Solarkonzern mit Kurssturz

Wie die Solarworld-Pleite Anleger trifft

Anleihen mit einem Volumen von 170 Millionen Euro hat der Bonner Solarkonzern Solarworld noch ausstehen. Einen Großteil des Geldes werden Anleger nicht wiedersehen. Aktionäre trifft es noch härter.
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FrankfurtLarry Hagman zieht seinen Cowboyhut auf und tritt hinaus auf die Terrasse seiner Villa im mediterranen Stil. Sein Blick wandert aufs Dach, auf dem Solarmodule von Solarworld montiert sind. Dann schaut Hagmann in die Sonne, ruft „shine, baby, shine!“, und bricht in sein berühmtes Schurken-Gelächter aus. Der Werbespot mit dem als Öl-Baron JR Ewing aus der Fernsehserie Dallas berühmt gewordenen US-Schauspieler brachte Solarworld 2010 viel Aufmerksamkeit. Viele Anleger ließen sich davon blenden und zeichneten 2010 und 2011 Anleihen im Umfang von 550 Millionen Euro.

Seither hatten die Anleger wenig Freude an ihrem Investment. Bereits 2013 mussten sie auf 60 Prozent ihres Geldes verzichten und einen Teil ihrer Anleihen in Aktien umwandeln. Doch noch immer stehen laut Bloomberg zwei Anleihen mit einem Gesamtvolumen von knapp 170 Millionen Euro aus. Seit September 2016 setzte Solarworld bereits mehrfach die Zinszahlungen aus. Nun, nach der Insolvenz-Ankündigung von Mittwoch, verloren die bereits arg gebeutelten Papiere abermals rund 40 Prozent. Die Solarworld-Aktie brach sogar um 75 Prozent ein.

Sonnenland ist abgebrannt
Solarboom durch das EEG
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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hatte in Deutschland einen Solarboom ausgelöst. Jede produzierte Kilowattstunde Sonnenstrom wurde anfänglich mit mehr als 50 Cent vom Staat vergoldet. Doch spätestens ab 2009 wurde es schwierig. Die üppigen Subventionen riefen asiatische Firmen auf den Plan. Chinesische Hersteller bauten Fabrik um Fabrik. Eine Pleitewelle erfasste die heimische Photovoltaikbranche. Ein Überblick.

Solarworld
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„Das ist der größte denkbare Massenmarkt der Zukunft, denn das einzige Produkt, das alle Menschen zu allen Zeiten immer brauchen, ist Energie“, schrieb Frank Asbeck 2009 in seinem Buch „Eine solare Welt“. Damit hatte er vielleicht Recht – doch sein Konzern Solarworld ging im Mai 2017 trotzdem pleite. Die Konkurrenz aus China warf spottbillige Solarmodule auf den Markt, Solarworld konnte damit nicht mithalten. Solarworld war mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1,5 Gigawatt gegenüber chinesischen Konkurrenten mit der vierfachen Produktionskapazität schlichtweg zu klein, um dauerhaft überleben zu können.

CSG Solar
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Auch CSG Solar war einfach zu klein, um zu überleben. Im März 2006 wurde die 9000 Quadratmeter große Produktionsanlage in Thalheim eingeweiht. Nur zwei Jahre später musste das Unternehmen die Produktion einstellen, sich von 124 der 164 Beschäftigten trennen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzte CSG Solar aber fort.

Sontor
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Sachsen-Anhalt galt lange als Solar Valley in Deutschland. Doch seit mehreren Jahren müssen immer mehr Solarfirmen aufgeben. Einst lieferte die Branche dort über 3000 Arbeitsplätze – die meisten davon sind mittlerweile weggefallen. Um sich vor der Pleite zu retten, hatte sich Sontor aus Bitterfeld 2009 mit Sunfilm zusammengeschlossen – und konnte so überleben.

Solon
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Solon war einst einer der größten Solaranlagenhersteller Europas. 2011 ging das Unternehmen das erste Mal pleite, das indisch-arabische Unternehmen Microsol rettete Solon vor dem Aus und nannte es Solon International. Doch 2014 musste Solon zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

Odersun
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Odersun sollte ein strahlendes Aushängeschild der Brandenburger Wirtschaft werden und seinen Solarmodulen den Markt verändern. Doch es kam anders als erhofft. Odersun lieferte kein marktfähiges Produkt. 2010 meldete Odersun Insolvenz an. 2013 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung.

Sovello
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2005 wurde Sovello als Joint-Venture von Q-Cells, Evergreen Solar und Renewable Energy Corporation ASA gegründet. Anfangs startete das Solarunternehmen durch, doch bis 2012 stieg Sovello immer weiter ab und musste Insolvenz beantragen. Im August 2012 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Produktion komplett einstellt und allen Mitarbeitern kündigen muss.

