Streitfall der Woche
Wenn der Rosstäuscher zuschlägt

Skrupellose Händler verkaufen Haustiere, obwohl sie wissen, dass sie krank sind. Vor allem bei Pferden geht es um viel Geld. Die betrogenen Kunden können sich aber wehren - der Gesetzgeber hat die Regeln verschärft.
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Der Fall


Nicht ohne Grund gibt es schon lange den Begriff „Rosstäuscher“. Kaum ein Rechtsgebiet wurde durch höchstrichterliche Urteile zum Autokauf und Pferdekauf derartig geprägt wie das aktuelle Gewährleistungsrecht. Es geht immer wieder um Macken und Fehler der Vierbeiner, die verheimlicht werden.

Und um teilweise alte klapprige Zossen, die dann für freche Preise an den Mann gebracht werden. Denn ahnungslose Kunden gibt es genug. Und Verkaufspreise in Höhe von 100.000 Euro sind keine Seltenheit. Der durchschnittliche Preis für die auf Auktionen versteigerten edlen Geschöpfe lag 2010 bei rund 23.000 Euro.

Umso ärgerlicher ist es dann für Käufer, wenn das teuer erstandene Ross plötzlich nicht so daher trabt und schwebt wie erwartet. So hatte sich jüngst für eine stolze Reiterin herausgestellt, dass sich ihr neu gekauftes Pferd sich nicht wirklich reiten ließ. Der gerufene Tierarzt stellte auf Röntgenbildern zu enge Dornfortsätze in der Wirbelsäule fest.

Die Behinderung war vor dem Kauf offenbar bekannt: Ein früherer Besitzer des Pferdes bestätigte ebenfalls, dass er erhebliche Rittigkeitsprobleme damit hatte. Er erklärte zudem, dass er davon ausgegangen sei, dass der Händler das Pferd zum Schlachter geben würde, da er über die Problematik aufgeklärt hatte. Der neuen Reiterin war das zu viel. Sie verklagte den Verkäufer.

Die Gegenseite


Der Verkäufer sah alles ganz anders. Er erklärte, dass das Pferd jedenfalls zum Zeitpunkt der Übergabe vollständig gesund gewesen sei. Letztlich könne die Käuferin einfach nicht reiten. So ähnlich heißt es in dem entsprechenden Urteil.

Die Stute sei von ihm häufig geritten worden, ohne dass eine tiermedizinische Behandlung erforderlich gewesen sei. Vielmehr läge es an der neuen Besitzerin, dass das Pferd nicht richtig laufen würde. Es seien schlicht reiterliche Fehler und die damit verbundene falsche Einwirkung auf das Pferd, die dazu führen, dass das Pferd sich nicht wie gewünscht bewege. Zudem habe seine Kundin ja auf die angebotene Ankaufsuntersuchung verzichtet.

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