Persönliche Haftung
D&O-Versicherung ist für Manager kein Ruhekissen

Mit D&O-Versicherungen können sich Firmenchefs gegen eigene Managementfehler absichern. Doch trotz dieser umfassenden Schutzpakete können die Manager in persönliche Haftung genommen. Viele Fallkonstellationen werden von den Versicherungen gar nicht erfasst.

KÖLN. Managementfehler können fatale Folgen haben - auch für die Unternehmenslenker persönlich. Sie haften für etwaige Schäden im schlimmsten Fall mit ihrem gesamten Privatvermögen. Das finanzielle Risiko lässt sich indes mit einer sogenannten D&O-Versicherung abfedern. Die Assekuranzen springen ein, wenn Firmenchefs wegen Fehlentscheidungen in Anspruch genommen werden. Weil ihre Haftungsgefahren ständig steigen, pochen Manager immer häufiger auf solche Schutzpakete. Was eine D&O-Versicherung wert ist, zeigt sich aber erst, wenn es tatsächlich zu einem Schadensfall gekommen ist. So manche Führungskraft hat dann schon eine böse Überraschung erlebt.

Rechtsanwalt Roland Erne, Partner der Kanzlei Hoffmann Liebs Fritsch & Partner in Düsseldorf hat viele solcher Fälle erlebt und weiß: "Der Versicherungsschutz besteht oft nur vordergründig." Branchenexperten schätzen, dass inzwischen jede zehnte D&O-Police schadensbehaftet ist, die Assekuranzen aber nur in jedem vierten Fall tatsächlich zahlen..

Die Versicherer haben viele Abwehrargumente: Bestimmte Konstellationen sind von der Deckung von vornherein ausgeschlossen. Manche Risiken sind überhaupt nicht versicherbar, beispielsweise Sach- oder Personenschäden. Zudem schließen die Assekuranzen den Versicherungsschutz in ihren Bedingungen für zahlreiche Fälle aus, etwa für die Haftung wegen fehlerhafter Produkte oder bei verspäteter Mitteilung des Schadensfalls gegenüber der Versicherung. In solchen eindeutigen Fällen verweigern die Assekuranzen bereits die sogenannte Abwehrdeckung. Das heißt: Sie geben dem Manager nicht einmal das Geld für die Verteidigung gegenüber der geschädigten Firma.

Meist kommt es jedoch zu langen und zermürbenden Prozessen. Darin verteidigen sich die Versicherungen mit allen Mitteln gegen ihre Einstandspflicht. Mitunter auch mit gezielten Vorwürfen gegen die Unternehmenslenker. Wie im Fall des Managers R. Der Bankvorstand soll bei Kreditgeschäften die internen Risikogrenzen missachtet haben. Das von ihm geführte Geldinstitut will dabei einen Schaden von fast zehn Millionen Euro erlitten haben. Den Betrag fordert die Bank nun per Klage von ihm zurück.

Die D&O-Versicherung zeigte sich zunächst kooperativ und vermittelte dem Bankmanager einen spezialisierten Anwalt. Auch die teuren Stundenhonorare des Rechtsexperten zahlte die Versicherung anstandslos. Das Gericht ging dennoch von einer Pflichtverletzung des Bankvorstands aus und erkannte einen Haftungsfall. Die D&O-Versicherung des Geldhauses verweigerte die Zahlung trotzdem. Sie warf R. jetzt eine "wissentliche Schädigung" vor. Hierfür sei die Deckung ausgeschlossen, teilte die Assekuranz mit. Der Prozess geht nun in die nächste Runde. R. muss jetzt sogar damit rechnen, die schon angefallenen Anwaltshonorare nachträglich zu erstatten.

"Gerichtsverfahren in solchen Haftungsfällen entwickeln so eine ganz eigene Dynamik", sagt Roland Erne. "Hinzu kommt, dass die Rechtslage meist kompliziert ist, weil stets von neuem auszuloten ist, in welchem Umfang unternehmerische Entscheidungen justiziabel sind", so der Anwalt weiter. "Das öffnet den Versicherern viele Hintertüren", sagt Erne.

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