Prokon gegen EnBW
Anleger im Zwiespalt

Die 75.000 Anleger des insolventen Windparkkonzerns Prokon müssen sich jetzt festlegen: Wollen sie die Windparks als Genossen weiterführen? Oder einem Verkauf an den Versorger EnBW zustimmen? Was zu bedenken ist.
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DüsseldorfEs sind nur noch wenige Tage Zeit. Die 75.000 Anleger des insolventen Windparkbetreibers Prokon müssen sich jetzt erklären. Wollen Sie als Genossen am Unternehmen beteiligt bleiben? Dann muss der Insolvenzverwalter bis Freitag, 26. Juni ihre verbindliche Zustimmung in Händen haben. Oder wollen sie ein Angebot des Energieversorgers EnBW annehmen, der Prokon kaufen und den Anlegern einen Teil ihres Einsatzes sofort in bar ausbezahlen will? Dann stimmen sie auf der Gläubigerversammlung am 2. Juli für dieses Modell.

Tausende Anleger, allen voran der Anlegerverein „Freunde von Prokon“ möchten Prokon weiterführen. Andere aber wollen nach dem Drama der letzten zwei Jahre nichts mehr mit Prokon zu tun haben. Vor allem die Älteren wollen Kasse machen. Hans-Heinrich Bade etwa ist 77 und ist eigentlich für das Genossenschaftsmodell. Doch er fürchtet, dass er bald Bargeld braucht, falls er und seine Frau ins Heim umziehen müssen. Soll er nicht doch lieber für den Verkauf von Prokon an EnBW stimmen? Es ist ähnlich wie bei einer Erbengemeinschaft. Ein paar Erben möchten das Haus im Familienbesitz lassen. Die anderen aber möchten es lieber verkaufen und Cash sehen.

Um im Bild zu bleiben: Bei Prokon gibt es einen Weg, das Haus zu behalten und die anderen, die lieber nichts mehr mit Prokon zu tun haben möchten, auszubezahlen. Denn zu Prokon gehört nicht nur das Kerngeschäft mit den Windparks. Firmengründer Rodbertus hat auch viel Anlegergeld als Kredit in ein Holzpalettenwerk, HIT Torgau gesteckt. Das Palettenwerk im sächsischen Torgau wiederum hat in rumänische Wälder investiert. Und es sind sonst noch ein paar Werte da. Knapp 270 Millionen Euro sind all diese Randgeschäfte und Forderungen wert.

So als würde zu einem Erbe nicht nur das Haus gehören, sondern auch noch weitere Liegenschaften. Allen steht das gleiche zu. Es müssen jedoch genügend Erben bereit sein, das Haus zu übernehmen, dann können sie mit dem Erlös der übrigen Liegenschaften die anderen Erben ausbezahlen.

In Zahlen sieht das bei Prokon so aus: 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital haben die Prokonanleger ursprünglich in den Windparkbetreiber investiert. Für 660 Millionen Euro aus dem gezeichneten Genussrechtskapital muss der Insolvenzverwalter eine verbindliche Zustimmung der Anleger haben, dass sie Genossen werden möchten und damit einen Teil ihrer Insolvenz-Quote im Unternehmen lassen wollen. Dann würden die Erlöse aus den Randgeschäften reichen, um die übrigen Gläubiger auszubezahlen.

Anleger Bade war zunächst geneigt, für den Verkauf von Prokon an EnBW zu stimmen. Bargeld lacht. Sollte EnBW Prokon kaufen und die Anleger sofort ausbezahlen, sehen sie noch in diesem Jahr 34,1 Prozent ihres Einsatzes wieder. Hans-Heinrich Bade hat 20 000 Euro investiert. Er bekäme sofort 6820 Euro ausbezahlt. Der Rest seiner Quote, 18,1 Prozent, käme aus den Randgeschäften. Es wird ein paar Jahre dauern, bis alles abgewickelt ist. Er würde dann etappenweise weitere 18,1 Prozent oder 3620 Euro zugewiesen bekommen.

Kommentare zu " Prokon gegen EnBW: Anleger im Zwiespalt"

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  • Ich weis gar nicht, was ENBW mit dieser Pleitefirma Prokon will. ENBW soll lieber zur Besinnung kommen und ihre Geschäfte im Ausland auf- bzw. ausbauen. Mit der Energiewende = EEG ist marktwirtschtlich kein positives Ergebnis mehr zu erzielen. Und ewig wird der Staat die EEG-Subventionstöpfe nicht offen halten können. Fällt das EEG, dann fällte die ganze markfreindliche EE-Blase in sich zusammen. Und das wird kommen!

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