Prokon-Gründer
Das Ende eines Gurus

Jahrelang zog Carsten Rodbertus mit einem windigen Geschäftsmodell für Ökostrom durch die Lande. Nun hat Prokon Insolvenz angemeldet. Die Verantwortung trägt ein schillernder Weltverbesserer, den seine Jünger anhimmeln.
  • 17

DüsseldorfDie Prokon-Veranstaltung gleicht einem spirituellen Treffen. Im ersten Stock eines Wiesbadener Hotels sitzen rund 150 Personen und lauschen gebannt dem Mann mit den langen, grauen Haaren, geflochten zu einem langen Zopf.

Der Redner predigt seine ganz eigene Form der Spiritualität. Sie gründet auf grünen Energien und hohen Renditen. Mit ruhiger Stimme verspricht er eine sichere Anlage, eine Alternative zu den Banken, eine grüne Zukunftsvision. Das war vor rund zwei Jahren.

Der Redner damals: Carsten Rodbertus, Gründer und Inhaber des Windanlagen-Finanzierers Prokon und passionierter Barfußläufer. Mit rotem Hemd, schwarzem Jackett und Jeans präsentierte er sich als Gegenentwurf zu gierigen Banken und großen Konzernen. Er sah aus wie ein in die Jahre gekommener Hippie. Wie einer, dem man sein Geld guten Gewissens anvertrauen konnte. Er wirkte nicht wie jemand, der dieses Geld irgendwann nicht mehr zurückzahlen könnte.

Doch genau dieses Szenario ist eingetreten: Prokon hat am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Die Anleger bangen um knapp 1,4 Milliarden Euro, die sie in das Unternehmen aus Itzehoe investiert haben. Besonders Kleinanleger sind betroffen, sie halten den Großteil der sogenannten Genussrechte des Konzerns.

Es gehörte zum Weltbild ihres Gurus Rodbertus, das ein Unternehmen ohne böse Banker und Börsenzocker gedeihen sollte. Die kleinen Männer und Frauen sollten den Traum von der grünen Energie in Eigenregie finanzieren. Die Folge war eine ungesunde Kreditstruktur, über die sich Finanzprofis nur wundern konnten.

Das Amtsgericht Itzehoe machte jetzt erst einmal Schluss mit allen Träumen von der bürgerfinanzierten Energiewende und leitete gestern im nüchternen Amtsdeutsch das Insolvenzeröffnungsverfahren ein: „Maßnahmen der Zwangsvollstreckung einschließlich der Vollziehung eines Arrestes oder einer einstweiligen Verfügung gegen den Schuldner werden untersagt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind“, erklärt das Gericht. „Bereits begonnene Maßnahmen werden einstweilen eingestellt“.

Kommentare zu " Prokon-Gründer: Das Ende eines Gurus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ HofmannM

    Da liegen sie ein wenig daneben. Nicht die Energiekonzerne haben dafür gesorgt, sondern die "Aufsichtsbehörde" hat die beantragten Preiserhöhungen der Energiekonzerne gebremmst. Wenn es nämlich nach den Energiekonzernen (Eon & Co) gegangen wäre, dann würde die kWh schon bei einem Euro liegen ;-)

    Aber das ist ein anderes Thema...

  • Die "bösen Medien" haben wohl mit dazu beigetragen, dass noch mehr Menschen um ihr sauerverdientes Geld gebracht wurden.

  • Da haben wir sie doch wieder - die Geldgier der Ökokapitalisten. Man muss es auch mal positiv sehen, die Insolvenz schont evtl. den Geldbeutel der kleinen Stromkunden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%