Riester, Lebenpolicen, Immobilien: Schlechte Altersvorsorge kostet 50 Milliarden

Riester, Lebenpolicen, Immobilien
Schlechte Altersvorsorge kostet 50 Milliarden

Schlechte Beratung bei der Altersvorsorge kommt Verbraucher teuer zu stehen. Besonders betroffen sind Kunden, die eine Riester-Rente oder Lebensversicherung abgeschlossen haben. Auch Immobilienbesitzer zahlen drauf.
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BerlinEine aktuelle Studie lässt private Altersvorsorgesparer aufhorchen. Verbrauchern entsteht bei der privaten Altersvorsorge wegen Falschberatung ein jährlicher Schaden in Höhe von mindestens 50 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens des Bamberger Finanzwissenschaftlers Professor Andreas Oehler, das von der Grünen-Bundestagfraktion in Auftrag gegeben worden war.

Die Sparer seien zwar bereit, sich mit der teils schwierigen Thematik der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen, schreibt Oehler in seiner Untersuchung. „Durch mangelhafte Beratungsqualität und wenig Kundenorientierung sowie aufgrund eines fehlenden systematischen, ganzheitlichen Verbraucherschutzes erleiden Verbraucher zum Teil erhebliche finanzielle Schäden“, resümiert Oehler.

Der Wissenschaftler gibt an, „konservativ“ gerechnet zu haben. Demnach liegt der Schaden bei Riester-Verträgen bei rund einer Milliarde Euro. Diese Produktgruppe habe „große Schwachstellen hinsichtlich Transparenz, Verständlichkeit, Kostenbelastung und Leistungsvermögen gezeigt“. Kunden benötigten bei der Auswahl des passenden Vertrages „spielerisches Glück“. Zudem seien die Förderungsregularien so kompliziert, dass 18 Prozent der geförderten Personen weniger als 50 Prozent der Grundzuschüsse erhalten würden.

Grünen-Politikerin Bärbel Höhn konstatiert: „Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Es ärgert mich, dass die Bundesregierung es nicht schafft, dass schlechte Finanzprodukte besser erkannt werden und schwarzen Schafen schneller das Handwerk gelegt wird.“ Vorsorgesparer sollten sich an Honorarberater wenden. „Das kostet zwar etwas, aber hier bekommt man in der Regel passendere Produkte“, erklärt Höhn. „Die Provision des Bankverkäufers, die man sonst bezahlen muss, ist oft viel höher.“

Die Deutsche Kreditwirtschaft, die alle drei Säulen des Bankensystems vertritt, widerspricht: „Riester-Verträge gehören nach wie vor zu den zentralen Bausteinen einer sinnvollen finanziellen Altersvorsorge. Der Gesetzgeber hat wie bei kaum einem anderen Finanzprodukt dabei Wert auf Kostentransparenz gelegt.“ Die Institute wiesen die Kunden auf alle wichtigen Vertragspunkte wie Kosten oder Gebühren ausdrücklich hin: „Wichtig ist es aber, seine eigenen finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.“

Deutlich höher als bei den Riester-Verträgen sollen laut Studie der Schaden bei privaten Kapitallebens- und Rentenpolicen sein. Hier taxiert die Studie den Schaden auf 16 Milliarden Euro. Diese Verträge stellten „für die überwiegende Zahl der Verbraucher kein sinnvolles Produkt dar“. Die Autoren der Studie sprechen sogar von „hohen finanziellen Risiken“.

Kommentare zu " Riester, Lebenpolicen, Immobilien: Schlechte Altersvorsorge kostet 50 Milliarden "

Alle Kommentare
  • Versicherungsmaklerbureau:

    Danke für Ihren guten Beitrag.
    Ihre Rechnung ist aber für mich nicht ganz leicht zu verstehen. Was heisst nun TER?

    "Produkte zumeist jährliche Kosten zwischen 5 und 12% verursachen"

    Falls dies auf die gesamte Fondssumme berechnet wird, erklärt sich mir nun auch, wieso in meinem Depot jetzt nach genau 2 Börsen-Aufschwungphasen (2003- 2008 und 2009-2013) da gerade etwas weniger drin ist, als bisher eingezahlt wurde.

    Da ist noch nicht mal ein Inflationsausgleich erwirtschaftet worden. Und nun ist sowieso alles in Unirenta umgeschichtet worden!

    Überflüssig zu erwähnen, dass auch um PLZ-Bereich 53xxx die Uni-Profirente von meiner Raiffeisenbank empfohlen wurde!

    Also ich werde den Käse nun zunächst beitragsfrei stellen lassen.