In sozialen Netzwerken machten Anleger ihrem Ärger über die schlechte Nachricht Luft. „Mich hat das EUR 5000 gekostet, aber Hauptsache, Herrn A… geht es gut“, schrieb etwa Anleger Josef Odenthal mit Verweis auf Firmenchef Frank Asbeck bei Facebook.

Handlungsbedarf für Anleiheinhaber sieht Alexander Elsmann von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) jedoch nicht. Der Rechtsanwalt vertritt seit Jahren Solarworld-Gläubiger. Die Anleihen seien besichert, sagt er. Das bedeutet: Sie haben bei der Bedienung der Schulden Priorität. „Anleiheinhaber sind in einer komfortablen Situation“, so Elsmann. Sie könnten in Ruhe die Eröffnung des Insolvenzverfahrens abwarten. Doch der Kapitalmarkt-Experte dämpft die Erwartungen: „Mit einer hohen Auszahlungsquote ist nicht zu rechnen“.

Aktionäre outeten sich bei Twitter

Klaus Nieding, Vizepräsident und Experte für Mittelstandsanleihen bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), warnt Anleger jedoch vor zu viel Passivität. Andere Pleiten in der Ökoenergiebranche, wie Prokon oder Solar Millennium, hätten gezeigt: „Anleiheinhaber tun gut daran, sich frühzeitig zusammen zu schließen“. Wichtig sei, dass ihre Interessen während des Insolvenzverfahrens im Gläubigerausschuss repräsentiert würden. „Sie müssen aufpassen, nicht rasiert zu werden“, warnt Nieding.

Der Anlegerschützer hat dabei vor allem professionelle Spekulanten im Auge: Die kaufen Anleihen zum Spottpreis, um sich Stimmrechte im Gläubigerausschuss zu sichern. Dann drücken sie das Insolvenzverfahren möglichst schnell durch. Dabei achten sie nur darauf, dass die Rückzahlungsquote der Anleihe über dem Preis liegt, zu dem sie die Anleihe gekauft haben. Für langfristig orientierte Privatanleger, die die Anleihe seit Ausgabedatum im Jahr 2014 halten, fallen die Verluste möglicherweise höher als nötig aus. „Haben die Spekulanten einmal die Mehrheit im Gläubigerausschuss, sind Privatanleger praktisch machtlos“, sagt Nieding.

Andere machen auf Facebook ihrem Ärger Luft – und die Konzernspitze verantwortlich

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8 Kommentare zu "Solarkonzern mit Kurssturz: Wie die Solarworld-Pleite Anleger trifft"

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  • Die Kohle kommt ganz bestimmt nicht zu dir, falscher Baron!
    Du bist jedesmal froh, wenn du abends genug Pfandflaschen zusammen hast. Und das wird dann sofort in neuen Sprit und was zu qualmen investiert.

  • Da bekommt der Öko-Soz die verdiente Schnappatmung. Hui, die Kohle zum Finken kommt und sich die Sonne senkt. Ha Ha Ha

  • <<Mich hat das EUR 5.000 gekostet, aber Hauptsache, Herrn A... geht es gut.>>

    Herrn Asbeck geht es auf jeden Fall gut. Der Schloss- und Waldbesitzer geht regelmäßig zum Spaß Tiere schießen. Sowas hat noch nie einen Grünen gestört. Ich vermute, er fährt Diesel (wegen dem Klimaschutz).

  • Letztlich war der Geschäftszweck von Solarworld staatliche Subventionen für ein wertloses Produkt (umweltschädlicher Zufallsstrom!) zu Lasten der Gesellschaft und der Mitmenschen abzugreifen.

    Die Anleger haben sich zu Lasten und zum Schaden der Mitmenschen zu bereichern gesucht und haben dabei einen Schaden erlitten.

  • Für 5000,-- gibt es nur einen Platz auf Sprosse 3 der Himmelsleiter .
    Die ist aber grün lackiert .

  • Ich verstehe das geschreie nicht.
    Als die Aktie an den Markt kam,
    konnte man sehen wie sie Stieg und immer wieder geteilt
    wurde. Alle waren voll zu Frieden uns Asbeck der Held in den Medien.

    Jeder konnte sehen als das ding gelaufen war.
    aber keiner wollte es war haben.
    billig nachkaufen.

    Jeder der sich die Zahlen ansieht, war gewarnt.
    Eigenkapital, Umsatz , Gewinn.Buchwert.
    Wer das 100 fache vom Gewinn pro Aktie bezahlt
    hat selber schuld.
    Das große Platzen kommt aber noch
    Immobilien mit der 40 fachen Kaltmiete
    Aktien mit einem KGV von über 20
    Buchwert 10 Kurs 100

    Wer da jetzt noch aufspringt hat selber schuld

  • @ Novi Prinz11.05.2017, 17:26 Uhr

    Richtig. Ein Platz im Öko-Himmel sollte man sich für 5.000 EU schon gesichert haben, denke ich.

  • Auch wenn es Verluste gibt , war es doch für eine gute Sache ! Das tröstet !

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