Scheidungsrecht: Was es kostet, den Partner wieder loszuwerden

ScheidungsrechtWas es kostet, den Partner wieder loszuwerden

Der Bund für’s Leben verdient diesen Name schon lange nicht mehr. Scheidungen sind Alltag in Deutschland. Dennoch ist vielen nicht klar, welche Kosten drohen, wenn die Ehe scheitert.
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Selten hat eine Blondine in der Männerwelt ein so nachhaltiges Beben ausgelöst, wie Ivana Trump in den 1990-er Jahren. Die schwerreiche Ex-Gattin des vormals ebenfalls schwer reichen Immobilienmoguls Donald Trump avancierte mit gerade einmal sieben Worten zur Ikone von Millionen scheidungswilliger Frauen. Und zum Schreckgespenst derer, die es mit ihnen zu tun bekamen. Trumps Credo: „Nimm's ihm nicht übel - nimm ihm alles“ wurde zur wohl meistkopierten Strategie der Rosenkrieger in aller Welt. Bis heute.

In Deutschland müssen rachsüchtige Ex-Partner, die ihren Verflossenen ruinieren wollen, allerdings ausgesprochen gute Argumente haben. „Die Zeiten, in denen Geschiedene nach dem Ehe-Aus darauf vertrauen konnten, auf Kosten des Ex ein Leben in Saus und Braus zu führen, sind vorbei“, sagt Maria Demirci, Familienrechtlerin aus München. „Der Gesetzgeber hat das deutsche Scheidungsrecht in den vergangenen Jahren einer umfangreichen Verjüngungskur unterzogen, und fordert, gerade von Frauen, ein deutlich höheres Maß an Eigenverantwortung. Auch die Gerichte sehen immer genauer hin, wem sie nach einer Trennung welche Summen zusprechen.“

Betroffen von den Neuerungen sind alle Paare, die, wie die meisten Brautleute, ohne Ehevertrag den Bund für’s Leben geschlossen (und wieder gelöst) haben. Was den Güterausgleich, die Rentenansprüche und etwaige Unterhaltszahlungen nach der Scheidung angeht, müssen sie nach den Standard-Regelungen richten. Die lassen für die Methode Trump nur in begrenztem Umfang Platz. Und doch: Teuer werden kann die Scheidung auch weiterhin.

Wer ohne Ehevertrag heiratet, lebt mit seinem Gatten im Güterstand der sogenannten Zugewinngemeinschaft. Der Begriff ist allerdings irreführend. Denn eine Zugewinngemeinschaft bewirkt keineswegs, dass alles, was das Paar gemeinsam besitzt, auch beiden gemeinsam gehört. „Jeder der Eheleute bleibt grundsätzlich Alleineigentümer des Vermögens, dass er vor und während der Ehe erworben hat“, erläutert Katrin Niederl, Fachanwältin für Familienrecht bei der Dresdner Kanzlei Meyer-Götz.

Der Gesetzgeber schreibt lediglich vor, dass allzu große Vermögensunterschiede zwischen den Partnern im Fall einer Scheidung auszugleichen sind. Einen Totalverlust der eigenen Habe brauchen Begüterte an dieser Stelle aber nicht befürchten. Sie müssen nur etwas abgeben: „Derjenige Partner, der seit der Trauung das größere Finanzpolster aufbauen konnte, muss dem anderen von seinem Überschuss die Hälfte überlassen“, so Niederl.

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  • Ist schon traurig, wenn man nur wegen der Kohle geheiratet wird. Heisst nämlich, dass man sonst nix zu bieten hat. ;-) Wer ein toller Mann in jeglicher Hinsicht ist, braucht eine Scheidung nicht zu fürchten. Leider lassen sich die meisten mit der Zeit gehen...

  • Zum Eheglück gibt es ja Eheverträge. Da wissen dann beide, dass mehr als Versorgeransprüche im Spiel sind. Erstaunlich nur, dass viele Männer das Stichwort Ehevertrag gar nicht gerne hören, besonders wenn sie diejenigen sind, die finanziell schlechter dastehen- oder weniger verdienen.
    Es ist grundsätzlich wichtig, dass Frauen eigenes Geld verdienen. Diese Einstellung ist in unserem antiqiuerten Deutschland leider bei Männlein und Weiblein äußerst unbeliebt. Also Männer, lasst eure Frauen auch arbeiten, macht dafür selber was im Haushalt und redet gemeinsam offen über die Finanzen- am besten vor der Ehe.

  • Hier scheinen sich nur Männer zu Wort zu melden. Es geht neben dem Geld auch darum, wer seine Arbeitskraft, Lebenskraft, seine Möglichkeiten dem Partner/der Partnerin und den ev. Kindern zur Verfügung stellt. Das scheint - heute wie früher - gratis erwartet zu werden und nachher ja keine Ansprüche. Dem Kommentar, bei Karrieresprung eine Gütertrennung zu machen, würde ich sofort zustimmen, sofern die Person mit dem Karrieresprung gleich viel für die Gemeinschaft tut wie der/die andere. Aber die Mehrarbeit leisten und dann leer ausgehen ist schlicht und einfach unfair und ungerecht. Und Gerechtigkeit ist doch sooooooooo ein wichtiges Schlagwort im Moment, wo bleibt sie?

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