  • Ich denke die Analyse ist bis auf die Einstufung offener Immofonds als grau korrekt.
    Die Vorschlaege gehen jedoch samt und sonders am Ziel vorbei. Es gibt und wird auch nie eine Bank-oder Versicherungsberatung geben. Es handelt sich hier immer um reine Verkaufsgespraeche und das ist auch voellig OK so.
    Es gibt keinen Weg um die eigene finanzielle Bildung herum denn es gibt in der Tat DAS/DIE Produkte fuer DEN Zweck, es gibt und wird aber nie Garantien oder Preissicherheit fuer die Zukunft geben- Regulierungen koennen diese auch nicht liefern oder gar erzwingen.
    Eine Erweiterung der Bemessungsgrundlage ist nur dann denkbar wenn dies im Rahmen einer wesentlich niedrigeren Gesamtbesteuerung geschehen wuerde- was derzeit wohl schwer vorstellbar ist.
    Die besseren Alternativen sind m.E. eine komplette Deregulierung aller Finanzprodukte und deren Verkauf und Kennzeichnung wie Waschmittel oder Zigaretten. Dies eruebrigt jegliche Art von Entschaedigung und nur dies wuerde den Anleger zur Umsicht und zum eigenen Bildungserwerb anspornen.
    Die Schaffung eines oder mehrer nicht spekulativer Immobileninvestitionsvehikels fuer die AV, am besten ein geschlossener BTH Fond ohne Kreditaufnahmemoeglichkeiten mit geregeltem Zweitmarkt, alternativ offene Vehikel gleicher Bauart ohne wirklich offen zu sein (jaehrliche Kuendigung fuer max 20% z.B.)- a la, NL, OZ, US TIAA-CREFF.
    Die Schaffung eines zentral gemanagten kapitalgedeckten Vehikels fuer die 2. Saeule nach dem Vorbild diverser grosser Pensionsfonds souveraener Staaten, z.B. Kanada STATT Riester- dies war DER Fehler der letzten Dekade- und deren Ausweitung auf den oeffentlichen Sektor bei gleichzeitiger Einzahlungspflicht der dort Beschaeftigten- a la NL.
    Der Ersatz von Ruerup durch ein steuerlich und was den Annuitaetenzwang angeht wesentlich grosszuegigeres System a la UK/USA- OK Wunschdenken eines Besserverdieners.


  • der grösste Teil der Kritik trifft den Gesetzgeber. Weshalb hat er ein so hochkomplexes Produkt wie die RiesterRente überhaupt ins Leben gerufen? Stolpe und Riester lassen grüssen. Vielleicht sollte es ja doch politsch gewollt sein so wenig wie möglich Förderung auszukehren?? Beratung kostet nunmal Geld auch bei den Verbraucherzentralen. Nur haften die nicht für ihre Beratung, ebenso Herr Oehler nicht für das was er als Wissenschaftliche Studie ausgibt.

  • Ich habe meine eigenen Erfahrungen gemacht mit Policen der Skandia, der WWK und der Zürich, die von einem Makler vermittelt wurden.Nach 4 Jahren wurde sich immer noch mit den Kosten herausgeredet. Ich habe daraufhin recherchiert und kann allen nur raten: Nehmt provisionsfreie Angebote in Anspruch. Unter Youtube mal nach Vorsorgekampagne suchen, deren video habe ich gesehen und war schockiert.

    Heute habe ich nur noch zwei Policen, einmal Riester, einmal Privatrente. Und in diesen sind die Verwaltungskosten minimal (Produktinformationsblatt vergleichen). Abschlussprovisionen gibts in solchen Tarifen gar nicht.

  • "Lebenspolicen seien unflexibel und die Kosten zu hoch" - das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn um eine Lebenspolice ohne Verlust loszuwerden, gibt es den Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Dort bekommt man einen Mehrerlös über Rückkaufswert ausgezahlt und der Zweitmarkthändler führt die Police weiter. Vielleicht liegt ja in der Unwissenheit das eigentliche Problem: Wer nicht über die Existenz des Zweitmarktes informiert ist, kündigt seine Police vorzeitig - und so entstehen mal schnell 16 Mrd EUR jährlicher Schaden. Schaden, den man vermeiden kann.

  • @ursularenner

    In 2007 legten beispielsweise deutsche Privathaushalte etwa €uro 168,1 Milliarden zurück.

    Prinzipiell sollte man meinen, dass Ihre Rechnung einer staatlich regulierten Veranstaltung wirklich aufgehen sollte.

    Allerdings vertreiben Bankenvertreter, ebenso wie die Vertreter von Finanz-/Strukturvertrieben, bevorzugt überwiegend fondsgebundene Produkte.

