Prokon-Pleite: Die Finanzaufsicht schaute tatenlos zu

Prokon-Pleite
Die Finanzaufsicht schaute tatenlos zu

Prokon hat die Finanzaufsicht Bafin bereits vor fünf Jahren über Probleme bei seinen Fonds informiert. Dies geht aus einem Briefwechsel hervor, der der Digitalzeitung Handelsblatt Live vorliegt.
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DüsseldorfDie Finanzaufsicht Bafin war bereits fünf Jahre vor der Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon darüber informiert, dass das Unternehmen 2009 dringend frisches Geld einsammeln musste, um damit alte Anleger auszuzahlen. Das belegt ein Briefwechsel zwischen Prokon und der Bafin von Ende 2008 und Anfang 2009, der der Digitalzeitung Handelsblatt Live (Dienstagausgabe) vorliegt.

Prokon hatte seine Windparks zunächst mit Hilfe geschlossener Fonds finanziert und den Anlegern dieser Fonds feste Ausschüttungen für jedes Jahr zugesichert - unabhängig von der jeweiligen Ertragslage der Fonds. Das sei ein bankähnliches Geschäft, monierte die Bafin damals schriftlich und verlangte die Auflösung der alten Fonds. Doch Prokon fehlte das Geld für die Auszahlung der Kommanditisten.

So teilte das Unternehmen der Finanzaufsicht beispielsweise zur finanziellen Lage des Fonds Energy III mit, dass dessen Eigenkapital negativ und die Windparks an die Banken verpfändet seien. „Vor diesem Hintergrund besteht für die Gesellschaft derzeit nicht die Möglichkeit, das Eigenkapital an die Kommanditisten durch die Aufnahme neuer Kredite und Beleihungen von Vermögenswerten zurückzuzahlen“, heißt es in einem Schreiben von Prokon. Das Unternehmen bat die Aufsicht deshalb um sechs Monate Aufschub.

Der Kapitalmarktexperte Peter Mattil urteilt: „Dieser Briefwechsel belegt nicht nur, mit welch unseriösen Methoden Prokon gearbeitet hat. Er ist auch ein Beleg für das Versagen der Bafin.“ Die Finanzaufsicht teilt auf Anfrage mit, ihr seien „von Gesetzes wegen die Hände gebunden“, solange keine erlaubnispflichtigen Geschäfte betrieben werden. Dies gelte für alle Produkte des grauen Kapitalmarkts. Also auch für Genussrechte. Rechtsanwalt Mattil hingegen ist überzeugt: „Die Bafin hätte ihren Spielraum ganz anders nutzen können.“

Den gesamten Text über den Prokon-Skandal und die Rolle der Bafin erhalten Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

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  • Gibt es bei Genussrechten eigentlich keine Prüfungspflichten wie bei anderen Wirtschaftsunternehmen; Eine Mittelverwendungskontrolle? Selbst als Versicherungsmakler muss man bei Verkauf von Investmentanteilen, z. B. Fonds einer Bank viel Geld für eine Prüfung ausgeben. Obwohl!! Man kein Geld des Kunden in die Hand bekommt und somit gar nichts veruntreuen kann. Prüfen tut ein Wirtschaftsprüfer ( Steuerberater reichte bis vor kurzem jedenfalls, nicht) eigener Wahl, vorgelegt wird es dem Gewerbeamt. Und wenn man keine Zulassung mit Prüfungszertifikat der Industrie - und Handelskammer hat ,darf man nicht mal beraten. Ja, Industrie- und H. Kammer.

  • Da hilft keine noch so gewaltige und smarte Agitprop oder Desinformationskampagne, wie sie üblicherweise von der INSM initiiert wird. Fakt ist, dass wir heute in Deutschland hinter dem Tarnmantel der Neuen Sozialen Marktwirtschaft exakt jene Finanzspekulations-, -anlagenbetrugs-, Steuergestaltungs-, -vermeidungs-, -hinterziehungs-, Subventions- und Geldwäsche- sowie Steuerstoßbetrugskriminalitätswirtschaft etabliert haben, die zur real-existierenden Geldwirtschaftsdiktatur geworden ist. Dass die amtierenden Politelit’arier‘ in unseren Parlamenten heute exakt die Volksvertreterphilosophie vertreten, wie die Mitglieder der Volkskammer in der früheren DDR oder des Volkskongresses in der heutigen VR China, dürfte wohl langsam selbst den naivsten unter uns aufgehen. Der „Laden“ Deutschland ist schon längst vor die Wand gefahren und lebt nur noch vom Restkapital, welches von den kriminellen Eliten dieses Landes noch nicht auf die Seite gebracht worden ist.

  • @ Mazi
    Sie sind ein hoffnungsloser Fall, wenn Sie erwarten, dass dieser Staat irgendetwas Wirksames zum Schutz von Otto Sparzwang unternimmt. Die Prokon-Pleite verursacht doch gar keinen Schaden. Die Windparks wandern aus den Händen der Kleinanleger in die der Starken. Der eine verliert und der andere gewinnt dabei. Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer und voraussichtlich einer, der darauf mehr Steuern bezahlt. Im Sinne des Staates ist doch somit alles bestens.
    Die Prokon-Pleite kommt auch genau zur richtigen Zeit. Die zurückliegenden Jahre waren statistisch ausgesprochen windschwach und deshalb wird man den Windparks von Prokon eine geringe Wirtschaftlichkeit bescheinigen und sie für’n Appel und ’n Ei den Besitzer wechseln.
    So spart man heute!

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