Sammelklagen So wehren sich Aktionäre besser

Für Anleger wird es einfacher und billiger, ihre Schadenersatzansprüche wegen fehlerhaften Prospekten oder falscher Beratung durchzusetzen. Doch ein Allheilmittel ist das reformierte Musterverfahren nicht.
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Der Ärger der Kleinanleger, denen zu Zertifikaten der US-Bank Lehman Brothers geraten wurde, ist groß. Quelle: dpa

Der Ärger der Kleinanleger, denen zu Zertifikaten der US-Bank Lehman Brothers geraten wurde, ist groß.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEiner für alle – so lautet kurz gesagt das Prinzip, das sich hinter dem sperrigen Begriff Kapitalanleger-Musterverfahren verbirgt. Die Idee: Mehrere, sogar Tausende, Anleger können sich zusammentun und gemeinsam vor den Kadi ziehen. Dieses Verfahren soll jetzt noch einfacher werden und Anlegern mehr Rechte verschaffen.

Das Musterverfahren entstand 2005 aus der Not heraus, denn es drohte ein bürokratisches Chaos. Hunderttausende Aktionäre fühlten sich betrogen, alle aus dem gleichen Grund: Kurz nach dem sogenannten dritten Börsengang der Telekom im Jahr 2000 wurde eine Milliarden-Übernahme bekannt und die Papiere stürzten ab. Die Aktionäre sind der Meinung, auf dieses Ereignis hätte schon im Prospekt hingewiesen werden müssen, auch andere Beteiligungen und Immobilienbewertungen seien nicht ausreichend dargestellt worden. Aus ihrer Sicht war der Prospekt deshalb fehlerhaft, 17.000 T-Aktionäre reichten eine Klage ein.

Ohne das Musterverfahren hätte für jeden Kläger einzeln die Frage geklärt werden müssen, ob der Prospekt falsch war. Sogar die Zeugen, obwohl es immer die gleichen gewesen wären, hätten für jedes einzelne Verfahren vorsprechen müssen – Effizienz sieht anders aus. Mit dem KapMuG, dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz, wurde deshalb die Möglichkeit geschaffen, dass ein Anleger als Musterkläger agiert, während beliebig viele andere Kläger als Beigeladene an dem Verfahren teilnehmen.

In dem Musterverfahren wird dann zunächst die sogenannte Vorfrage geklärt, im Fall der Telekom also: War der Prospekt fehlerhaft? Die einzelnen Verfahren der Kläger sind solange ausgesetzt, bis es einen rechtskräftigen Musterentscheid gibt – möglich sind hier maximal zwei Instanzen, das Oberlandesgericht und der Bundesgerichtshof. Danach muss das Gericht, bei dem die Klage eingereicht wurde, entscheiden, ob der einzelnen Kläger nun tatsächlich Anspruch auf Schadenersatz hat.

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