Retouren
Kostenlos war gestern

Übereilt etwas bestellt oder online einen Vertrag abgeschlossen? Kein Problem, denn der Kunde hat ein Widerrufsrecht. Bald ist das EU-weit einheitlich geregelt. Für deutsche Käufer bringt es aber nicht nur Vorteile.
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DüsseldorfGröße 36, 38 oder doch lieber 40? Mit den Kleidergrößen ist das so eine Sache, mal fallen Blusen oder Hemden eher groß aus, mal sind sie sehr eng geschnitten. Wer im Internet Kleidung bestellt, kennt dieses Problem. Doch die Lösung ist bisher ganz einfach: Viele Kunden bestellen ihren Wunschartikel gleich in mehreren Varianten und suchen sich dann zu Hause die beste aus.

Diese Einkaufsstrategie ist bequem, könnte bald aber teuer werden. Am 13. Juni tritt die sogenannte Verbraucherrechte-Richtlinie in Kraft. Dann haben Verbraucher in der ganzen Europäischen Union die gleichen Widerrufsrechte bei Fernabsatz- und Haustürgeschäften. Diese gelten immer dann, wenn der Kunde nicht in einem Laden einkauft, sondern beispielsweise online, per Katalog, an der Haustür oder an einem Werbestand.

Was Verbraucher in anderen Ländern freuen wird, bedeutet für die deutschen Kunden zum Teil eine Verschlechterung. „In Deutschland waren die Verbraucher schon recht gut geschützt, deshalb bringen die Neuerungen hierzulande ein paar Nachteile“, sagt Thomas Bradler, Jurist der Verbraucherzentrale NRW. Wer bisher Waren bestellt hat, konnte sie innerhalb von zwei Wochen einfach wieder an den Händler zurückschicken – kostenlos und ohne Begründung. Einzige Bedingung: Der Warenwert musste mindestens 40 Euro betragen. So wollte es der Gesetzgeber, doch manche Händler haben auch bei günstigeren Produkten die Retourenkosten übernommen.

Laut einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (Bevh) gehören Kleidung und Schuhe zu den beliebtesten Produkten, die im Netz bestellt werden. Von dem neuen Gesetz würde daher vor allem die Textilindustrie profitieren – nur in diesem Bereich bestellen Kunden Produkte in mehreren Größen, um sie anzuprobieren und den nicht passenden Rest dann zurückgehen zu lassen. Ab 13. Juni, Punkt Mitternacht, könnten alle Unternehmen ihren Kunden die Rücksendekosten auflasten.

Der größte Onlinehändler, Amazon, nimmt bereits Geld für Rücksendungen – zumindest teilweise. Nur unter drei Bedingungen sind Retouren kostenfrei: bei einem defekten Produkt, bei einem Widerruf innerhalb von zwei Wochen ab einem Produktwert von 40 Euro und bei einer Rückgabe innerhalb der Frist von 30 Tagen. Gewöhnlich belaufen sich die Beträge für die Rückgabe innerhalb Deutschlands in allen anderen Fällen auf 3,50 Euro. An diesen Regeln soll sich nichts ändern, wie der US-Konzern auf Anfrage von Handelsblatt Online bestätigte.

Die großen Textilhändler wollen sogar ganz bei ihren kostenlosen Rücksendungen bleiben. Auf Nachfrage von Handelsblatt Online bestätigten sowohl H&M als auch Esprit und Fashion ID (P&C, Anson’s), dass sie die Kosten für Retouren weiterhin selbst übernehmen. Sie alle verlangen auch bei einem Warenwert unter 40 Euro keine Gebühren.

Kommentare zu " Retouren: Kostenlos war gestern"

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  • Die großen Versandhäuser betrifft das nicht,eher die kleinen Händler,aber da kauft man eh öfters die "Katze im Sack".

  • Kostenfrei? Ja, da die Händler, Hersteller nicht gewillt sind, eine Größe S ist eine Größe S zu verkaufen. Die Größen, nehm,en wir z.B. Schuhe, man hat 44 im Geschäft und beim Händler passen 42-46. Oder Kleidergröße 48 sind beim Händler dann von 24 - 56. Solange dies von den Händler, Hersteller bewußt gewollt ist, müssen die Händler "bluten". Auch bei Nachragen beim telefonischen Kundendienst, was sit besser 54 oder 56 erhält man die Antwort nehmen Sie beide Größen und senden 1x dann zurück. Dies ist vorsätzliche Größenverschleierung zu Lasten der Kunden!

  • Das kann man leicht sagen, das man Rücksendungen kostenfrei lässt, wenn die Paketpreise der großen Versender etwa um die 2 Euro liegen. Wir alle zahlen mit unseren Normalpreisen bei DHL & Co diese mit, oder glaubt jemand im Ernst, dass man ein Paket für 2 Euro durch Deutschland senden kann?
    Statt die Kosten auf die zu Verlegen, die Nutznießer sind, haut man wieder einseitig auf die bösen Händler, die 1. nicht so billig verschicken können und 2. die den bezahlen lassen, der die Kosten verursacht.

    Wir sollten also schon überlegen, wem unsere Solidarität gilt und was unserer Gemeinschaft Unverhältnismäßigkeit wirklich kostet.

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