Prozess um Adlon-Fonds Milliardenforderung gegen Signal Iduna

Am vierten Tag der Beweisaufnahme im Prozess Jagdfeld gegen Signal Iduna stehen drei Vorstandsmitglieder der Versicherung vor Gericht.
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Vor Gericht streitet „Mr. Adlon“ mit der Signal Iduna um sein Lebenswerk. Er fordert eine Milliarde Euro.
Anno August Jagdfeld

Vor Gericht streitet „Mr. Adlon“ mit der Signal Iduna um sein Lebenswerk. Er fordert eine Milliarde Euro.

Dortmund/DüsseldorfAm Dienstag dürfte es wieder deutlich voller werden in Saal 101 des Dortmunder Landgerichts als zuletzt. Im Prozess Anno August Jagdfeld gegen die Signal Iduna wurden in der vergangenen Woche schon insgesamt sieben Zeugen gehört. Darunter auch ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Versicherung.

Große Aufmerksamkeit erfuhr der Fall vor allem zum Auftakt: Da gab Jagdfeld die Forderung von einer Milliarde Euro bekannt. Nun werden drei weitere Zeugen befragt: zwei Vorstandsmitglieder und der jetzige Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna, Ulrich Leitermann.

Der Prozess Anno August Jagdfeld gegen die Signal Iduna läuft schon seit mehr als drei Jahren. Der Immobilienunternehmer wirft der Versicherung vor, eine Rufmordkampagne gegen ihn initiiert zu haben. Mithilfe des mittlerweile verstorbenen Rechtsanwalts Thomas Fritsch soll die Iduna Jagdfeld öffentlich als Veruntreuer dargestellt haben, um ihn als Geschäftsführer des Adlon-Fonds abzusetzen. Selbst eine Strafanzeige ließ die Signal Iduna stellen. Erfolglos.

Auch der Versuch, Jagdfeld 2011 als Geschäftsführer abzuwählen, scheiterte: Am Ende entschieden sich die meisten Anleger trotz der Vorwürfe für Jagdfeld – und gegen seine Absetzung.

Leitermann war zum Zeitpunkt dieser Vorgänge Bereichsleiter für Beteiligungen und Mitglied im Vorstand. Der gelernte Bankkaufmann absolvierte ein BWL-Studium und stieß 1997 zur Iduna. Seit Juli 2013 ist er Vorstandschef.

Unter seiner Leitung hatte die Abteilung für Beteiligungen seinerzeit fünf Millionen Euro in den Adlon-Fonds von Jagdfelds Fondsunternehmen Fundus investiert. Insgesamt sammelte Jagdfeld mehr als 220 Millionen Euro von Anlegern ein, um das legendäre Berliner Hotel Adlon in den Neunzigern wiederaufzubauen. 135 Millionen Euro kamen als Kredit hinzu.

Die prognostizierten Ausschüttungen fielen nicht aus wie erwartet. Im Laufe der Zeit traf Jagdfeld zudem einige Entscheidungen, die einigen Anlegern missfielen. So stundete er in ihrem Namen Mietzahlungen – zum Vorteil einer familieneigenen Gesellschaft. Diese Entscheidung ließ er sich erst nachträglich von den Anlegern bestätigen.

Es sei beim Adlon-Fonds nie vorrangig um die Rendite gegangen, sagt Jagdfeld heute. Schon bei Auflage des Fonds urteilte der Börsenbrief „Platow“ 1994, die Beteiligung sei lediglich etwas „für vermögende Liebhaber, denen monetäre Aspekte weitgehend egal sind und deren robuste Gesundheit eine 50-Jahre-Perspektive ermöglicht“.

Nach dem Pachtzinsverzicht fassten rund 200 Anleger mit der Signal Iduna den Entschluss, gemeinsam gegen Jagdfeld vorzugehen. Sie engagierten sich in einer Schutzgemeinschaft mit Thomas Fritsch an der Spitze, um sie gegen Jagdfeld zu vertreten.

Vor dem Dortmunder Landgericht behaupten Jagdfelds Anwälte, hier sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen: So sollen Fritsch und die Schutzgemeinschaft alleiniges Werkzeug der Signal Iduna gewesen sein, um Jagdfeld abzusetzen. Unsinn, sagt die Versicherung.

Die Signal Iduna habe mit dem Beitritt zur Schutzgemeinschaft Anwaltskosten sparen wollen, erklärte der erste Zeuge und frühere Prokurist Klaus-Dietrich Schrepp am vergangenen Dienstag. Es habe sich dabei aber um einen einmaligen Vorgang gehandelt, soweit er sich erinnern könne.

Im Auftrag der Schutzgemeinschaft hatte Fritsch damals in der Presse heftig gegen Jagdfeld gekeilt. So warf er dem Unternehmer vor „Untreue vor laufender Kamera“ zu begehen. Und drohte sogar „Jagdfeld und seine Entourage“ entsorgen zu wollen, lobte ein „Jagdfeld-freies Adlon“ als Ziel aus.

Doch vom Vorwurf der Untreue, den Fritsch 2011 in einer Strafanzeige geltend machte, sprach das Kölner Oberlandesgericht Jagdfeld später frei. Es kam nicht zur Verhandlung. Der Anwalt musste einige seiner Aussagen öffentlich widerrufen.

Deshalb steht die Signal Iduna heute vor Gericht: Jagdfeld argumentiert, dass Fritschs Feldzug ihn damals nicht nur den Ruf, sondern auch sein Vermögen gekostet habe. Er will eine Milliarde Euro von der Versicherung. Ob sich die Iduna Fritschs Aussagen anrechnen lassen muss, will Richter Willi Pawel in der sechstägigen Beweisaufnahme prüfen. Vorstandschef Leitermann macht seine Aussage zur Halbzeit. Viele Fragen sind immer noch offen.

Erste Zeugen warfen Fragen auf
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  • ist mir völlig schnuppe

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