Schadenersatz-Prozess
Neuer Tiefschlag für Telekom-Aktionäre

Telekom-Aktionäre sind Leid gewohnt. Das gilt vor allem für Anleger, die bei der dritten Tranche des Telekom-Börsengangs 66,50 Euro für eine Aktie bezahlten. Tausende Anleger fühlen sich von dem Unternehmen getäuscht und kämpfen vor Gericht um Schadenersatz. Doch auch hier droht eine Niederlage.
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HB FRANKFURT. Im Mammutprozess gegen die Deutsche Telekom schwinden die Chancen Tausender Anleger auf Schadenersatz. Nach einjähriger Verfahrenspause machte Richterin Birgitta Schier-Ammann vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Mittwoch klar, dass die wichtigsten Punkte der Kläger aus ihrer Sicht nicht stichhaltig sind.

Schier-Amman, die den Fall neu übernommen hat, schließt sich damit der Ansicht ihres Vorgängers Christian Dittrich an. „In allen Punkten werden wir auch in der neuen Besetzung nicht von der Meinung des Senats abweichen“, betonte Schier-Amman. Sie habe alle Unterlagen von Dittrich durchgearbeitet und an seinen Schlüssen nichts auszusetzen. Dittrich hatte das viel beachtete Verfahren bis zu seiner Pensionierung Ende vergangenen Jahres geleitet, allerdings kein Urteil gefällt. Das steht nun am 13. April an.

Gut 16.000 Kleinanleger fordern von der Telekom insgesamt 80 Millionen Euro Schadenersatz. In Frankfurt wird exemplarisch der Fall eines schwäbischen Pensionärs geklärt, der 1,2 Millionen Euro fordert. Er hatte 2000 einen Teil seiner Ersparnisse in die „Volksaktie“ gesteckt.

66,50 Euro kostete eine Aktie zum Höhepunkt des Technologie- und Börsen-Hypes - zwei Jahre später waren die Titel für gerade einmal acht Euro zu haben. Viele Anleger fühlten sich getäuscht - und überzogen die Telekom mit Klagen. Sie werfen dem Dax-Konzern falsche Angaben im Börsenprospekt für den Telekom-Aktienverkauf im Jahr 2000 vor. Damit habe der ehemalige Staatskonzern die Anleger getäuscht, argumentierte der Tübinger Anlegeranwalt Andreas Tilp, der den Musterkläger vertritt.

Tilp stützte seine Klage vor allem auf zwei Punkte: Zum einen soll die Telekom in dem Prospekt die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream verschwiegen haben, einen Monat nach der Platzierung wurde der Kauf öffentlich mitgeteilt. Der Richterin zufolge gelang es Tilp aber nicht, diese Behauptung mit Beweisen zu untermauern.

Zweiter Anklagepunkt: Angeblich waren Immobilien zu hoch bewertet. Doch sei an dieser Praxis nichts auszusetzen, sagte die Richterin. Tilp ließ sich davon aber nicht abschrecken und reichte zahlreiche neue Anträge ein - es sollen sich noch viele weitere Fehler in dem besagten Prospekt verstecken. In vier Monaten soll das Urteil verkündet werden. Doch hat Tilp schon angekündigt, danach beim Bundesgerichtshof zu klagen. Das Verfahren dürfte sich also noch Jahre hinziehen.

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