Prokon wird Genossenschaft
Insolvente Windkraftfirma steht vor der Umwandlung

Nach dem Votum der Gläubiger, den insolventen Windparkbetreiber Prokon als Genossenschaft weiterzuführen, steht die Umwandlung unmittelbar bevor. Die künftige Regenerative Energien eG wird über 37.000 Mitglieder haben.
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HamburgDie Umwandlung der insolventen Windkraftfirma Prokon in eine Genossenschaft steht unmittelbar bevor. Voraussichtlich mit Ablauf des 31. Juli könne das Insolvenzverfahren aufgehoben werden, teilte der Insolvenzverwalter am Mittwoch in Hamburg mit. Die künftige Genossenschaft mit mehr als 37.000 Mitgliedern werde als Prokon Regenerative Energien eG firmieren.

Die Genossenschaft soll demnach künftig von einer Doppelspitze geführt werden: Kai Peppmeier, der schon während des Insolvenzverfahrens Geschäftsführer bei Prokon war, werde die Geschäfte zusammen mit Andreas Knaup führen, teilte der Insolvenzverwalter weiter mit.

Prokon plant und betreibt Windparks im Auftrag von Investoren. Das Unternehmen war im Januar 2014 in die Insolvenz gerutscht. Es hatte sich durch den Verkauf sogenannter Genussrechte im Wert von 1,4 Milliarden Euro an 75.000 private Anleger auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt finanziert. Weil die Anleger mit der Gefahr eines Totalverlusts konfrontiert wurden, zog der Fall große Aufmerksamkeit auf sich. Der Bundestag verabschiedete - als Reaktion auch auf die Prokon-Pleite - neue Regeln für einen besseren Schutz von privaten Anlegern.

Anfang Juli hatten die Prokon-Gläubiger sich dafür ausgesprochen, das Unternehmen als Genossenschaft weiterzuführen. Die Alternative wäre eine Übernahme durch den Energiekonzern EnBW gewesen.

Die Genussschein-Inhaber werden nun zu Genossenschaftsmitgliedern und können einen Teil ihrer Genussrechtsforderungen in Mitgliedsrechte an der Genossenschaft umwandeln. Nach der Kalkulation des Insolvenzverwalters erhalten sie insgesamt - wenn auch nicht sofort - knapp 58 Prozent ihrer Forderungen wieder.

Die meisten Genussrechtsinhaber erhalten darüber hinaus das Recht, Prokon-Anleihen zu einem bestimmten Zinssatz zu erwerben. Die Papiere sollen künftig an der Börse gehandelt werden. Hätte EnBW Prokon gekauft, hätten die Genussschein-Inhaber prozentual etwas weniger zurückbekommen, dafür aber die ganze Summe auf einen Schlag.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Hallo,
    leider stimmen die Infos über EnBW nicht.
    Die Auszahlung sollte nicht auf einen Schlag erfolgen.
    34,1 % der Summe sollten direkt erfolgen, 18,1 % sollten ausgezahlt werden, wenn entsprechende Darlehen getilgt und Vermögensgegenstände gezahlt wurden (dauert wahrscheinlich mehrere Jahre)
    Die Summe der EnBW ist übrigens um 6% niedriger...
    VG

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