„Selbst belastet“
Radler verliert Prozess mit eigenem Video

Das Beweisführung eines Radfahrers ist nach hinten losgegangen. Der Radler hatte zufällig seine Tour samt Unfall gefilmt und brachte das Video als Beweis ein. Doch das Gericht bescherte ihm eine böse Überraschung.
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MünchenEin privat gedrehtes Video hat das Amtsgericht München als Beweismittel in einem Zivilprozess zugelassen. Die Voraussetzung: Wer etwa mit dem Handy filmt, dürfe damit noch keinen bestimmten Zweck verfolgen. Derartige Videos seien nicht verboten und sozial anerkannt, teilte das Gericht am Montag mit. Jeder wisse, dass er in der Öffentlichkeit zufällig auf solche Bilder geraten könne. Will später jemand mit ihnen etwas beweisen, können sie laut Urteil als Beweis veröffentlicht werden.

Im vorliegenden Fall hatte sich der Kläger mit seinem Film nach Ansicht des Gerichts selbst belastet - er verlor den Prozess. Der Radler hatte im Mai 2011 in München einen Unfall; schuld war seiner Ansicht nach ein Cabriofahrer. Als es zum Prozess kam, wollte der Radfahrer die Schuld seines Kontrahenten mit einem Video beweisen - er hatte seine gesamte Fahrt mit einer am Fahrrad angebrachten Kamera gefilmt. Das Gericht akzeptierte das Video, denn der Autofahrer war nach Ansicht der Richterin rein zufällig vor die Linse geraten.

Allerdings hatte der Kläger mit den selbst gedrehten Straßenszenen nicht den erhofften Erfolg, im Gegenteil. Die Richterin war nach dem Film der Meinung, der Radler selbst habe sich nicht verkehrsgerecht verhalten. Auch den angeblich zum Stinkefinger erhobenen Mittelfinger des Cabriofahrers konnte sie nicht erkennen. Die Klage auf 3000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld wies die Richterin deshalb ab. Das Urteil vom 6. Juni ist noch nicht rechtskräftig.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Selbst belastet“: Radler verliert Prozess mit eigenem Video"

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  • Nehme nicht teil an den K(r)ämpfen Rad vs. Auto.

    Aber eine Iddee hier ist wirklich perfekt: Wer nicht wenigstens einen qualifizierten Schulabschluß schafft, darf ab sofort nicht mehr mit dem Führerschein (Auto, Moped, LKW) rechnen. Damit blieben die "Deppen" aussen vor.

    Das löst viele vorhandene Probleme schlagartig. Sollte man sofort umsetzen.

  • Ach sieg-fried, ich wiederum habe selten Fahrradfahrer ihr Fahrrad auf der Fahrbahn abstellen sehen, aber sehr oft Autofahrer ihr Auto auf dem Fahrradweg (und auf dem Bürgersteig, gerne auch so, dass Rollstuhlfahrer oder Personen mit Kinderwagen auf die Fahrbahn ausweichen mussten).
    Und was dem Fahrradfahrer seine rote Ampel ist, ist dem Autofahrer die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit.
    Ließe sich beliebig fortsetzen.
    Und Kampfradler-Watch: Dass die Deppenquote mit Anonymität steigt, scheint mir im Straßenverkehr weniger plausibel als in online-Foren zu sein.
    Ich blicke gerade aus meinem Büro auf eine vielbefahrene Kreuzung (zwei Fahrstreifen, Parkstreifen, sehr enger Radweg (Köln, Hohenstaufenring, Insider wissen was ich meine) und sehr breiter Bürgersteig). Der eine oder andere Radfahrer fährt auch mal ein Stück auf dem Bürgersteig: geringes Gefahrenpotential, die fahren meist langsam und halten Abstand. Der eine oder andere Autofahrer achtet beim Rechtsabbiegen nicht auf Fahrradfahrer, die eigentlich Vorrang hätten: latente Lebensgefahr, dieses Jahr alleine deshalb schon mindestens drei Todesfälle in Köln.
    Der eine oder andere Fußgänger latscht auch mal quer über den Radweg, ohne auf herankommende Radfahrer zu achten: Aus meiner Sicht auch gefährlicher als das Fahren von Radfahrern auf dem Bürgersteig, kommt aber natürlich auf den Einzelfall an.
    Ich glaube irgendwie nach wie vor, nicht die Radfahrer, sondern die Deppen sind das Problem.

  • Oh Gott Sieg-fried mit seinen Pauschalverunglimpfungen wieder. Wählen Sie doch lieber Nörgel-fried als nick...
    Was glauben Sie was man als Radfahrer alles erlebt, dass man beim Rechtsabbiegen eines Autofahrers praktisch immer übersehen wird sind da noch die harmloseren Sachen!
    Letztens durfte ich mich von so nem Proleten in nem alten Benz zulappen lassen als er mich beim Linksabbiegen geschnitten hat... fehlte eigentlich nur noch B-SH 88 als Nummernschild.
    Ein Großteil der Unfälle mit Zweiradfahrern (egal ob Motorrad oder Fahrrad) wird duch Autofahrer verursacht, da können Sie noch so rumnörgeln, das ist nunmal Fakt.

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