Streitfall des Tages
Wann ein Branchenbucheintrag richtig teuer wird

Die Gelben Seiten sind das wohl bekannteste Branchenbuch. Daneben gibt es viele andere Anbieter, die ihren Kunden in Onlineverzeichnisse aufnehmen. Einige davon neppen ihre Kunden und verlangen vierstellige Beträge.
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Der Fall

Es ist eine Geschichte, wie sie sich in ganz Deutschland Tag für Tag wiederholt: Ein Maler aus dem nordrhein-westfälischen Kamen bekommt im Oktober 2010 Post. Das Schreiben wird oben durch einen dicken gelben Balken geschmückt. Er trägt die gefettete Inschrift „Branchenbuch Kamen“. Eine Zeile tiefer steht - nicht mehr fett - „Ihr Angebot 2010/2011“. Der Betreff lautet „Eintragungsantrag/Korrekturabzug“.

Obwohl im Kopf des Schreibens vom Branchenbuch die Rede ist, wird dem Maler lediglich angeboten, dass er sich in ein regionales Branchenverzeichnis im Internet eintragen lassen kann. Seine Daten sind teilweise schon ins Formular übernommen, er soll sie überprüfen und bis zu einem bestimmten Datum zurücksenden. In der Annahme, dass ein gelber Balken und der Begriff Branchenbuch für einen Eintrag in den Gelben Seiten, dem seriösen und in Deutschland wohl bekanntesten Branchenverzeichnis der DeTeMedien, steht, schickt der Maler das Schreiben zurück.

Leider unterlässt er es dabei, den Text unter seinen Kontaktdaten richtig zu lesen. Denn dort steht das eigentlich Wichtige: Der Eintrag ins Branchenbuch Kamen wird ihn 1.068 Euro netto im Jahr kosten, der Vertrag läuft mindestens zwei Jahre - und: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unser Verlag mit den Gelben Seiten Verlagen der DeTeMedien GmbH in keiner geschäftlichen Beziehung steht.“

Absender des Briefes ist die Neue Branchenbuch AG in Frankfurt. Sie schickt dem Maler Ende Dezember eine Rechnung über 1.270,92 Euro für einen Standard Business Eintrag für zwölf Monate inklusive Mehrwertsteuer. Bis zu drei Telefon- und Faxnummern könnte der Maler dafür auflisten, bis zu zehn Servicenummern und E-Mailadressen, 15 Ansprechpartner und zehn Internetlinks.

Der Maler ist jedoch ein Kleinunternehmer, der Eintrag für ihn deutlich überdimensioniert, der Preis zu hoch. Und: Es handelt sich nicht um das Branchenverzeichnis, von dem er glaubte, dort eingetragen zu werden: die Gelben Seiten.

Er zahlt nicht, bekommt Anfang Januar eine Zahlungserinnerung und schaltet darauf Rechtsanwalt Sebastian Dosch in Heidelberg ein. Der legt in einem Brief der Neuen Branchenbuch AG dar, weswegen sein Kunde nicht zahlen wird, und dass er keinen Vertrag mit ihnen schließen wollte. Die Neue Branchenbuch AG antwortet ihm im April auf sieben Seiten: Man verstehe nicht, weswegen der Maler sie mit den Gelben Seiten verwechselt habe, das Schreiben vom Oktober sei eindeutig, der Vertragstext inklusive Kosten prominent platziert. Am Ende der sieben Seiten bietet die neue Branchenbuch AG an, dass der Maler in Raten zahlen kann.

Kommentare zu " Streitfall des Tages: Wann ein Branchenbucheintrag richtig teuer wird"

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  • Ganz genau das gleiche hat der Städte Verlag hier auch gemacht. Wie kann man sich dagegen wehren?

  • Diese Masche betreiben nicht nur Branchenverzeichnisse, es wird auch mit Kindermalbüchern, Krankenhausfahrzeugen und Stadtplänen geworben. In diesem Zusammenhang trat in unserer Firma Städte-Verlag aus Felbach auf. Hier wurde mit einer offiziellen Koop mit der Stadt geworben und durch gezielte Falschaussagen und Versprechen ein Vertrag erschlichen. Durch massiven Druck und sorgfältige Recherche bei anderen Betroffenen konnte eine systematische Täuschungsmasche offengelegt werden und die Zahlungsaufforderungen wurden seitens der Firma nicht durchgesetzt.

  • Könnte ja sein, dass Gesetzgeber auf deren Gehaltsliste stehen.

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