Streitfall des Tages
Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Versicherungen, Wertpapiere oder Baufinanzierung: Neun von zehn Beratern orientieren sich laut Verbraucherschützer nicht am Bedarf der Kunden. Wie sich Betroffene wehren können und an gute Produkte gelangen.
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Der Fall

Ein Ehepaar Anfang 40, zwei Kinder, hat bei verschiedenen Finanzberatern und bei einer Sparkasse Verträge abgeschlossen. Allein im Versicherungsbereich verfügt die Familie über eine fondsgebundene Rentenversicherung, eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung, eine fondsgebundene Basisrente, eine fondsgebundene Lebensversicherung und eine klassische Lebensversicherung. Hinzu kommen Bausparvertrag, Aktienfonds, Aktiendepot und Tagesgeldkonto.

Da sie auch noch ein Immobiliendarlehen zur Finanzierung bedienen müssen, drohen ihnen die Ausgaben für Sparverträge und Kreditraten über den Kopf zu wachsen. Sie wenden sich an die Verbraucherzentrale Baden Württemberg. Hier analysieren Experten die Finanzen.

Ergebnis: Zwei fondsgebundene Rentenversicherungen und die klassische Lebensversicherung sind nicht bedarfsgerecht. Der Schaden summiert sich für den Versicherungsbereich allein aufgrund der Abschlusskosten auf rund 13.000 Euro. Auch die Immobilienfinanzierung bewerteten die Experten als nicht bedarfsgerecht. Die Kreditsumme sei aufgrund der in Sparverträgen belassenen Eigenmittel zu hoch, die Tilgungsrate zu niedrig angesetzt. Zudem fallen Aktienfonds und Aktiendepot durch.

Die Relevanz

200 Verträge wertete die Verbraucherzentrale Baden Württemberg zwischen Oktober 2010 und April 2011 aus. Sie stammen von Anlegern, die in diesem Zeitraum zur persönlichen Beratung in punkto Geldanlage und Altersvorsorge kamen, um ihr Portfolio zu optimieren. In 176 Fällen weisen sie Mängel auf. Sie entsprachen völlig oder teilweise nicht dem Bedarf der Ratsuchenden. Die Verbraucherschützer schätzen den Schaden der jährlich durch Falschberatung entsteht auf mindestens 48 Milliarden Euro.

Um den Bedarf zu ermitteln, fragten die Verbraucherschützer die finanzielle Situation, die Risikobereitschaft und die Anliegen der Ratsuchenden ab. Diese Angaben wurden mit den Eigenschaften der vorgelegten Verträge verglichen. Verträge wurden als „bedarfsgerecht“ qualifiziert, wenn sie hinsichtlich ihres Risikos und ihrer Flexibilität zur individuellen Situation des Verbrauchers passen. Zudem sollten Verträge kostengünstig und möglichst transparent sein.

In mehr als 50 Prozent der Fälle wurden Verträge verkauft, die nicht der Risikobereitschaft der Verbraucher entsprechen. In 85 Fällen versäumte der Finanzberater die Flexibilität von Anlegern zu erheben und vermittelt unflexible Verträge. Drei Viertel der Verträge waren zu teuer. Es hätte in diesen Fällen Alternativen mit vergleichbarem Chance- und Risikoprofil zu deutlich günstigeren Konditionen gegeben.

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  • Nein ! Falsch !

    Ich bin selbst Banker ! Wir beraten nicht falsch, sondern zielorientiert. Die Ziele - bei mir 20 Einzelziele - legt natürlich der Bankvorstand bzw. Vertriebsleiter fest.

    Einmal sagte ich vor einer Verkaufsschulung, dass ich das zur Schulung kommende Produkt (Zertifikate) im Verkauf nicht benötige. In der Pause nahm mich der Prokurist zur Seite und meinte, dass die Bank keine Berater bräuchte, welche nur Bankprodukte verkaufen wollen.

    Also .. vertraue keinem Banker, sondern investieren Sie ihre wertvolle Zeit statt in eine Beratung lieber in die Lektüre von neutralen Finanzinformationen, z.B. Finanztest (von Stiftung Warentest).

  • Was wärst Du denn bereit, für ein Honorar zu bezahlen?
    Unter 300 € pro Stunde würde ich nicht arbeiten. Ich muss ja auch noch die defizitären Kollegen der "kostenlosen" Kontoführung mitfinanzieren.

  • Naja, die Tipps und Tricks die hier verraten werden sind für mich mehr als zweifelhaft.

    Anm. Nr.1.:
    Die Fondsanlage entwickelt sich nicht wie erwartet.
    Ganz klar. Bei einer guten Beratung wird natürlich vorher auch das Thema Wertentwicklung angesprochen. Wenn hier nun geraten wird nach Fehlern bei der Beratung zu suchen, die nur dazu beitragen sollen entgangene Wertentwicklungen ersetzt zu bekommen, muss ich echt an der Seriösität zweifeln.

    2. Unabhängigkeit:
    Klar, wenn ich zu einer Sparkasse gehen bekomme ich meistens DekaFonds und Provinzialversicherungen empfohlen, gehe ich zu der Dt. Bank sind es Allianz und DWS-Investmentfonds. So hat jede Bank seine persönlichen Favoriten bzw. Tochtergesellschaften. Ich weiss zumindest, dass meine Hausbank diesen Gesellschaften vertraut - und ich vertraue meiner Hausbank.
    Wenn ich zu einem freien Finanzvermittler gehe, dann erhalte ich nicht umbedingt die beste Versicherung oder den besten Fond. Woher will derjenige auch wissen, was sich in den nächsten Jahren gut entwickelt. Eine Glaskugel hat niemand. Allerdings muss ich hier mit der Angst leben, nicht ein Produkt aus vertrauen heraus, sondern aus Provisionsgründen verkauft zu bekommen.
    Ein darf man sicherlich nicht vergessen: Bei den meisten Instituten werden noch ordentliche Festgehälter gezahlt.
    (+Provision).

    Die Honorarberatung halte ich allerdings im Anlagebereich für sehr interessant. Hier sollte allerdings auch wieder die Bank des Vertrauens aufgesucht werden.

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