Sepa-Zahlungssystem
Superlange Kontonummern werden 2014 Pflicht

Kurze Bankleitzahlen und Kontonummern sind bald Geschichte. Auch wenn sich Verbraucher eine 22-stellige Zahlenkolonne merken müssen, bringt die Umstellung auf ein einheitliches europäisches Zahlungssystem viele Vorteile.
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DüsseldorfEs gibt sie schon seit 2008, doch sie führt noch immer ein Schattendasein. Kaum jemand nutzt die Sepa-Überweisung. Denn in Deutschland gibt es parallel dazu noch das herkömmliche Zahlungssystem. Dabei sind die Ziele von Sepa – kurz für Single Euro Payments Area – eigentlich sehr vielversprechend. Dank eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrs sollen Überweisungen, Lastschriften und Bankkarten in allen beteiligten Ländern nach dem gleichen System funktionieren. „Grenzüberschreitende Überweisungen sollen schneller, billiger und sicherer für EU-Bürger werden“, teilte das Europaparlament mit. Die Kostenersparnis für
Banken und Verbraucher betrage 123 Milliarden Euro in sechs Jahren - weil zum Beispiel Überweisungsgebühren wegfallen.

Trotzdem vertrauen viele Staaten – neben den EU-Ländern gehören auch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz zum Sepa – bisher lieber auf ihre nationalen Zahlungssysteme. Deshalb macht die Europäische Kommission jetzt Druck: Bankkunden müssen vom 1. Februar 2014 an europaweit einheitliche Kontonummern mit 22 Stellen (IBAN) verwenden. Zu diesem Zeitpunkt werden nationale Überweisungen und Lastschriften im europäischen Zahlungsraum (Sepa) vereinheitlicht. Darauf haben sich das EU-Parlament, der Ministerrat und die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel geeinigt. Die neue Zahlenkolonne IBAN wird in Deutschland die bisher viel kürzere Kontonummer und Bankleitzahl ablösen. Derzeit sind die internationalen Standards nur bei Transfers auf ausländische Konten im Einsatz.

Ursprünglich hatte die Kommission auf eine Lösung am Markt gesetzt und keinen Umstellungstermin vorgegeben. Durch das Zusammenwirken von Banken, Unternehmen und Verbrauchern sollte sich der europäische Zahlungsverkehrsraum quasi von alleine weiterentwickeln. Dieser Versuch gilt mittlerweile als gescheitert, zu gering ist bisher die Beteiligung an dem System – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

Für ein festes Datum für die Umstellung auf die Sepa-Überweisung hatte sich auch das Bundesfinanzministerium ausgesprochen. Mit dem 1. Februar 2014 steht dieser Termin nun. Damit Bankkunden die Umstellung nicht allzu schwer fällt, gibt es Erleichterungen. So können Verbraucher die alte kurze Kontonummer noch bis Februar 2016 im nationalen Zahlungsverkehr nutzen.

Verbraucherschützer blickten Sepa zwischenzeitlich mit Skepsis entgegen. Vor allem beim Lastschriftverfahren befürchteten sie Nachteile für deutsche Bankkunden. Doch diese Nachteile bleiben aus: Das in Deutschland häufig genutzte Elektronische Lastschriftverfahren gibt es auch künftig, alte Lastschrift-Aufträge behalten unter Sepa ihre Gültigkeit und das bisherige bedingungslose Widerrufsrecht bei Abbuchungen vom eigenen Konto durch Lastschrift gilt weiter. „Ein von Versicherungen, Vermietern, Verlegern und Vereinen zu Recht befürchtete Chaos bei der Umstellung von mehreren hundert Millionen Mandaten in Deutschland bleibt uns damit erspart“, sagte der grüne Europa-Abgeordnete Sven Giegold.

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  • Fehler im drittletzten Absatz?

    Bisher hatte der Kunde 6 Wochen Zeit, um im Lastschriftverfahren zu widersprechen; da macht es keinen Sinn zu sagen:
    "Zudem hat der Kunde weniger Zeit, um auf eine Fehlbuchung zu reagieren – ab der Buchung sind es gerade einmal acht WOCHEN."

    Da sind wohl 8 TAGE gemeint?

  • Ich erlebe es schon heute, wie lange manche Leute vor den SB-Terminals meiner Sparkasse stehen, um ihre Überweisung auszuführen. Mit der neuen Regelung wird die Sparkasse vielleicht gezwungen sein, ein zusätzliches SB-Terminal aufzustellen, damit die Schlange nicht zu groß wird. Solche Kosten hat noch niemand einkalkuliert.

  • Die Einführung von SEPA in nationalen Zahlungsverkehr ist übrig wie ein Kropf, kostet der Wirtschaft viel Geld für die Umstellung in der EDV, auf Formularen, Briefbögen usw. und macht wird auch dem privaten Verbraucher schon aufgrund der 22-stelligen Kontonummer Schwierigkeiten bereiten. Die angeblichen Milliardeneinsparungen wird es nicht geben, auch ist es Unfug, von höherer Sicherheit zu reden. Zu befürchten ist allerdings, dass die internationale Kontonummer dazu dienen soll, aus uns allen den perfekt gläsernen Staatsbürger zu machen. Mit dem bisherigen Kontonummern und Bankleitsystem klappt das noch nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob die Befürworter in diesem Forum wirklich begeistert darüber sein werden, dass alle Zahlungsströme rund um den Erdball kontrolliert werden können.

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