Prozess vor Düsseldorfer Landgericht
Keine Gewinne, Verdacht auf geschönte Bilanzen

9000 Opfer, 90 Millionen Euro Schaden: Mit einem riesigen Schneeball-System soll Jürgen Schlögel Anleger der Düsseldorfer DM Beteiligungen AG betrogen haben. Auch sein Steuerberater ist angeklagt.

DüsseldorfMit seiner ruhigen, dunklen Stimme klingt Michael Gronemeyer ein bisschen wie der liebe Märchenonkel, der seinem Neffen eine Geschichte vorliest. Allein: Was der Leverkusener da am vergangenen Dienstag vor dem Düsseldorfer Landgericht erzählte, klingt nach allem, aber keinem Märchen. Es geht um mutmaßlichen Betrug. Um 90 Millionen Euro. Um 9.000 Anleger. Sie alle hatten zwischen 2001 und 2006 in sogenannte Inhaberteilschuldverschreibungen der Düsseldorfer DM Beteiligungen AG investiert. Ein Fehler.

Die Wertpapiere funktionierten so ähnlich wie Unternehmensanleihen. Wer der DM Beteiligungen AG sein Geld lieh, sollte es zuzüglich eines jährlichen Zinssatzes von bis zu sieben Prozent nach ein paar Jahren wieder zurückbekommen. Der Haken: „Mit Inhaberteilschuldverschreibungen sind große Risiken verbunden. Geht das Unternehmen in die Insolvenz, kann der Anleger sein ganzes Geld verlieren“, sagt der Finanzexperte Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. „Solche Wertpapiere sind unserer Meinung nach höchstens für professionelle Anleger geeignet. Unerfahrene Privatanleger sollten da lieber die Finger von lassen.“
9000 Anleger ließen die Finger nicht davon. Nun ist aus ihrem Anlagemodell ein Fall für die Justiz geworden.

Als ehemaliger Vorstand der DM Beteiligungen AG ist Michael Gronemeyer einer von zwei Beschuldigten beim Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht. Doch hauptverantwortlich ist er in den Augen von Staatsanwaltschaft und Gericht nicht. Im Grunde habe Gronemeyer nicht viel mehr gemacht, als die Dokumente unterschrieben, die ihm vorgelegt wurden und habe ansonsten auf Anweisung gehandelt. Deshalb verständigten sich alle Parteien auf eine Strafe von 20 bis 24 Monaten auf Bewährung und über 600 Stunden gemeinnützige Arbeit. Im Gegenzug ließ Gronemeyer sich geständig ein. Er sei vor allem als „Strohmann“ von Jürgen Adolf Schlögel benutzt worden, gibt er zu Protokoll.
Jürgen Adolf Schlögel ist der Gründer der Firma. Dem Anschein nach leitete er sie wohl aus dem Hintergrund, auch wenn Gronemeyer auf dem Papier Vorstand war. Zu den Vorwürfen wollte sich seine Anwältin nicht äußern. Auch Schlögel selbst stehe für Anfragen nicht zur Verfügung. Vermutlich hatten Schlögel und der neben Gronemeyer zweite Beschuldigte beim Düsseldorfer Landgericht, Schlögels Steuerberater, den Plan, mit Inhaberteilschuldverschreibungen Geld zu verdienen, das nie zurückgezahlt werden konnte.

Eigentlich hätte das Geld der Anleger gewinnbringend in andere Unternehmen investiert werden sollen. Doch waren viele dieser Unternehmen nicht rentabel und konnten ohne Fremdkapital durch die DM Beteiligungen AG gar nicht existieren. Eine Anfrage des Handelsblatts zur Rolle des Steuerberaters ließ dessen Anwältin unbeantwortet.

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Anleger sollen mit falschen Zahlen gelockt worden sein

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