Roaming-Gebühren
Nur 90 Tage ohne Aufschlag telefonieren

Eigentlich sollten die Roaming-Gebühren für das mobile Telefonieren und die Internetnutzung im Ausland ab 2017 ganz wegfallen. Nun sorgt ein Entwurf der EU-Kommission für Proteste bei Verbraucherschützern.

FrankfurtIm Ausland mobil telefonieren und mit dem Smartphone surfen wird alle Jahre wieder ein bisschen günstiger und sollte eigentlich bald genauso viel kosten wie im Heimatland. Noch im November 2015 hatten die Europäische Kommission, der Ministerrat und das Europäische Parlament verkündet, dass Roaming-Gebühren zum 15. Juni 2017 weitgehend abgeschafft werden sollten.

In einem Entwurf der EU-Kommission klingt das nun aber ganz anders: Ab Juni 2017 sollen Handynutzer im EU-Ausland lediglich 90 Tage pro Jahr ohne Zusatzkosten telefonieren und im Internet surfen können - danach sollen Telekommunikationsunternehmen Aufschläge berechnen können. Die 90 Tage sind dabei eine Mindestvorgabe - theoretisch können die Unternehmen auch einen längeren Zeitraum ohne Roaming-Gebühren anbieten.

Der europäische Verbraucherschutzverband Beuc hat die Brüsseler Pläne kritisiert: „Diese weitreichenden Einschränkungen bedeuten, dass das lange versprochene Ende des Roamings für die meisten europäischen Verbraucher keine Realität wird“, sagte Beuc-Experte Guillermo Beltrà am Dienstag in Brüssel.

Die EU-Kommission rechtfertigt die Beschränkung auf 90 Tage im Jahr: „Damit wollen wir Missbrauch verhindern“, sagte eine Kommissionssprecherin am Dienstag in Brüssel. Mobilfunkanbietern stehe es überdies frei, ihren Kunden auch längere Zeiträume anzubieten, in denen sie fürs Telefonieren und Surfen im Internet im europäischen Ausland keine Zusatzgebühren berechnen.

„Wenn jemand eine SIM-Karte in einem EU-Mitgliedsstaat kauft und damit die ganze Zeit in seinem Heimatland telefoniert, dann ist das Missbrauch“, erläuterte die Sprecherin. Die Idee, die Roaming-Gebühren abzuschaffen, sei besonders für Reisende in der EU gedacht, und die überwältigende Mehrheit der Europäer reise weniger als 90 Tage im Jahr.

Kritik an dem Kommissionsvorschlag äußerte aber auch Michel Reimon, netzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament: „Ein gemeinsames Europa darf nicht bei der Telefonrechnung enden.“ 90 Tage Roaming im Jahr seien „eine Farce“ und eine vergebene Chance, ein gemeinsames Europa weiter voranzutreiben. „Einen gemeinsamen digitalen Binnenmarkt im Interesse der Bürger wird es so nicht geben“, kritisierte der Grünen-Politiker.

Im Jahr 2007 hatte die Europäische Kommission 2007 zum ersten Mal auf die Preise gedrückt. Davor konnte ein einminütiges Telefonat vom Strand auf Mallorca in die deutsche Heimat schon mal ein bis zwei Euro kost

Aktuell ist bei abgehenden Anrufen ein Roaming-Aufschlag von fünf Cent pro Minute erlaubt, bei eingehenden Anrufen ist es ein Cent, bei SMS dürfen nur zwei Cent aufgeschlagen werden und mobiles Internet darf pro Megabyte maximal fünf Cent mehr kosten als zu Hause. Wie im Inland ist der Empfang von SMS im EU-Ausland kostenfrei.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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