    Und was dem Verbraucher in keiner Weise bewusst (gemacht) wird ist die Tatsache, dass diese Produkte zumeist jährliche Kosten zwischen 5 und 12% verursachen.

    So vertreiben ortsansässige Raiffeisenbanken im Bezirk 515xx bevorzugt UniProfiRente/4P mit Anlage in UniGlobal / AA 5% zzgl. TER 1,33% p.a. und UniEuroRenta / AA 3% zzgl. 0,69% TER p.a.

    An Menschen, die keinerlei Erfahrung mit Fondsprodukten haben.

    Ohne gesetzlich geschuldete Aufklärung über Rückvergütungen in jedweder Form.

    Dabei stellte der BGH im Beschluss vom 29.06.2010, Az. XI ZR 308/09, ganz klar fest, dass Kreditinstitute ihrer Verpflichtung zur Aufklärung über eben diese Rückvergütungen bereits seit 1990 verletzen.

    Für ein Ehepaar, Er 33/Sie 31, Endalter 67 laufen bei monatlich Er €uro 80/Sie €uro 48, knapp €uro 54.000 Einzahlungen auf. Bei 6% Rendite kämen Erträge von knapp €uro 96.000 hinzu.

    Das Endguthaben ohne Ausgabeaufschlag und ohne Verwaltungsgebühr würde knapp €uro 177.000 betragen.

    Das Endguthaben nach Kosten, also unter Berücksichtigung von Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr, würde aber nur noch knapp €uro 124.000 betragen.

    Ebenso verhält sich die Kostenbelastung mit den Fördermitteln.

    Also geht die gut gemeinte Rechnung leider nicht auf.

    Wobei den Löwenanteil nicht der 5%-ige Ausgabeaufschlag ausmacht, der geht nur vom jeweiligen Anteilswert, sondern der TER, der vom Fondsvermögen gerechnet wird.

    In absoluten Zahlen fallen bei obigem Beispiel etwa €uro 7.000 Ausgabeaufschläge, aber zusätzliche €uro 46.000 Verwaltungsgebühren, an.
    __________________________
    Ihr Versicherungsmaklerbureau

  • Wunderbarer Kommentar, danke!

  • Frage 1: Wieviel sparen eigentlich die Leute in Deutschland im Jahr in diverse Versicherungen? Ich glaube nämlich nicht, dass es 50 Mrd € sind! Und wären es 50 Mrd €, dann wären 100% in den Sand gesetzt? Frage 2: Darf ich zierlich daran erinnern, dass Riesterverträge damals eine wegbrechende Säule der GRV ersetzen sollen? Die GRV war noch nie kündbar - warum wird das beim Ersatz-Riester plötzlich zum Kritikpunkt? Frage 3: Wenn ein Sparbetrag von z.B. 100 € pM zur Verfügung steht, wo bringt er mehr, in einer gesetzlichen Versicherung, in der ich "Rentenpunkte" wie Spielgeld sammle und mir am Ende des Tages die Politik sagt, was 1 Punkt wert ist, oder in einer staatlich regulierten, privaten Veranstaltung?

  • Was kostet denn eigentlich der ganze ineffiziente Superbeamtenapparat beid er gesetzlichen Remte, Der Artikel ist eine Hetzkampgne gegen die sicherlich nicht lupenreine private Altervorsorge deren Hauptproblem wieder mal die Ueberregulierung ist. Da sind die 401k Vrtraege in den USA infinit billiger, flexibler und profitabler. Mit persönlich waere es am liebsten wenn die Krake Staat einfach die Finger rauslassen wuerde und mir bis zu einem gewissen Prozentsatz meines Einkommens im Rahmen einfacher Regeln freie Hand ließe. Jetzt soll ich also den Gruenen meine Altersvorsorge anvertrauen. Die Jungs sind doch nun wirklich nicht mal am Rande qualifiziert. Sozial laberer als Finanzminister und Stroebele als Investmentberater. Lange nicht so gelacht. der Staat ist doch nicht die Loesung sondern das Problem mit seinen Schulden und Steuern und künstlicher Niedrigzinspolitik zugunsten von Steuerhinterziehernationen.

  • @Versicherungsmaklerbureau

    "...die mit Ironie in Ort und Schrift ihre Probleme haben."

    Kenn ich nicht, den Ausdruck. Hab ich auf meiner
    sprich-örtlichen schmalen Schulbank was versäumt?

    Macht nix. Kannst außerdem ruhig DU sagen. Oder läßt das deine Schulbildung, die du als Versicherungsmakler genossen hast, nicht zu?

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