Streitfall des Tages: Immobilien
Welche Immobilienbesitzer tausende Euro nachzahlen müssen

Mit Verträgen für ein schlüsselfertiges Haus hoffen Bauherren, unkompliziert und günstig zu ihrem Traumhaus zu kommen. Doch häufig drohen hohe Nachzahlungen. Welche Immobilienbesitzer der Preishammer trifft.
  • 1

Der Fall

Wenn wenigstens jetzt alles klappt, kann Familie Schmidt demnächst in ihr eigenes Haus in einem Dorf in der Lüneburger Heide einziehen. Der Preis dafür ist allerdings hoch: 14 Monate Bauzeit, galoppierende Kosten und ein Zerwürfnis mit dem Bauträger, das unter Umständen noch vor Gericht landet.

„Es war ein Winter-Super-Schnäppchen-Angebot“, erinnert sich Uwe Schmidt bitter - ein Einfamilien-Haus mit 134 Quadratmeter Grundfläche für 128.000 Euro. Der Vater von zwei Kindern war zunächst vorsichtig: Er hatte sich im Vorfeld zwei Häuser der Baufirma angesehen, vor der Unterschrift unter den Vertrag noch einen unabhängigen Architekten zu Rate gezogen.

Doch trotzdem zeigte das Traumhaus bald nach Baubeginn im März 2010 erste Risse: „Bei jedem Bauabschnitt gab es Mehrkosten“, erzählt Schmidt. Die Dachziegel erwiesen sich als Billigware und entsprachen nicht den Vorgaben des Bebauungsplans. Mehrkosten: 3000 Euro. Bei den Erdarbeiten war die Zufahrtsstraße zu dem Bauplatz des Neubau-Gebiets nicht eingerechnet. Dafür fielen 1500 Euro zusätzlich an.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. „Bei 40.000 Euro Mehrkosten haben wir die Reißleine gezogen und den Werksvertrag gekündigt“, erzählt Schmidt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 90.000 Euro an die Baufirma gezahlt. Nach Schätzung eines Sachverständigen war das Haus jedoch nur rund 60.000 Euro wert.

Seit September organisiert Uwe Schmidt zusammen mit einem Architekten den Bau selbst – dazu gehört auch die Beseitigung der Mängel. Und davon gab es jede Menge: Der Wintergarten war schwarz gebaut und wäre so auch nie genehmigt worden, weiß Schmidt heute. „Der hätte keinen Herbststurm überlebt.“ Die Kosten für diese Quasi-Sanierung: 18.000 Euro.

Der Kamin stand an der falschen Stelle und wurde vom Bezirksschornsteinfeger nicht abgenommen. Gepfuscht worden war vor allem an Punkten, an denen die individuellen Planungen von dem Nullachtfünfzehn-Schema der vorab besichtigten Standardhäuser abwichen. Schmidt formuliert es vorsichtig: „Mein Eindruck ist, dass der Bauträger mit unseren Wünschen überfordert war.“ Eine Schadenersatzklage liegt schon in der Schublade.

 

Die Gegenseite

Auch von Seiten der Baufirma kochen die Emotionen hoch: Sie droht ebenfalls mit einer Klage wegen angeblich nicht geleisteter Zahlungen. Die Mängel streitet sie ab. Beim Kamin „lagen brandschutzrechtliche Mängel zu keiner Zeit vor, der Schornstein hätte betrieben werden können.“ 

Seite 1:

Welche Immobilienbesitzer tausende Euro nachzahlen müssen

Seite 2:

Welche Immobilienbesitzer betroffen sind

Seite 3:

Was Immobilienbesitzer tun können

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Immobilien: Welche Immobilienbesitzer tausende Euro nachzahlen müssen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wäre es nicht mal an der Zeit, diese Murks Firmen hier auch mit dem Namen zu nennen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%