Streitfall des Tages
Wann die Riester-Rente teuer wird

Viele Riesterkunden möchten während der Sparphase ihren Anbieter wechseln. Doch hohe Kosten, intransparente Produkte und restriktive Anbieter behindern die freie Wahl des Anbieters. Was Riestersparer wissen sollten..
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Der Fall


Ein Riester-Sparer war mit seinem bisherigen Vertrag unzufrieden und wollte zu einem anderen Anbieter wechseln. Er kündigte seine Riesterrente, um das „gebildete Kapital“ auf einen Altersvorsorgevertrag des anderen Anbieters übertragen zu lassen.

Dem Versicherer lagen jedoch zum Kündigungstermin die für einen Wechsel erforderlichen Daten nicht vor. Daraufhin zahlte die Gesellschaft statt das zu übertragende Kapital den bei der Kündigung anfallenden sogenannten Rückkaufswert aus. Dies wurde jedoch als eine Beendigung des Vertrags gewertet, was den Verlust der staatlichen Förderbeträge bei der Zulagenstelle zur Folge hatte.

Damit war der Beschwerdeführer verständlicherweise nicht einverstanden. Er beschwerte sich deshalb beim Versicherungsombudsmann, der das Vorgehen des Versicherers beanstandete: Es könne nicht „ohne Weiteres eine Umdeutung für den Fall vorgenommen werden, dass sich die gewählte Variante nicht umsetzen lässt.“

Schließlich willigte der Versicherer ein, den Vorgang erneut zu prüfen und übertrug den korrekten Betrag, das „gebildete Kapital.“ Allerdings mussten in der Zulagenstelle die zunächst zurückgezahlten Altersvorsorgezulagen erneut angefordert und die künftige Zulage neu beantragt werden. Diese Abwicklung nahm einige Zeit in Anspruch.

Auch wenn die Übertragung in der Regel klappt, so monieren jedoch immer mehr Riestersparer das geringe gebildete Kapital.

Die Relevanz


Die Gesamtzahl der Riester-Verträge erreichte mit Stand 30. September 2011 knapp die 15 Millionen (14.997.000) Grenze. Über die Anzahl der jährlich durchgeführten Anbieterwechsel hieß es auf Anfrage beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): „Hierzu liegen dem BMAS keine Zahlen vor.“

In einer aktuellen Studie zur Riester-Rente zieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine enttäuschende Bilanz: „Die Riester-Produkte haben sich seit ihrer Einführung zu Ungunsten der Sparer entwickelt“, sagt die DIW-Expertin für Verbraucherpolitik Kornelia Hagen. Verantwortlich seien vor allem eine unzureichende Regulierung der Kalkulationsregeln, etwa wegen hoher Lebenserwartungen. „Die Kalkulation mit unterschiedlichen Lebenserwartungen kann die Rentenleistung stark beeinträchtigen“, so Hagen. „Dass der Staat für Vorsorgeprodukte, die er fördert, keine allgemein verbindlichen Kalkulationsgrundlagen vorgibt, ist nicht nachzuvollziehen“.



Das DIW Berlin fordert eine höhere Transparenz und Vergleichbarkeit durch standardisierte Kosteninformationen, eine inhaltlich bewertende Zertifizierung der Riester-Produkte und nachvollziehbare Kalkulationsgrundlagen. Außerdem müssten Wechselkosten wegfallen.

Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin greift Intransparenz und hohe Kosten an: „Wer das Recht auf Anbieterwechsel nutzt, kann sein eingezahltes Kapital nahezu vollständig verlieren“, kritisiert Dorothea Mohn, Referentin Altersvorsorge beim VZBV in Berlin. „Es ist nicht angemessen, dass größere Teile der staatlichen Zahlungen aus Steuermitteln der Begleichung von Kosten dienen, anstatt für höhere Renten beim Verbraucher zu sorgen.“ Die Forderung der Verbraucherschützer: die zulässigen Kosten sollten nachhaltig gedeckelt werden und es sollte ein besonders kostengünstiges Vorsorge-Angebot in Form einer „Non-Profit-Lösung" erwogen werden.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wann die Riester-Rente teuer wird"

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  • Danke. http://www.modern-banking.de/vergleich-festzins-ueber-10.php ist auch ganz brauchbar. Meist ist es sinnvoll, mehrere Vergleichsrechner zu verwenden.

  • @DrFrank

    Stimmt, unter diesen Randbedingungen komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis. Aus der Differenz von 2,5 Prozent den Kostennachteil des aktiven Fonds von etwa 1,8 Prozent, den Renditenachteil durch einen Aktienanteil deutlich unter 100 Prozent und den Schaden durch den oben beschriebenen Mechanismus zu finanzieren finde ich zwar ambitioniert, aber mit der Schlussfolgerung „unter diesen Randbedingungen kein völliger Irrweg“ kann ich sehr gut leben.

    Weniger gut leben kann ich mit einer Politik, die Milliardenbeträge verwendet, um ein Produkt zu subventionieren, das trotz dieser teuren Subventionierung von einem Bürger, der Versicherungen meidet, Fondsvermittler einschaltet und vermutlich auch sonst alles richtig macht, nur das Urteil „leicht vorn“ und „kein völliger Irrweg“ erhält. Aber das ist ein anderes Thema...

  • Alles sachlich richtig und gut fundamentiert. Mit den von mir gemachten Annahmen lag der Riesterfondsparplan im Vergleich zu einem globalen ETF-Fondsparplan leicht vorn. Bei einer unterstellten Wertentwicklung von 5% des Riestervertrages, müsste der ETF Fond mit 7,5% rentieren (bei 22 Jahren Laufzeit) um gleichzuziehen. Mit steigender Laufzeit nimmt das Verhältnis zu gunsten des Riestervertrages zu.

    Flankierend sollte der Riestervertrag über einen Vermittler geschlossen werden, um zumindest die offenen
    Kosten (Ausgabeaufschlag) einzusparen.

    Weiterhin kann man das Alter für Kapitalgarantie auf 67 hochnnehmen, um den maximal möglichen Aktienfondanteil sicherzustellen.

    Was am Ende dann wirklich besser rentieren wird, ist in meinen Augen völlig offen. Zumindest ist der Riestervertrag unter diesen Randbedingungen kein völliger Irrweg und als kleine Beimischung im Altervorsorge Portfolio ganz gut geeignet.


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