Schneeballsystem: Deutscher Anlagebetrüger Kiener auch in USA angeklagt

Schneeballsystem
Deutscher Anlagebetrüger Kiener auch in USA angeklagt

Helmut Kiener hat mit einem Schneeballsystem jahrelang Anleger betrogen. In Deutschland sitzt er deshalb bereits eine Haftstrafe ab. Nun ist er auch in den USA angeklagt. Eine Auslieferung muss er aber nicht fürchten.
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New YorkDer deutsche Anlagebetrüger Helmut Kiener wird nun auch in den USA ein Fall für die Justiz. Staatsanwalt Zane Memeger erhob am Donnerstagabend in Philadelphia Anklage gegen den 53-Jährigen gelernten Psychologen aus Aschaffenburg, der in Deutschland in Haft sitzt, und seinen amerikanischen Komplizen John Tausche, wie das Justizministerium in Washington mitteilte. In den USA drohten Kiener laut der Mitteilung bei einer Verurteilung bis zu 200 Jahre Haft und eine Strafe von 7,9 Millionen Dollar, Tausche müsste bis zu 40 Jahre hinter Gitter und zwei Millionen zahlen. Kieners Schneeballsystem war im Oktober 2009 nach sechs Jahren aufgeflogen.

Memeger kündigte zwar einen Auslieferungsantrag an, doch hat Kiener wenig zu befürchten – so lange er nicht nach dem Ablauf seiner Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten in die USA einreist. Deutsche Staatsbürger werden nicht an Länder außerhalb der EU ausgeliefert. Anders Tausche: Der 61-Jährige ist US-Bürger und wohnt im Bundesstaat North Carolina.

Die Ermittler bezifferten den Schaden, den Kiener in den USA angerichtet hat, auf 311 Millionen Dollar (230 Millionen Euro), Tausche werden Betrügereien im Volumen von 137 Millionen Dollar vorgeworfen. In Würzburg war Kiener 2011 verurteilt worden, weil er 5000 Kleinanleger sowie die Großbanken Barclays und BNP Paribas um zusammen 345 Millionen Euro gebracht hatte. Mittlerweile sieht sich Barclays mit Klagen von mehr als 1000 Kleinanlegern konfrontiert, weil die Bank ihnen Produkte auf Basis von Kieners „K1“-Hedgefonds verkauft hatte. Die Bank sieht sich dagegen selbst als Opfer Kieners. Zu den Geschädigten zählt sich auch die US-Investmentbank Bear Stearns, die heute zu J.P. Morgan gehört.

Der letzte Coup Kieners waren zwei Fonds, in die Barclays, Bear Stearns und BNP Paribas zusammen mehr als 100 Millionen Dollar investierten. Doch statt das Geld anzulegen, kaufte der Fondsmanager unter anderem eine Strandvilla in Florida für 21 Millionen Euro, ein Bombardier-Geschäftsflugzeug, ein Boot und drei Luxuswagen der Marken Bentley, Mercedes und Maybach.

In Deutschland wurde der Hedgefonds-Manager Helmut Kiener bereits zu zehn Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

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