Steuerthema der Woche
Krankenversicherung bald steuerlich absetzbar

Durch das Bürgerentlastungsgesetz sollen viele Steuerzahler bald einen größeren Teil ihrer Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bei der Einkommensteuer als Sonderausgaben absetzen können. Die genaue Berechnung gestaltete sich bisher noch schwierig.
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In der vergangenen Woche wurde die Ermittlungsverordnung zum Abzug der steuerlich abzugsfähigen Krankenversicherungsbeiträge im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Ab Januar 2010 dürfen privat und gesetzlich Versicherte über die Steuererklärung vorab über eine reduzierte Lohnsteuer über den Arbeitgeber sowie durch die Minderung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen sämtliche Prämien geltend machen.

Ausgang ist das Bürgerentlastungsgesetz, das ein Einsparpotenzial von jährlich knapp zehn Milliarden Euro auf Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts vorsieht. Zu diesem Gesetz war eine Verordnung als flankierende Maßnahme notwendig, da nur die Absicherung auf Basis der gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegepflichtversicherung begünstigt ist. Ab 2010 muss also aus den Beiträgen herausgefiltert werden, welcher Anteil auf dieses geförderte Grundniveau und was auf Zusatzleistungen wie beispielsweise Chefarztbehandlung, Heilpraktiker, Zahnersatz sowie Krankengeld entfällt.

Finanzämtern und Betrieben ist es kaum möglich, den nicht abziehbaren Teil der Krankenkassenbeiträge zu ermitteln, besonders bei private Policen mit verschiedenen Optionsmöglichkeiten. Daher werden Regeln aufgestellt, um die Höhe des Sonderausgabenabzugs festzusetzen. Die einfachste Lösung ist, wenn die Versicherung die begünstigten von den nicht privilegierten Prämien sauber trennt.

Bei gesetzlichen Kassen ist die Differenzierung hingegen leichter. Hier wird der Beitrag um den Anteil fürs Krankengeld um vier Prozent vermindert. Bei privat Versicherten gibt es eine Übergangslösung. Der Arbeitgeber darf für den Lohnsteuerabzug eine Vorsorgepauschale von elf Prozent des Bruttogehalts und maximal 1 900 Euro berücksichtigen. Bei Verheirateten mit Steuerklasse III sind es höchstens 3 000 Euro. Mehr gibt es, wenn der Beschäftigte die tatsächlich bezahlten Beiträge mitteilt. Für die Berechnung der Einkommensteuervorauszahlungen 2010 setzt das Finanzamt entweder 80 Prozent der privaten oder 96 Prozent der gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge an, die bei der letzten Veranlagung berücksichtigt wurden.

Künftig soll das durch den Aufbau einer ELSTAM-Datenbank leichter sein. Hieraus ruft der Betrieb die relevanten Prämien online ab und kennt auch gleich den Aufwand für den mitversicherten Ehegatten, gleichgeschlechtlichen Lebenspartner oder die Kinder. Bis dahin wird es vermutlich massive Umstellungsprobleme geben.

Oliver Holzinger ist geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb".

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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