Reform der Privatinsolvenz
Schuldenfrei im Nullkommanix?

Ab dem ersten Juli gelten neue Regeln für die Privatinsolvenz. Verbraucher sollen schneller schuldenfrei sein. Wie Unternehmen können auch sie nun einen Insolvenzplan erstellen. Doch die Sache hat einige Haken.
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DüsseldorfSechs bescheidene Jahre, dann ist der Spuk vorbei. Das ist – stark vereinfacht – die Idee bei einer Privatinsolvenz. Doch auch, wenn am Ende die ersehnte Schuldenfreiheit steht, sechs Jahre können ziemlich lang sein. Deshalb will der Gesetzgeber es den Verbrauchern leichter machen. Ab 1. Juli gelten neue Regeln und im Idealfall sind die Schulden schon nach drei Jahren passé. In der Praxis dürften das aber nur wenige Verbraucher schaffen. Experten beschreiben die Voraussetzungen als „utopisch“.

Die Möglichkeit des Neustarts per Privatinsolvenz gibt es in Deutschland schon seit 1999. In den ersten Jahren stieg die Zahl dieser Insolvenzverfahren stetig an und pendelt seit 2006 um die 100.000 pro Jahr. Nach einer Schätzung der Auskunftei Creditreform waren es im ersten Halbjahr 2014 deutlich weniger als im ersten Halbjahr 2013 – 43.800 Verfahren, ein Minus von 4,4 Prozent. „Das könnte damit zusammenhängen, dass einige Schuldner noch bis Juli warten, damit für sie das reformierte Insolvenzrecht gilt“, vermutet Michael Bretz von Creditreform.

Andererseits: Schwankungen sind in der Statistik der Privatinsolvenzen nicht unüblich. Und: Die neue Gesetzeslage bringt für Schuldner längst nicht nur Vorteile. Die Hürde zur Schuldenfreiheit nach drei Jahren ist nach Ansicht von Verbraucherschützern viel zu hoch.

Die Schuldner müssten nicht nur die Verfahrenskosten für Gericht und Insolvenzverwalter zahlen, sondern auch mindestens 35 Prozent der Gläubigerforderungen aufbringen. „In der Vergangenheit konnten Schuldner das in weniger als einem Prozent der Verfahren leisten“, sagt Stefano Buck, Fachanwalt für Insolvenzrecht bei Schultze & Braun. Das Beratungsunternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 10.000 Privatinsolvenzen bearbeitet.

Welche Summe die Schuldner durch die 35-Prozent-Vorgabe berappen müssen, lässt sich einfach berechnen: Wer 30.000 Euro Schulden hat, müsste davon innerhalb von drei Jahren 10.500 Euro zurückzahlen. Bei den Verfahrenskosten ist es komplizierter, sie richten sich nach der Insolvenzmasse. Gibt es nichts zu verteilen, liegen sie üblicherweise bei 1500 bis 2000 Euro. Dieser Betrag ist jedoch umso höher, je mehr verwertbares Vermögen der Insolvenzverwalter findet. „Insgesamt müssten die Schuldner wohl eine Summe von 50 bis 60 Prozent ihrer Schulden auftreiben, teilweise auch mehr“, schätzt Stefanie Laag, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW.

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