Prozess um Adlon-Fonds Milliardenforderung gegen Signal Iduna

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Erste Zeugen warfen Fragen auf
Die Signal Iduna hatte sich an dem Jagdfeld-Fonds beteiligt, der Bau und Betrieb des Adlon finanzieren sollte. Quelle: Reuters
Hotel Adlon in Berlin

Die Signal Iduna hatte sich an dem Jagdfeld-Fonds beteiligt, der Bau und Betrieb des Adlon finanzieren sollte.

(Foto: Reuters)

Bisher wurden sowohl Mitglieder der Signal Iduna als auch Anleger des Adlon-Fonds befragt. Wie es scheint, wurden die Vorgänge um die Adlon-Beteiligung damals innerhalb der Versicherung nicht groß kommuniziert.

Der jetzige Pressesprecher der Iduna, Edzard Bennmann, sagte am Donnerstag aus, dass er von der Strafanzeige gegen Jagdfeld wegen Untreue erst durch eine Presseanfrage aus dem Jahr 2014 erfahren habe. Gestellt wurde sie schon drei Jahre zuvor – angeblich mit der Zustimmung des Vorstands, so steht es in einer E-Mail, die Fritsch damals von einem Prokuristen erhielt.

Klaus Sticker, der bis Juni 2014 Vorstandsmitglied der Iduna war, erklärte am Donnerstag, dass über eine Strafanzeige gegen Jagdfeld und den Beitritt in eine Schutzgemeinschaft in den Vorstandsversammlungen kaum gesprochen wurde. Es gebe Protokolle über alle wöchentlichen Besprechungen und monatlichen Versammlungen des Vorstands. Wenn darüber gesprochen worden wäre, müsse das da drinstehen, so Sticker. Dokumente konnte er nicht vorlegen.

Auch von Briefen Jagdfelds an den damaligen Vorstandsvorsitzenden Reinhold Schulte und den jetzigen Vorsitzenden Leitermann, in denen sich der Fondsunternehmer nach einer Strafanzeige erkundigt haben will, hörte Sticker nach eigener Aussage vor Gericht zum ersten Mal.

Schulte sitzt heute im Aufsichtsrat. In dieser Funktion ist er dafür zuständig, die Geschäftsleitung zu überwachen – darunter jene Entscheidungen, die er als früherer Vorstandschef selbst verantwortet hat. Er muss am Donnerstag vor Gericht erscheinen.

Der frühere Konzernrechtler und heutige Rentner Klaus M. erinnerte sich in der vergangenen Woche wenig zur Causa Jagdfeld: Ob der Vertrag zum Beitritt in die Schutzgemeinschaft rechtlich überprüft wurde? Wusste er nicht. Was die Motivation der Iduna für einen Beitritt in die Schutzgemeinschaft war? Wusste er auch nicht. Von der Beauftragung Fritschs mit einer Strafanzeige gegen Jagdfeld? Hatte er nie gehört.

Doch Richter Pawel weist alle Zeugen während der Verhandlung mehrfach darauf hin: „Wir sind hier nicht in der Schule. Wenn sich jemand nicht erinnern kann, dann ist das die Wahrheit.“

Neben dem „Nichtwissen“ oder „Nicht-Erinnern“ vieler Zeugen gibt es eine weitere Gemeinsamkeit. Alle Aussagen weisen auf eine tragende Rolle des damaligen Bereichsleiters für Beteiligungen und seinen Mitarbeiter hin: den heutigen Vorstandschef Ulrich Leitermann und Klaus-Dietrich Schrepp, den inzwischen pensionierten Prokuristen. So sollen die beiden die Beitrittserklärung zur Schutzgemeinschaft unterschrieben und die Strafanzeige in Auftrag gegeben haben – ohne Vorstandsbeschluss. Viele der Gesellschafterbeschlüsse des Adlon-Fonds wurden für die Beteiligung der Signal Iduna in Namen Schrepps und Leitermanns gezeichnet.

Vor allem die als Zeugen geladenen, zum Teil ehemaligen Adlon-Anleger, schrieben Jagdfeld am Mittwoch eine Mitschuld an den Geschehnissen zu: So habe erst Jagdfelds Entscheidung, im Namen des Adlon-Fonds auf Pachtzahlungen zu verzichten, das Verwaltungsratsmitglied Heinz W. dazu getrieben, den Anwalt Fritsch einzuschalten. Jagdfelds Anwälte behaupten, W. sei von Fritsch erpresst worden – doch W. bestritt das vehement.

Prokurist Klaus-Dietrich Schrepp wurde bereits am ersten Tag der Beweisaufnahme verhört – mehr als sechs Stunden lang. Als das Gericht die Sitzung am Dienstagabend schloss, meldeten Jagdfelds Anwälte fast 40 weitere Fragen für einen weiteren Termin an. Sie vermuten ein engeres Verhältnis zwischen Schrepp und Fritsch, als dieser zugibt.

Schrepp bestritt einen regelmäßigen Kontakt mit Fritsch und beteuerte, er habe „höchstens zehnmal“ Kontakt mit dem inzwischen verstorbenen Anwalt gehabt. Am Mittwoch soll er erneut vor Gericht erscheinen.

Auch Vorstandschef Leitermann will der Richter offenbar eindringlich befragen. Am Donnerstag kündigte Pawel an, dass die vorgesehenen drei Stunden für Leitermanns Aussage wohl knapp werden könnten.

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1 Kommentar zu "Prozess um Adlon-Fonds: Milliardenforderung gegen Signal Iduna"

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  • ist mir völlig schnuppe

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