Prokon
Anleger ziehen mehr als 200 Millionen Euro ab

Prokon kämpft ums Überleben: Der Windparkbetreiber ruft Anleger auf, ihr Geld im Unternehmen zu lassen. Der Appell bewirkt offenbar das Gegenteil. Anleger flüchten reihenweise. Dem stehen nur kleine Erfolge gegenüber.
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DüsseldorfDie Zahl der Kündigungen beim Windparkbetreiber Prokon ist erneut gestiegen. Am Mittwochmorgen hätten die Inhaber von Genussrechten 202,38 Millionen Euro zurückgefordert, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Am Wochenende hatte Prokon die Höhe des gekündigten Kapitals noch auf 150 Millionen Euro beziffert.

Dem Unternehmen aus Itzehoe droht nach eigenem Bekunden die Insolvenz. Firmengründer Carsten Rodbertus hatte in einem am Samstag veröffentlichten Schreiben vor einer Pleite gewarnt, falls sich ein Großteil der Anleger nicht dazu bereit erklärt, dem Unternehmen weiter Geld zur Verfügung zu stellen.

„Sollte es uns gemeinsam mit Ihnen, unseren Anlegern, nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten“, hieß es in dem Brief.

Prokon hat eigenen Angaben zufolge knapp 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten bei 75.296 Anlegern eingesammelt. Für die Genussrechte mit einem Zins von sechs bis acht Prozent hatte die Firma massiv geworben. Die Papiere sichern einen Anteil am Gewinn – im Falle einer Insolvenz sind Genussrechteinhaber allerdings schlechter gestellt als andere Gläubiger.

Verbraucherschützer kritisieren, dass das Unternehmen nicht genug erwirtschaftet, um die versprochenen Zinsen an seine Anleger auszuzahlen. Aus einer „Zwischenbilanz“ per Ende Oktober geht hervor, dass bei Prokon insgesamt Verluste in Höhe von 210 Millionen Euro aufgelaufen sind, während an die Anleger 330 Millionen Euro Zinsen gezahlt wurden.

Wenn das Unternehmen nun auch noch Millionen an Anleger zurückzahlen muss, die ihre Genussrechte kündigen, kann das die Lage zusätzlich verschärfen. Im vergangenen Jahr sind schon 130 Millionen Euro ausgezahlt worden. „Es ist absehbar, dass wir die Zahlungen in dieser Höhe nicht fristgerecht leisten können“, schrieb Rodbertus.

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  • Ant-IPod
    (!) Was Prokon irgendwann irgendwie kalkuliert hat, interessiert absolut niemanden, wenn die Firma sich VERKALKULIERT hat und INSOLVENT wird.
    (2) Wenn eine Firma langfristige Investments kurzfristig gegenfinanziert, begeht sie einen KARDINALFEHLER. Den gleichen Fall gab es schon einmal bei der DEPFA einer Tochter der HypoRealEstate, die mit 100Mrd. abgewickelt wurde. Also, wenn ein Windpark 20 Jahre laufen soll, dann sollte er auch auf 20 jahre finanziert sein und eine Pay out Quote von ca. 11% pro Jahr haben. Alles andere ist MIST.
    (3) Meine Berechnungen sind beispielhaft, aber mit realitätsnahen Zahlen kalkuliert, d. h. wenn eine Anlage 10 Jahre alt ist, wird ein Erwerber nicht mehr als das 4 fache der bisherigen Durchschnittserträge zahlen. Wenn eine Anlage nagelneu ist, dann wird man in etwa 25% der zu erwartenden Erträge für die gesamten 20 Jahe bieten.
    (4) Bezeichnend ist, dass die Fa. Prokon bisher nicht in der Lage war eine ordentliche Bilanz für 2012 abzuliefern.
    (5) Alle thematisieren immer die bisherigen Investitionskosten. Wie hoch ist der Anteil der Verwaltungs-, Genehmigungs-, Vertriebs-, Wartungs- und sonstiger Kosten an den bisherigen Investitionskosten zuzüglich realisierter Einnahmen?

    Ich bleibe dabei, wenn die Anleger etwa 50% zurückbekommen, wäre das ein sehr guter Wert. Allerdings wird man den genauen Wert erst nach Abschluss der Insolvenz kennen. Dieser Fall ist typisch:
    1. Phase: Wir haben lösbare Probleme,
    2. Ph.: Niemand darf Geld holen, ansonsten Planinsolvenz,
    3. P.: Planinsolvenz,
    4. Weiterführung scheitert an den Gläubigern (zuviele Genusscheininhaber),
    5.P.: Abwicklung mit Zwangsauflösung
    6. Heulen und Zähneklappern und Verschwörungstheorien
    (Das Konzept war so gut, dass die Großkonzerne es scheitern ließen, wobei einfach nur Geld in der Kasse fehlte und keine Geschäftsbeziehung mit Konzernen vorh. ist/war)

  • Ähnliches ist bei den offenen Immoblienfonds zur Finanzkrise passiert. Einige werden abgewickelt. Missbrauch der Anlageform für kurzfistige Geldanlage institutioneller Anleger. Dies wollten um jeden Preis ihr Geld zurück.
    Jetzt werden die Immobilen zu Preisen von 20-30% unter Gutachten verschleudert. Oder waren die Gutachten zu gut?

  • Ihre Aussage unterstellt allerdings einiges, dass nicht nachvollzogen werden kann:
    1. Warum sollten derzeit neue Windkraftanlagen mit bis zu 20 Jahren Absatzgarantie keinen guten Preis erbringen?
    2. Warum unterstellen Sie, PROKON hätte die Rückbaukosten nach der Laufzeit nicht einberechnet?
    3. Warum sollte das Biodieselgeschäft tot sein, wenn es eine staatliche Beimischungspflicht gibt?
    4. Inwiefern hängt PROKON am Tropf des Steuerzahlers??? EEG-Umlage ist keine Steuer, sondern eine Verbrauchsabhängige Abgabe und das ist nicht dasselbe.
    5. Da es eine Abnahmegarantie für Windenergie gibt, lassen sich die Einnahmen und die Gewinne relativ präzise voraus berechnen - deswegen gibt es bei Windanlagen so genannte Standortanalysen. Selbstverständlich müssen die Zinsen aus den Gewinnen zurückbezahlt werden und genau so hat PROKON kalkuliert - wie kommen Sie darauf, es sei anders?
    Diese langfristigen Geschäfte sind bewusst mit einer Rendite von ca. 6-8% am Markt um mit den Aktiengewinnen in vergleichbaren Zeiträumen konkurrieren zu können. Damit wird politisch gesteuert, wohin Investitionen fließen sollen und deswegen gibt es ja das EEG.

    Unter dem Strich wird durch die Panikmache ein eigentlich funktionierendes Geschäftsmodell kaputt gemacht, denn kein Unternehmen dieser Größe kann mal eben so hohe Summen stemmen, ohne krasse Beeinträchtigung der Liquidität.

    PROKON könnte allerdings einmal darlegen, warum es beim ausgewiesenen Anlagevermögen die Genussrechtsinhaber nicht mit Bankdarlehen auszahlt, um die Insolvenz zu vermeiden. Wenn ihre Zahlen stimmen, dann müssten sich in der derzeitigen Lage die Banken darum reißen, ein solides Investment zu finanzieren.
    Klar, es wäre ein Bruch der Firmenphilosophie - aber erstens nur vorübergehend und zweitens immer noch besser als Insolvenz.

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