

Das Drama begann im Jahr 2009. Ehemann Heinz stieß im Internet auf den Fondsvermittler Dima24. „Hier legt die Elite an“, las Mühlkamp dort. Das überzeugte ihn. Mehr als ein Dutzend Mal zeichnete das Paar über Dima24 Fondsanteile. Gesamtvolumen: mehr als 400.000 Euro. Das Geld sollte in Rohstoffprojekte fließen. Die Werbung lockte mit durchschnittlich 14 Prozent Gewinnbeteiligung im Jahr.

Anfangs schien alles glatt zu laufen. Die Ausschüttungen kamen pünktlich. Noch öfter kam allerdings neue Werbung mit dem Satz: „Handeln Sie schnell. Fordern Sie noch heute weitere Infos an.“ Heinz Mühlkamp handelte. 2011 verkaufte er für eine Viertelmillion Euro die Dachgeschosswohnung der Familie. Das Geld steckte er in einen Fonds, der am „attraktiven Öl- und Gasmarkt in den USA partizipieren“ sollte.

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