Sparkasse Erlangen
Ein offener Brief, eine Unternehmerin und die Versicherungskammer

Alle Produkte aus einer Hand: Eine Optikerin startet mit Beratung der Sparkasse Erlangen ihr Geschäft – und steht nach einem Einbruch beinahe vor dem Aus. Jetzt stehen Versicherungskammer Bayern und Sparkasse unter Druck.

FrankfurtDie Geschichte beginnt mit einem Einbruch. Am 21. April 2015 rauben Unbekannte das Brillengeschäft von Eva Trummer in Erlangen aus. Sie erbeuten zahlreiche Brillengestelle und Geld aus der Kasse. Der Schaden: mehr als 100.000 Euro. Die junge Inhaberin, die den Laden weniger als ein Jahr zuvor eröffnet hat, ist geschockt. Und erwartet dann, dass ihre Versicherung ihr aus der Patsche hilft.

Doch diese Geschichte ist keine über den Segen einer Versicherung für Gründer. Sie ist ein Lehrstück über Fallen bei der Firmengründung – und wie scheinbar übermächtige Verhandlungspartner mit Hilfe von sozialen Medien zum Nachdenken bewegt werden können.

Acht Monate nach dem Einbruch schreiben Trummer und dann auch ihr Vater im Blog der Optikermeisterin. Die Versicherungskammer Bayern hat entschieden, dass die Versicherung nicht greife. Nur Dank Eigenleistungen der Familie konnte der Laden überhaupt bis zum Tag der Entscheidung über Wasser gehalten werden. Und dann das: Für den Umsatzausfall komme die Versicherung nicht auf.

Das Unternehmen begründet das damit, dass es sich nicht einen Einbruch „im klassischen Sinne“ gehandelt habe. „Damit Leistungen aus der Ertragsschutzversicherung erbracht werden können, muss ein versichertes Ereignis, also ein ersatzpflichtiger Schaden vorliegen“, so die Versicherungskammer.

Der Hintergrund: Es deutet einiges darauf hin, dass die Täter sich zuvor einen Schlüssel zum Laden beschafft hatten. Ein Zweitschlüssel wurde in einer kleinen Schublade unter der Kasse verwahrt. Diesen könnten die Einbrecher zuvor geklaut haben. Unter diesen Umständen – die Täter sind nicht eingebrochen oder eingestiegen oder haben einen falschen Schlüssel anfertigen lassen – sieht die Versicherung keinen Leistungsanspruch. „ Ich habe mich, bevor ich die Versicherungen abgeschlossen habe, ausführlich von der Sparkasse Erlangen beraten lassen. In dem Beratungsgespräch war nie die Rede davon, dass ich nicht versichert bin, wenn die Einbrecher ohne Einbruchsspuren eindringen“, schreibt Eva Trummer.

In der Tat verweisen Versicherungsexperten in diesem Zusammenhang auf das vielzitierte „Kleingedruckte“ im Vertrag. Dass dort bei Einbruchdiebstahl- und Raubversicherungen verschiedene Ausschlussklauseln stehen, ist durchaus üblich. Der Ausschluss Schlüsseldiebstahl kommt allerdings auch nicht per se in den Verträgen vor.

Die Trummers sind überhaupt nicht zufrieden mit der Reaktion der Versicherungskammer – und vor allem nicht mit der Sparkasse, die die fragliche Versicherung vermittelt hatte. Die Versicherungskammer Bayern gehört im Wesentlichen den bayrischen Sparkassen.

Kurz vor Weihnachten schreibt Walter Trummer den im Blog und auf der Facebook-Seite der Sparkasse veröffentlichten offenen Brief an die beiden Vorstände der Sparkasse, Walter Paulus-Rohmer und Heinz Gebhardt – der Inhalt wird Dutzende Male weitergeleitet und kommentiert. Trummer, selbst seit fast 40 Jahren Kunde des Geldhauses, ist enttäuscht: „Mein Vertrauen in die Kompetenz und in die Integrität der hier beteiligten Mitarbeiter der Sparkasse Erlangen ist nachhaltig zerstört.“

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Vorstandstreffen mit der Bank

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