Schwarzbuch Banken
Erst der Profit, dann der Kunde

Seit der Finanzkrise haben die deutschen Banken wenig gelernt. Ein Buch der Verbraucherzentralen zeigt, wie die Branche ihre Kunden systematisch austrickst. Mit welchen Methoden die Banker ans Geld der Kunden gelangen.
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Die Lehman-Pleite haben deutsche Kleinanleger noch in schlechter Erinnerung. Tausende verloren damals ihr Geld. Sie hatten sich Zertifikate der Pleitebank aufschwatzen lassen, von ihren Beratern bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken. Kaum einer ahnte, für was er seine Euro hergab, und welche Risiken dahinter steckten. Erst als das Geld weg war, kam das böse Erwachen. Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Haben die Banken etwas aus dem Desaster gelernt? Nein, sagen Verbrauchschützer.

Im „Schwarzbuch Banken und Finanzvertriebe“, herausgegeben von der Verbraucherzentrale NRW, kommen sie zu dem Schluss: An mangelhafter Beratung bis hin zum Anlagebetrug hat sich nichts geändert. Das grundlegende Dilemma sei dasselbe geblieben: Nicht die Beratung stehe im Vordergrund, sondern die Provision. „Wenn sich nun der unbedarfte Verbraucher mit seinen Finanzfragen an eine Bank oder einen Finanzdienstleister wendet, erwartet er eine kompetente Beratung. Doch was er bekommt, ist im Grunde ein Verkaufsgespräch“, heißt es in dem Buch.

Die Banker selbst stehen unter enormen Druck. Sie müssen die Quoten für den Verkauf von Investmentfonds, Zertifikaten, Bausparverträgen oder Versicherungen erfüllen, die ihnen der Vorgesetzte vorschreibt. Die Konsequenz: Verkauft wird nicht, was am besten für den Kunden ist, sondern was der Bank oder dem Finanzdienstleister am meisten einbringt.

Für den Kunden entpuppe sich ein scheinbar unwiderstehliches Angebot im Laufe der Zeit nicht selten als teure Kostenfalle und die angeblich so sichere Kapitalanlage als risikoreiche Spekulation, schreibt der Autor. Ein zweistelliger Milliardenbetrag gehe den Sparern dadurch Jahr für Jahr verloren.

Immer wieder fordern Verbraucherschützer eine grundlegende Neuausrichtung der Banken. Der Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, mahnte kürzlich bei einer Pressekonferenz in Berlin: „Die Institutionen müssen sehr viel tun, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Finanzkrise und ihr Gebaren verloren gegangen ist.“ Die Bank der Zukunft sei kundenorientiert und stärker auf Anlageziele und -grenzen der Verbraucher ausgerichtet. Außerdem biete sie einfache Basisprodukte. „Die Verbraucher wünschen sich verständliche Produkte“, sagte Billen. Eine Bank dürfe nicht an der Not der Verbraucher Geld verdienen.

Kommentare zu " Schwarzbuch Banken: Erst der Profit, dann der Kunde"

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  • Nicht böse sein, aber sich auf Kontrollen ausreden ist lächerlich. Die Banken haben eben kein Geschäftsmodell mehr weil sich die alte Produkte nicht mehr verkaufen. Ist auch klar, das Handeln mit nicht existierenden Werten kann nicht endlos funktionieren. Die Frage ist welche Existenzberechtigung haben Banken in diesen Form noch Heute?

  • Das Ergebnis ist doch völlig logisch. Die hohen Auflagen für Sicherheit und Kontrolle haben ein erhebliches Kostenproblem hinterlassen. die staatlichen "Verbesserungen" sind wirtschaftlich häufig nicht sinnvoll.
    die Sozialpolitik und die Gewerkschaften haben zusätzlich den Fokus weg vom Kunden hin zum Mitarbeiter gefördert.
    Wer unter solchen Bedingungen Gewinne machen will, der muss über kurz oder lang seine Kunden "bescheissen".
    Da ist es billig auf die unternehmen zu schimpfen, die lediglich in einem staatlich opportunistisch erzeugten Umfeld agieren.
    Das Unternehmen im Wettbewerb egoistisch sind ist Sinn und Zweck des Wettbewerbs. es liegt an den staatlichen Verzerrungen, wenn dies langsam aber sicher zum Interessenkonflikt geworden ist, weil die staatlich verursachten Betriebskosten immer höher werden und zweistellige Renditen erfordern um rentabel zu sein.
    Gerade das sit ja der Grund, warum die Institute immer größer werden und kleinere immer mehr Schwierigkeiten haben sich am Markt zu behaupten.

    H.

  • @797 Emittentenrisiko entfällt, aber die meisten ETFs funktionieren nur bei Kurssteigerungen. Außerdem ist es keineswegs so, dass alle ETFs die Aktien des abgebildeten Index enthalten, vielmehr wird die Kursentwicklung häufig mittels Derivaten abgebildet. Da empfehle ich dem Verbraucherschützer zur Fortbildung, oder einfach nur mal in Wikipedia nachzusehen. Unter Umständen sind im Derivat auch ganz böse Sachen wie swaps !

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